Dann sei auch einer! Eine der wichtigsten Kompetenzen der Lehrer ist nunmal die Diagnose- und Bewertungskompetenz.
Wie soll man denn in der Referendars-Position so handeln können?
Als Referendar ist man in einem doppelten Abhängigkeitsverhältnis. Einerseits ist man auf die Seminarbeurteilung angewiesen und andererseits auf seine Schüler (und eben nicht umgekehrt). Die Schüler müssen "nur" bei einem Unterrichtsbesuch die Mitarbeit komplett verweigern. Dann muß der Referendar das "Der Lehrer fragt, der Lehrer antwortet"-Spiel spielen und damit ist er durchgefallen.
Das ganze Setting im Referendariat erlaubt es nicht Lehrer zu sein, zumindest kein solcher, wie ihr ihn einfordert. Der Lehrer mit Rückgrat, den ihr einfordert, darf nicht abhängig von den Arbeitsleistungen der Schüler sein. Nur dann ist er frei zu bewerten. Bei der Bewertung könnte ja auch herauskommen, daß die ganze Klasse die Note 6 verdient und auch das muß er aussprechen können, ohne Angst haben zu müssen von höherer Stelle dafür sanktioniert zu werden.
Und zurück zum Thema "Hausaufgaben". Alle Kollegen, die bei uns Hausaufgaben überhaupt noch aufgeben, stellen am Ende fest, daß max. 10% der Schüler diese auch bearbeiten. Das sind dann aber die 10%, die sie eh nicht machen müßten, weil sie den Stoff eh schon durchdrungen haben. Die Zeit, die man im Unterricht für die Hausaufgabenkontrolle benötigt, rechtfertigt meiner Meinung nach nicht den Unterricht entsprechend einzukürzen. Die 20 Minuten Unterricht sind mir wichtiger als die Hausaufgabenkontrolle. Bei meinen Kollegen sieht es ähnlich aus. Folglich verzichten wir auf verbindliche Hausaufgaben sondern verteilen Aufgaben ggf. mit Musterlösungen und regen dann zur Eigenverantwortung an. Wer sie macht "gut", wer sie nicht macht "auch egal". Das Ergebnis kommt dann eh bei der nächsten Klassenarbeit.