Keine Ahnung jedenfalls, an wie vielen Gesamtschulen in NRW die im GEW-Artikel über das Nicolaus Cusanus Gymnasium in Bad Godesberg geschilderte Situation (https://www.gew.de/aktuelles/deta…ist-nicht-halal) nicht bereits absoluter Alltag ist.
Also, an denen, die ich jetzt in der Region kenne, ist das nicht üblich. Allerdings wird im Artikel erstens bereits gesagt, dass Godesberg eine besondere Salafisten-Hochburg ist und zweitens zitiere ich aus dem Artikel: „Es liegt nicht an den Regeln. Sie werden nur nicht durchgesetzt.“
Und auch ein bisschen an der Bereitschaft zum Standpunkt-Beziehen. Wenn ich kommendes Jahr Sexualkunde unterrichte, dann werde ich das tun und eine moderne naturwissenschaftliche Haltung einnehmen. Dabei ist mir egal, ob Salafisten, AfDler oder orthodoxe Russen da sitzen.
Solange es notwenig ist, sich in dieser Toleranz zu "üben", sind wir aber ehrlicherweise keine funktionierende multikulturelle Gesellschaft.
Ich glaube, wir wissen gar nicht, was echte Multikulturaltität bedeutet. Das hat man sogar streckenweise in diesem Forum gemerkt, dass jemand bspw. streng katholisch ist, wurde hier meiner Erinnerung nach oft genug angegriffen. Das bedeutet nämlich ganz oft, dass man ertragen muss, wenn jemand anders eigene Moralvorstellungen hat, die man vielleicht sogar ablehnt, solange er sie einem nicht aufzwingt sondern nach außen im gesellschaftlichen Konsens bleibt.
Schwierig wird es in der Schule, weil unsere Gesellschaft eine zumindestens grundlegende gemeinsame Kultur vorgibt und sich herausnimmt, bei Kindern auch über den Elternwillen hinweg zu agieren. Für mich ok, weil ich große Teile dieser gemeinsamen Kultur mittrage (gewaltfreie Erziehung, Sexualerziehung, etc.). Allerdings lehne ich zum Beispiel die Versuche, einen allgemeinen Religionsunterricht zu etablieren, rundheraus ab und würde mein Kind notfalls an eine Privatschule schicken, wenn das käme (unwahrscheinlich in NRW).
Man kann natürlich durchaus diskutieren, ob wir hier an ein Problem der Begriffsdefinition von Multikulturalität kommen. Für mich bedeutet das nämlich nur, dass verschiedene Menschen in Frieden zusammenleben, nicht dass wir alle alles mitmachen.