Ich bin für Religions- und Ehikunterricht an Schulen
Beides? Eher parallel oder zum Wählen?
Das Christentum hat über 2000 Jahre hinweg
Ich bezweifle, dass es "das Christentum" schon so lange gibt. Über welchen Zeitraum wir hier haben reden mögen, möchte man wirklich alles, was darin geschehen ist, in eine ungebrochene Tradition stellen. Das Christentum hatte in seiner Geschichte so einige Erscheinungsformen, mit denen ich mich nicht identifizieren wollte. Warum beruft man sich also darauf? Möchte man alles mit dabei haben?
Da ist es schon sinnvoll, zu wissen, worum es dabei eigentlich geht. Denn nur so sind verschiedene Entwicklungen der Geschichte verstehbar.
Dafür halte ich den Blick von außen für angebrachter als die Innenbetrachtung. Eine kritische Betrachtung der Geschichte des Christentums ist angesichts der moralischen Querschläger, die die Christen produziert haben, dringend notwendig. Sehr wohl. Dass die Institutionen, die dabei auch einer kritischen Betrachtung wert sind am Lehrplan mitschrieben, kann ja nur ein Witz sein. Wie sehr Kirchen daran scheitern können, ihren eigenen Kram aufzuarbeiten, haben wir ja gerade erst erlebt.
2. Für die Vermittlung ethischer Grundhaltungen und Glaubensfragen sind die anderen Schulfächer nicht in dem Maß geeignet
Die Vermittlung von Glaubensfragen halte ich nicht für ein relevantes Unterrichtsthema. Auf welcher Grundlage sollen de vermittelt werden? Eine wissenschaftliche gibt es ja nicht. Insbesondere aber halte ich die Antworten, die die Religionen zu geben haben, für bedenklich. Wo sind denn die Belege für z. B. ein Leben nach dem Tode? Wir sollten den jungen Menschen ehrliche Antworten geben.
Was die ethischen Grundhaltungen anbetrifft, so halte ich die Behauptung, dass deren Vermittlung religiösen Unterrichts bedarf, für die Verlängerung der ohnehin steilen These, dass ohne Religion (wahweise ohne Gott) kein ethisches Handeln möglich sei. Und? Welche ethische Instanz fehlt denn dem jungen Menschen, der nicht am Religionsunterricht teilnimmt? Welche ethische Handlung kann ich als Atheist nicht begehen?
Nee, angesichts der Geschichte, auf die man sich gerne beruft (s.o.), würde ich es mir auf dem hohen moralischen Ross nicht zu bequem machen, wenn ich Christ wäre.
3. Findet Religionsunterricht nur noch im außerschulischen Bereich statt, sind kruden Theorien und Beeinflussungen Tür und Tor geöffnet. Da muss man sich nur die ganzen Sekten anschauen.
Und deshalb soll man die kruden Ideen (Theorien würde ich sie nicht nennen) in die Schulen holen? Aber selbst wenn der schulische Religionsunterricht gemäßigt wäre, inwiefern verhindert das, dass außerschulisch Spinner Spinnkram erzählen? Wäre da nicht eine kritische Betrachtung von Relgionen und ihren Irrtümer unter wissenschaftliche Aspekten nicht hilfreicher?
Da muss man sich nur die ganzen Sekten anschauen.
Man muss nämlich wissen, es gibt zwei Arten von Religionen. Gute, dazu gehört insbesondere immer die eigene. Und ganz, ganz böse, denen man ihre abstrusen Ideen vorhält. Auch hier halte ich eine kritische Außenbetrachtung für hilfreich. Wenn der von einer christlichen Amtskirche dazu ermächtigte Religionslehrer einem Anhänger einer anderen, sich ebenfalls christlich nennenden Glaubensgemeinschaft, erzählt, dass er die Schrift falsch interpretiere und damit Mitglied einer Sekte sei, dann wird dieser sich sicherlich denken "Stimmt, der Mann hat recht, bei dem trete ich ein." Sektenproblem gelöst.
So in etwa? Viel Erfolg!
4. Religionsunterricht ist "Lernen am Modell". Die Geschichten, Gleichnisse und Erzählungen hatten seit Jahrhunderten ein moralisch-erzieherisches Ziel.
Auch hier halte ich die kritische Außenbetrachtung auf wissenschaftlicher Grundlage für vielversprechender als den Relegionsgemeinschaften in der Schule den Raum zu verschaffen, sich selbst Recht zu geben.
Du hast ziemlich gute Argumente gegen konfessionsbezogenen Religionunterricht geliefert.