Mich regen diese Kategorisierungen wahnsinnig auf. Hat jemand mal Väter in Schubladen einsortiert?
Genau die alten Knacker, die in Frauen nur noch Mütter sehen, wenn sie das erste Mal schwanger sind, sind auch diejenigen, die Männer für weiche Versager die Frauenarbeit machen halten, wenn diese Männer Elternzeit nehmen (wollen). Also ja, Leute die solche Schubladen aufmachen, haben Schubladen für alle.
Auf die Gefahr hin, mit digitalen Steinen beworfen zu werden: Frauen machen ständig Schubladen für andere Frauen und für Männer auf. Ich höre ständig von Müttern, dass sich die Väter nicht so stark an der Erziehung beteiligen, gleichzeitig wird aber erwartet, dass diese Väter den Familienunterhalt verdienen, zwei Autos und zwei Urlaube im Jahr finanzieren. Das geht in der Regel nicht, wenn man den Nachmittag auf dem Spielplatz verbringt. Andere Mütter beklagen sich, dass der Vater nicht dazu in der Lage sei, sich um seine Kinder zu kümmern. Ja wie denn auch, wenn er das nicht üben darf? Dass das jemand grundsätzlich nicht kann, halte ich für ein Gerücht. Dass Mütter häufig gatekeeper sind, die selbst den Vater des Kindes ganz genau kontrollieren und beim ersten (vermeintlichen) Fehler die Kindessorge wieder ansich reißen, ist mittlerweile auch wissenschaftlich untersucht.
Meine Lieblings-Schubladen-Anekdote ist die des Umzugs eines Kumpels. Die sind bei anderen Freunden in die zweite Wohnung im Zwei-Familien-Haus gezogen. Wir haben Umzug gemacht und die Frau des Einziehers hat selbstverständlich Kisten und Möbel geschleppt, wie wir alle. Da meinte die Frau des bereits dort wohnenden Kumpels allen Ernstes, warum sie denn Sachen trage. Das sei Männer Arbeit, sie solle lieber für Snacks für die Männer sorgen. Und das von einer studierten Lehrerin. Wir haben sie ignoriert und weiter gearbeitet.