Beiträge von Schmidt

    Man könnte auch einfach solidarisch und miteinander allen das gleiche zahlen, die in der gleichen Firma die gleiche Arbeit machen, anstatt sich Mann gegen (!) Mann in einer Verhandlung in symbolischem Gerangel zu ergehen, ob dass der Stärkere dem Schwächeren ("Schwäche", Zitat dein Post) das größte Zugeständnis abringt, um nochmal eine Kampfmetapher zu gebrauchen. Und nee, so funktioniert die Welt nicht zwangsläufig, wie du das hier darstellst. Das geht auch anders, aber wohl eher nicht, solange wir im Patriachat verharren oder in rational choice-Ansätzen unser sozialwissenschaftliches Glück suchen.

    So funktioniert die Welt aber zur Zeit. Wenn Frau sich dazu entscheidet, da mitzuspielen, dann eben nach den zur Zeit existierenden Regeln. Und ja, es ist eine Schwäche sich und seine Leistung nicht einschätzen und selbstbewusst damit umgehen zu können. Ich kann mir durchaus andere Gesellschaftsstrukturen vorstellen, die gibt es aber (noch) nicht und die werden sicher nicht dadurch herbeigeführt, dass Frau sich hinstellt und laut Diskriminierung ruft, weil sie die aktuellen Regel doof findet und sich diesen nicht anpassen will. Und auch nicht durch Frauenquoten oder 50% Frauenanteil im Bundestag. Unser Bundeskanzler ist seit Jahren eine Frau, einige Minister ebenfalls, die Welt ist aber nicht besser geworden. Vielleicht ist es ja doch Wunschdenken, dass alles viel toller wird, wenn überall 50% Frauen sitzen.

    ja gut, wenn du die breite masse der sozialwissenschaftlichen forschung zum thema einfach ignorierst, dann mach das. da fehlt dann für mich die gemeinsame faktengrundlage, um ernsthaft drüber zu diskutieren mit dir. das patriachat ist ein fakt, keine meinung.

    Ich ignoriere die Forschung nicht, ich ziehe nur ganz andere Schlüsse daraus, als du. Du machst, unter anderem und wie soviele den Fehler, von Statistik auf Individuen zu schließen. Wer war das nochmal, der hier im Forum mal irgendwo geschrieben hat, man müsse Mädchen darauf vorbereiten, dass sie mal weniger verdienen werden, als die Jungen in der Klasse? Das ist an Absurdität kaum zu überbieten.

    Wer "wir" ist und welche Privilegien ich habe, die du nicht hast, würde mich immer noch interessieren. Außer dem Ausdruck eines diffusen Benachteiligungsgefühls kam da bisher noch nichts.

    Ich habe an keiner Stelle geleugnet, dass unsere Gesellschaft durchaus ein "Patriachat" ist. Wo liest du das? Jedenfalls in dem Sinne, dass Männer den überwiegenden Teil der politischen Macht und des Besitzes haben, kann unsere Gesellschaft als Patriachat bezeichnet werden. Was moralische Autorität und Privilegien angeht, allerdings nicht.
    Jedenfalls sind wir dann wieder bei dem, was oben steht: was bringt es der Qualität unserer Gesellschaft, wenn Arbeiter von Frauen wegrationalisiert werden oder ein weiblicher Wissenschaftsminister die Ansicht äußert, jede Forschung habe hinter Gott zurückzustehen? Ist doch ansich unwichtig, welches Geschlecht diese Menschen haben. Was haben wir da gewonnen? Oder geht es dann doch nur ums Prinzip?
    (Ich rechne nicht mit einer Antwort. Das sind nur mal ein paar Denkanstöße.)

    Natürlich wurden keine Beträge erwähnt. Ich verdiente, obwohl länger im Unternehmen und bei gleicher Stundenzahl und Tätigkkeit, deutlich unterhalb der Grenze.


    Natürlich habe ich verhandelt, aber einen Beweis hatte ich nicht, mein Chef war empört, dass ich "gelauscht" hatte. Die Versicherungspflichtgrenze habe ich als weiblicher PM in der freien Wirtschaft nie erreicht.

    Lass mich raten: du hast dein Gehalt zum Einstieg frei verhandelt. Das ist kein gender pay gap, sondern der Tatsache geschuldet, dass du nicht entsprechende Forderungen gestellt hast. Das Problem, dass sie den Wert ihrer Arbeit nicht kennen und bei Gehaltsverhandlungen viel zu zurückhaltend sind, haben viele Frauen. Einige rufen dann danach, dass der Staat die eigene Schwäche ausgleicht, andere lernen und sind beim nächsten mal selbstbewusster.

    nur weil du, herr schmidt, kein problem mit dem patriachat hast, heißt nicht, dass viele frauen damit nicht doch ein sehr großes problem haben. bitte sag uns nicht, womit wir ein problem zu haben haben und womit nicht. das können wir prima alleine entscheiden. und es ist *keine* diskriminierung, wenn andere endlich dieselben privilegien bekommen, die man selber schon viele jahrtausende genießt. dadurch hast du nicht weniger sondern lediglich andere haben genausoviel wie du. das hier ist doch kein nullsummenspiel.

    Wow. Sorry, aber wer so wie du in diesem Beitrag alle Rationalität ausblendet und in rückständige "wir gegen die" Kategorien abdriftet, disqualifiziert sich für jede Form der ernsthaften Diskussion.
    Ich genieße nicht seit Jahrtausenden Privilegien, denn ich bin kein aristokratischer Vampir. Ich habe keine Privilegien, die du nicht auch hast und wen du mit "wir" meinst kann ich mir auch nicht erklären. Für alle Frauen kannst du jedenfalls nicht sprechen. Das wäre schon sehr anmaßend und vor allem inhaltlich falsch.

    ach, also in dem selben Land, wo das Löchern von Kinderohren den Eltern zusteht, nur weil sie die Erziehungsberechtigten sind, und sonst ist es eine Körperverletzung?

    Ohrlöcher halte ich auch für grenzwertig. Ich würde meinen Kindern keine stechen lassen, bis sie hinreichend alt sind, um das selbst zu entscheiden.
    Allerdings wachsen Ohrlöcher wieder zu. Wenn Teile des Körpers wegen Fantasiekreaturen ("Gott") abgeschnitten werden, ist das schon ein anderes Kaliber. Und da wächst auch nichts nach.

    warum frauen überall zu 50 prozent beteiligt sein sollten? weil sie die hälfte der menschheit ausmachen und gern mal wenigstens die hälfte der macht hätten, nachdem wir schon ein paar jahrtausende so gut wie immer dieselbe an männer abtreten mussten. danke.

    Das wäre nur relevant, wenn Männer nur Politik "für Männer" machen könnten und Frauen nur "für Frauen" (wenn wir erstmal bei politischer Macht bleiben).
    Tatsächlich ist es aber für die Art und Richtung der Politik vollkommen egal, ob da nun Männer oder Frauen sitzen. Entweder ist man für oder gegen die generelle Möglichkeit der Abtreibung. Ob man selbst Kinder gebären kann oder nicht, ist dabei offensichtlich nicht ausschlaggebend, weil die individuellen Gründe für die Meinung nicht vom Geschlecht abhängig sind.
    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft Männer und Frauen. Oben wurde bspw. eine Umfrage zitiert, nach der sich 60% der befragten Paare (nicht Männer oder Frauen) wünschen, dass die Aufgaben "Geld nachhause schaffen" und "Kinder hüten und Essen kochen" gleichberechtigt von beiden ausgeführt werden. Warum soll ein Mann, der dieser Meinung ist, keine entsprechende Politik machen? Warum sollte das nur eine Frau können?

    Es gibt kein "wir" Männer und auch kein "wir" Frauen. Es gibt eine Vielzahl von Meinungen, persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, die dazu führen, dass ich mit vielen Frauen mehr gemeinsam habe, als mit den meisten Männern. Biologische Eigenschaften sind da weitgehend irrelevant. Insofern ist es einfach nicht relevant, welches Geschlecht ein Politiker, ein Konzernchef oder ein Kanalarbeiter hat.
    Wieso sollte jemand aufgrund seines Geschlechts systemisch bevorzugt werden? Heißt es hier nicht die ganze Zeit, systemische Diskriminierung sei böse? Oder gilt das nur solange, wie sich die Gruppe, der man sich aufgrund zufälliger Merkmale zugehörig fühlt diskriminiert fühlt? Wenn es "die anderen" trifft, ist Diskriminierung dann aufeinmal wünschenswert? Also geht es doch nicht um Gleichberechtigung? Ich bin verwirrt. Frauen sind keine Minderheit, die man irgendwie besonders schützen müsste. Wenn Frauen genauso interessiert an politischer Arbeit und Macht wären, wie Männer, dann wären sie zu 50% beteiligt. Offensichtlich sind Frauen aber nicht im selben Maße an Macht interessiert wie Männer.

    Dass die Zustände für Frauen lange Zeit unfair und diskriminierend waren (für Männer übrigens auch; an Männer wurden auch schon immer Ansprüche gestellt, die sie zu erfüllen hatten, nur eben andere) ist keine Begründung dafür, jetzt zurück zu schlagen und Männer zu diskriminieren. Wir, als Menschen, haben wirklich andere Probleme, als so einen Schwachsinn. Und die Probleme, die wir haben, lassen sich sicher nicht durch eine allgegenwärtige 50%-Quote beheben. Im Gegenteil.

    Ich hatte zusammen mit den SuS im Unterricht besprochen, was überhaupt ein Rezept ist, wo man Rezepte finden kann, ob es kurze und lange Rezepte gibt, ob Rezepte identisch sind. Dazu wurden verschiedene Rezepte begutachtet und besprochen. In der damaligen Klassenarbeit gab es ein Bild der Puddingpackung.

    Auf der ersten Seite hast du geschrieben, die SuS hätten das Rezept von Dr. Oetker auswendig aufschreiben müssen. Ich bin kein Grundschullehrer, aber irgendwie überzeugt mich das Konzept nicht.

    Guten Morgen,

    damit die Schülerinnen und Schüler lernen, wie ein Rezept für Pudding aufgebaut ist. Wenn eine Grammangabe für Zucker oder Milch falsch war, war es in erster Linie nicht schlimm. Die SuS sollten das Schema eines Rezeptes verinnerlichen. Keiner der SuS war schlechter als eine 3 plus.

    beste Grüße Frederik

    Die Frage, wieso Dr. Oetker und nicht eins zum selbstmachen? Du unterrichtest zwar nicht Ernährung, aber ein bisschen darauf achten, dass man seine SuS auch zu einem vernünftigen Essverhalten erzieht, ist schon angebracht.


    Für mich und viele Kollegen, die mittlerweile solch ein Forum eher meiden - denn in Studienseminaren & Co. wird sich darüber ausgetauscht - ist gerade das ein negativ Beispiel eines vollwertigen Lehrers!

    Wenn ihr euch in den Studienseminaren & Co. über lehrerforen.de austauscht, warum tauscht ihr euch dann nicht auch über die Besoldung aus?


    Zitat von FranziS.

    Aber solange man als "Pädagoge", oft fernab vom Thema einfach nur motzen/kritisieren muss (analog dazu siehe Lehrerkonferenzen), wird sich am Berufsbild in diesem Kontext kaum etwas verändern.

    Hm, warum soll sich am Berufsbild etwas ändern? Meinst du vielleicht das Ansehen des Berufs?
    Es ist auch eine sehr "lehrerhafte" Einstellung, Recht haben zu wollen und nicht einsehen zu können, dass Kritik durchaus berechtigt ist. :D

    Der TE ist nach eigenen Angaben im Ref.
    Wieso fragt man nicht seine Kollegen, sondern Fremde im Internet (die sich hier zwar in der Regel durch ordentliche Fachkenntnis auszeichnen, was im Internet aber eher unüblich ist)?
    Das ist so eine generelle Krankheit, dass man statt selbst zu recherchieren und dem zu trauen, was schwarz auf weiß in verlässlichen Quelle steht, bzw. Menschen zu fragen, die sich definitiv damit auskennen, lieber Fremden vertraut.

    Oder soll der Mathelehrer mit den besseren Deutschkenntnissen nun besser bezahlt werden als der mit den etwas schlechteren? Darauf will ich hinaus.

    So funktioniert der Mechanismus nicht. Das habe ich oben schon erklärt.

    Die Frauenquote ist eine Idee zur Lösung, die natürlich aufgrund des genannten Aspektes alles andere als optimal ist. Unter der Prämisse aber, dass man die Menschen mit der besten Qualifikation in der Stellen haben will, das aber bezüglich Frauen noch nicht so ist, scheint es mir eine relativ unbürokratische und praktische Lösung zu sein.

    Ich glaube, die Gesellschaft ist sehr offen für andere, fairere Lösungsvorschläge für das Problem, falls du diese hast.

    ine Lösung für welches Problem? "Die beste Qualifikation" heißt nicht "auf dem Papier gleich". Warum müssen Männer und Frauen partou überall zu jeweils 50% beteiligt sein?
    Ein Beispiel aus meiner Unizeit: Wenn sich auf eine Professur 18 Männer und eine Frau bewerben, warum muss dann, solange die Qualifikation so halbwegs passt, die Frau auf jeden Fall eingeladen werden? Das macht einen Slot für einen qualifizierteren Bewerber dicht, bedeutet 3 verschwendete Stunden und kostet den Bewerber unnötig Zeit und Hoffnung.
    Ist es nicht gerade unfair, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt werden müssen? "Frau sein" und "Mann sein" sind, im Gegensatz zu brauchbaren Sprachkenntnissen, in den meisten Berufen keine Qualifikation.
    Eines meiner Lieblings-Beispiele zum Nachdenken: Als sich der letzte Bundestag konstituiert hat, wurde groß skandalisiert, dass es so wenige Frauen im Bundestag gebe und das durch eine Frauenquote unbedingt behoben werden muss, weil die Besetzung des Bundestages ein Zeichen für Frauendiskriminierung sei. Wenn man sich aber den Frauenanteil bei den Parteimitgliedeen ansieht, kommt das bei den Parteien recht gut hin. Wenn in einer Partei 20% der Mitglieder Frauen sind, warum muss der Anteil im Bundestag dann 50% betragen? Offenbar ist das Interesse von Frauen an politischer Arbeit nicht so groß wie bei Männern.
    Lange Rede kurzer Sinn: ich sehe bezüglich Frauen am Arbeitsmarkt kein Problem. Frauen sind mündige Erwachsene, die sich genauso wie Männer für alle intellektuell möglichen Wege zu entscheiden. Es verwirrt mich um ehrlich zu sein, wie selbstverständlich sich viele Frauen in eine Opferrolle begeben, die in den meisten Fällen gar nicht existiert.

    Eigentlich war der Vergleich mit der Frauenquote dazu gedacht, dich zum Nachdenken über die/Vergleich mit den Sprachkenntnisse(n) zu bringen. Entweder ist das gescheitert oder du hast geschickt davon abgelenkt.


    So wie es für Nigeria einen Bericht zur Beseitigung von Diskriminierung von Frauen gibt, gibt es diesen auch für Deutschland. Ich hoffe, du nimmst diesen trotzdem ernst. Denn dort wird bspw. das Ehegattensplitting genannt, das auch ich im Kopf hatte bei meiner Formulierung, dass Frauen "rechtlich dazu 'verleitet' werden, sich um die Kinder zu kümmern".
    In diesem kann man u.a. lesen:

    Dann denke ich auch an den Punkt, dass meines Wissens nach bei unehelichen Kindern der Vater nicht automatisch der rechtliche Vater ist. Damit wird das Bild, dass im Zweifelsfall die Mutter verantwortlich ist, rechtlich reproduziert. Diese Vorstellung zeigt sich ja auch im Missverhältnis beim Sorgerecht für die Mutter oder den Vater. Das ist benachteiligend auch für Männer, finde ich. Als Vater hätte ich es als Mann vermutlich schwerer das Sorgerecht zu bekommen. Als unehelicher Vater muss ich mich überhaupt erst einmal bemühen, auch rechtlich als Vater anerkannt zu werden.

    Inwiefern veranlasst Ehegattensplitting Frauen dazu, nicht zu arbeiten? Ich verdiene weniger als meine Frau und habe die schlechtere Steuerklasse. Ehegattensplitting ist nicht ans Geschlecht gebunden.

    Wenn 60% der Familien sich wünschen, die Arbeit gleich aufzuteilen, kann es mit den stereotypen Vorstellungen ja nicht so schlimm sein. Zumal dabei vollkommen aussenvor bleibt, dass viele Frauen aus freien Stücken und mit voller Überzeugung Hausfrau und Mutter sind. Ganz zu schweigen davon, dass stereotype Vorstellungen auch für Männer ein Problem sind. Es soll ja auch Väter geben, die lieber bei ihren Kindern bleiben würden, das aber nicht können, weil sie mehr verdienen als ihre Frauen oder diese gar keine Lust haben arbeiten zu gehen.

    Auch interessant, dass dir genau eine rechtliche Regelung einfällt, die Frauen vermeindlich diskriminiert (Ehegattensplitting) und danach nur noch (tatsächlich existierende) rechtliche Regelungen kommen, die Männer diskriminieren (es können übrigens auch nur Männer Exibitionisten sein und Körperverletzung an männlichen Kindern ist auch erlaubt).


    Weitere Punkte, welche in dem Bericht bezüglich der (rechtlichen) Benachteiligung der Frau mMn sehr interessant sind, sind 35 und 36 (Diskriminierung im Erwerbsleben), 37 und 38 (Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt) oder auch 39 und 40 (Lohngleichheit).

    Kannst du näher ausführen, was du konkret meinst? Nach bloßem Überfliegen sehe ich da nichts Neues und auch nichts wirklich Dramatisches.

    Zitat von tibo

    Du sprichst von individueller Verantwortung, ich sehe aber auch den Staat in der Verantwortung, diese Benachteiligungen nicht zu begünstigen, wo er es aktuell noch tut, und zu verhindern, wo er es noch nicht tut.

    Wo tut er das? Und wo tut er das nicht? Woher weißt du, wo wer wie diskriminiert wird? Wieso ist alleine die Tatsache, dass irgendwo weniger Frauen zu finden sind gleich ein Beweis dafür, dass da diskriminiert wird? Warum ist es nicht vollkommen in Ordnung, wenn sich überwiegend Frauen dazu entscheiden, beruflich kürzer zu treten, wenn Kinder ins Spiel kommen?

    Dass Frauen nicht auf ihre Beitragsjahre in der Rentenversicherung kommen ist auch Augenwischerei. Wer 45 Jahre lang zum Mindestlohn arbeitet, landet in der Grundsicherung, wer 45 Jahre Hartz IV bezieht auch (jaja, beides ist noch nicht so alt, es geht ums Prinzip). Wir haben ernste sozialpolitische Probleme. Dass Frauen tendenziell lieber ihre Kinder hüten, statt einem Unternehmen einen Mehrwert zu erwirtschaften, ist keines davon (vgl. z.B. der oben schon verlinkte Heise Artikel).

    Die Frage war nicht, warum Sprachkenntnisse wichtig sind. Die Frage war, warum Sprachkenntnisse wichtiger sind als jobspezifische Qualifikationen.

    Sind sie das? Wer sagt denn, dass die berufliche Qualifikation egal ist, solange die Sprachkenntnisse stimmen? Sind bei der Frauenquote denn die fachlichen Qualifikationen irrelevant und nur das Geschlecht zählt?

    Insbesondere unter meiner Annahme, dass die besseren Sprachkenntnisse ab einem gewissen Sprachniveau nicht mehr relevant sind. Auch nicht für das Gruppenzugehörigkeitsgefühl oder die Kommunikation.

    Selbstverständlich sind sie das. Bourdieu und andere lassen grüßen. Jemand der klingt, als habe er in seinem Leben noch kein Buch fertig gelesen und mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss geschafft, hat selbst als Muttersprachler in vielen Branchen Probleme, Ernst genommen zu werden.

    Beim zweiten Teil habe ich meine Frage tatsächlich zu ungenau formuliert. Ich probiere es noch einmal: Werden Menschen ohne Migrationshintergrund ebenfalls bei gleicher Qualifikation[/i] schlechter bezahlt bzw. haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

    Die Frage ist wahrscheinlich schwierig zu beantworten. Bei Deutschen gehen die Sprachkenntnisse in der Regel mit dem Bildungsstand einher. Allerdings kommt auch hier wieder Bourdieu ins Spiel. Bei zwei Bewerbern, deutscher Bewerber A mit "Gossen Deutsch" und deutscher Bewerber B mit "Bildungsbürger Deutsch" (ich weiß, es ist plakativ, aber du weißt, was ich meine), würde ich, bei ansonsten gleichen Leistungen auch Bewerber B einstellen. Für Bewerber A bleiben dann irgendwann nur noch Betriebe, die keine Bewerberauswahl haben und in der Regel schlechter bezahlen.
    Also ist die Frage aus meiner Erfahrung heraus mit ja zu beantworten. Belastbare Zahlen habe ich dazu aber nicht.

    Frauen werden gesellschaftlich und auch rechtlich 'dazu verleitet', den Haushalt zu schmeißen und sich um die Kinder zu kümmern. Männer sind in Führungspositionen unglaublich überrepräsentiert und haben auf dem Arbeitsmarkt so einfach mehr Macht.

    Wie werden Frauen denn "rechtlich" dazu verleitet, sich zuhause um die Kinder zu kümmern? Gesellschaftlich wird niemand mehr zu irgendetwas "verleitet". Da sind wir wieder bei der individuellen Verantwortung. Wenn mann und frau (oder frau und frau oder mann und mann) nicht klar kommunizieren, welche Vorstellungen sie vom Familienleben haben und sich als Familie auf ein Vorgehen einigen, dann kann da auch keine ominöse Gesellschaft etwas für.

    Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber es gibt für die allermeisten Menschen auch noch andere Modi als "Männer gegen Frauen". Männer sind fähig dazu, Frauen einzustellen und Frauen sind dazu fähig, Männer einzustellen. Männer sind interessierter an Karriere und deshalb auch stärker in Führungspositionen repräsentiert. Das ist doch kein generelles Problem.

    Du kannst natürlich ganze wissenschaftliche Zweige diskreditieren, nur wirst du sie und ihre Argumente dadurch nicht mundtot machen können.

    Das Problem ist nicht eine generelle Erforschung historischer Diskriminierung von Frauen, Ausländern, Andersgläubigen etc. Auch nicht eine Erforschung der aktuellen Verhältnisse in den zahlreichen Ländern, die tatsächlich noch real existierende Geschlechterdiskriminierung haben.
    Deutschland gehört aber nicht zu diesen Ländern. Was mich an der Art, in der Gender Studies hier betrieben werden stört, ist die Überdramatisierung nicht existenter Probleme, nur, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Wer im gleichen Atemzug mit der Frauendiskriminierung in Nigeria, Deutschland als weiteres Beispiel für radikale Frauendiskriminierung anführt, hat den Schuss nicht gehört und diskreditiert sich erfolgreich selbst.

    Die Aussagekraft der Studie ist eben begrenzt durch die folgenden Fragen, die im Artikel nicht beantwortet werden:
    Wieso scheinen die Deutschkenntnisse wichtiger zu sein als die jobspezifische Qualifikation?
    Braucht man perfektes Deutsch für alle Jobs oder ist es nicht viel mehr in den meisten Jobs ein bestimmtes Niveau, das man braucht, über das hinaus die Deutschkenntnisse nebensächlich sind?

    Warum Sprachkenntnisse wichtig sind? Weil Sprache, mehr als jedes andere Merkmal, Gruppenzugehörigkeit signalisiert. Als Arbeitgeber will ich ein Team, das mit hoher Wahrscheinlichkeit nahtlos miteinander arbeiten kann. Wenn jemand Deutsch auf muttersprachlichem Niveau spricht, dann ist die Chance dafür, wenn die anderen Rahmenbedingungen stimmen, höher. Das Team ist homogener.
    Die jobspezifischen Kenntnisse sind nicht weniger wichtig, als die Sprachkenntnisse. Wenn ich als Arbeitgeber die Auswahl zwischen 10 ungefähr gleich qualifizierten Controllern, Hausmeistern, Social Media Menschen habe, dann kommt der Nasenfaktor, wie überall, wo Menschen zusammenarbeiten, zum Einsatz. Und da ist Sprache dann einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Faktor.

    Schlechtere Sprachkenntnisse gehen bei Deutschen in der Regel mit einem niedrigeren Bildungsniveau und damit auch mit geringerem Einkommen einher. Also ja, je schlechter die Deutschkenntnisse, je schlechter das Einkommen.
    Generell wirken Menschen mit schlechten Sprachkenntnissen dümmer, was sich auch auf das Gehalt auswirkt.

    Dass es Menschen mit Migrationshintergrund aus guten Gründen vielleicht manchmal schwerer haben, bessere Deutschkenntnisse zu haben, wirft die Frage auf, ob diese Praxis dann nicht doch auch strukturell diskriminierend ist.

    Dann ist es auch strukturell diskriminierend, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten häufiger vor dem Fernseher geparkt werden, dass nicht jeder das Abitur geschenkt bekommt, dass nicht jeder automatisch einen Studienabschliss geschenkt bekommt (vielleicht muss man ja arbeiten und hat deshalb keine Zeit, zu lernen) usw. usf. Mag sein, dass das so ist. Aber warum sollte es da Handlungsbedarf geben? Und vor allem, in welcher Form?

    Ich habe mich eingelesen. Ich habe Kurse in der Uni besucht. Ich habe ein Zertifikat darüber. Ich habe gewusst, dass du den Gender Pay Gap wieder leugnen würdest.

    Ich habe an der Uni, unter zum Teil körperlichen Schmerzen, ein Gender Studies Zertifikat erworben. Das hat mit Wissenschaft nur leider wenig zu tun.
    In der selben Branche, bei gleichen Arbeitszeiten, gleicher Karrierestufe etc. sind wir noch bei einem statistischen Unterschied von rund 3%. Der fällt in den Bereich "natürlicher" Gehaltsschwankungen.
    Ja, dass die Gehälter sich so entwickelt haben liegt auch an den historischen Beschäfrigungsstrukturen, aber viel mehr an unserem kapitalistischen System.
    Glücklicherweise hat heute jeder im Rahmen seiner intellektuellen Fähigkeiten, die freie Auswahl, welchen Beruf er/sie/es ergreift. Statt Japanologie und Kunstgeschichte zu studieren, ist es für junge Menschinnen problemlos möglich, Industriekaufmensch zu lernen oder BWL mit Controlling Schwerpunkt zu studieren und so Zugang zu besser bezahlten Jobs zu bekommen. Ist dann ebeb mit etwas mehr Arbeit verbunden.

    Bei der Dramatisierung von Worten wie "Negerkuss" oder "Zigeunerschnitzen" ist es meiner Meinung nach so ähnlich wie beim gendern der deutschen Sprache. Da haben sich ein paar realitätsfremde Menschen in ihrem Elfenbeinturm die Theorie ausgedacht, dass ein "Rednerpult" sexistisch sei und deshalb in "Redepult" umbenannt werden müsse, damit sich niemand diskriminiert fühle. In Wirklichkeit fühlte sich aber auch vom "Rednerpult" ausserhalb des Elfenbeinturms niemand diskriminiert.

    Genauso wie bei "Demos" in der Demokratie ist das eine natürliche Resignifizierung: selbstverständlich meint "Redner" heutzutage Frauen, Männer, Diverse und alle anderen. Genauso, wie Demos in Deutschland heute (fast) alle Deutschen und nicht, wie im deutlich überwiegenden Teil der Begriffsgeschichte, nur reiche, weiße Männer umfasst.
    Dass sich berufsmäßig empörte Mensch*innen darüber empören, geschenkt.

    Es gab erst gerade wieder die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, nach denen Menschen mit Migrationshintergrund bei gleicher Qualifikation schlechter bezahlt werden. Inklusive Aussage Herrn Prof. Brückers vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt real ist. Den Gender Pay Gap gibt es auch immer noch.
    Bringt aber vermutlich nichts, dir darauf zu antworten, weil du es gleich nur wieder leugnen oder relativieren wirst.

    https://www.spiegel.de/karriere/deuts…290343-amp.html
    Gleiche Qualifikation heißt auch, gleiche/vergleichbare Deutschkenntnisse.

    Miss Jones Beispiel aus der Baubranche ist tatsächlich eines für strukturelle Diskriminierung, die durch den Mindestlohn besser geworden, aber nicht behoben ist.

    Einen Gender Pay Gap gibt es nicht. Bitte lies dich diesbezüglich ein. Es gibt einen Interessen/Talente/Branchen Pay Gap, das ist in einem kapitalistischen System normal. Dass sich Frauen überproportional oft für schlecht(er) bezahlte Branchen, gegen "Karriere" und für Teilzeit entscheiden, fällt in den Bereich der individuellen Entscheidung.

    Tur mir leid, dass ich über Dinge nachdenke und nicht einfach wilde Behauptungen akzeptiere, die gerade en vogue sind.

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