Beiträge von Conni

    Ich kann mich dem, was lamaison schreibt, nur anschließen. Genau so ist das. Ferner sind einige Eltern auch sehr aufgeregt, da es das erste Kind in der Schule ist und da gibt es manchmal komische Vorstellungen. ("Die Lehrerin dupliziert sich und ruft uns alle an, dass das Kind in der Schule angekommen ist." - "Mein Kind isst kein Mittagessen in der Schule, weil es sich nachmittags nicht erinnert, was es gegessen hat." Alternativ: Da wird nicht gelernt, weil das Kind sich nicht erinnert.) Du musst Kinder zum Trinken und Essen animieren, Kindern die Hefte in die Tasche packen etc. 3.- und 4.-Klässler sind da überwiegend selbstständiger. Du musst Kinder und Eltern aus dem Vollumsorgungs- und -behütungssystem abholen und dich um jede Kleinigkeit kümmern. Du musst Eltern eventuell sagen, dass Kinder im schulischen Sinne nicht normal entwickelt sind und Förderung / ein Feststellungsverfahren / Logopädie etc. benötigen. Das ist manchmal ein harter Brocken.

    Andererseits sind die Kinder in dem Alter einfach oft total niedlich. Du bist die erste Lehrerin und damit eine Art Göttin. Was du sagst, ist Gesetz, da können die Eltern etwas anderes wollen - "NEIN, Frau Lola hat gesagt, wir müssen das SOOOO machen!" (Natürlich auch, wenn du etwas ganz anderes wolltest und sie das falsch mitbekommen haben.) Du wirst verehrt und geliebt. Sie orientieren sich an dir. Und du formst die Lerngruppe sehr stark, weil sie ja in neuer Umgebung neu zusammengesetzt werden. Die Regeln und Werte, die du in der 1/2 aufstellst und betonst, nehmen sie bis zum Ende der 4. zumindest in Grundzügen weiter mit.
    Du kannst aus Wasser Wein (vorher standen hier Wörter mit Sch und G am Anfang) machen: Wir haben in einer spontanen Sport-Vertretungsstunde mal viele kleine Bälle in zwei Farben in der Turnhalle verteilt und "Aschenputtel" gespielt. Die Kinder waren unendlich begeistert und wollten immer bei uns Sport haben.
    Ich war heute zur Vertretung und habe den Erstklässlern gesagt, dass wir nach der Frühstückspause schreiben üben. Ein Jubel ging durch die Menge. (Gut, das muss nicht in jeder Klasse so sein...)
    In meinem Bundesland wird in 1/2 nicht zensiert, sondern verbal beurteilt. Das birgt zwar auch Konfliktpotenzial, aber weit weniger als nachher die Noten und du kannst differenzierter beurteilen (auch wenn das viel mehr Arbeit im Frühsommer ist).

    Ich finde, beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe bisher 10 Jahre in 1/2 gearbeitet und bin seit zwei Jahren in 3/4. Für mich war es auch eine neue Herausforderung, bei der ich sehen kann, wie es den Kolleg/innen geht, die die Kinder dann übernehmen.

    Außerdem gibt es tolle Privatschulen mit besseren Arbeitsbedingungen aber weniger Gehalt, die Kollegen, die so eine Schule vorziehen, kann man an einer Hand abzählen.

    Ich kenne mehrere Lehrer/innen, die an Berliner Privatschulen (Mehrzahl) waren. Die Arbeitsbedingungen waren mitnichten besser. Das lag oft nicht an den Kindern, sondern an Chefs, Vorständen (Vereine), Eltern und Kollegen (ständige Fluktuation, fast nur noch "Ungelernte"). Auch dort gab es z.T. keine PCs, aber eine Pflichtanwesenheit. D.h. 40 Stunden Anwesenheit an der Schule, abends und an den Wochenenden zu Hause am eigenen PC Zeugnisse schreiben. Nebenbei waren die Kündigungsfristen bei allen kurz und wenn die "Nase" nicht mehr passte, flogen die Leute schnell. In den Ferien musste z.T. noch die Ferienbetreuung übernommen werden.

    In Berlin ist die Handreichung ähnlich aufgebaut, einen Hauch lockerer, aber ja: Hausbesuch steht da auch auf der Liste und wir sind verpflichtet, da vorbeizugehen.
    Die Jugendämter sind überlastet, die haben keine Kapazitäten.
    Familie, bei der das Jugendamt bereits involviert und zum Hausbesuch angemeldet war. Jugendamtsmitarbeiterin mehrere Monate nach dem Termin: "Ja, ich war da, aber da hat keiner aufgemacht, also dachte ich, es ist alles in Ordnung und die Familie meldet sich schon, wenn sie wieder Hilfe benötigt."
    So viel kann man gar nicht die Augen verdrehen.

    Sprich doch bitte euren Sozialarbeiter an. Die sollten über Fachwissen verfügen und bestenfalls sogar mit deiner Klasse arbeiten oder dir Tipps geben, wie du mit den Kindern arbeiten kannst.

    Brennpunktschulen mit einem hohen Anteil ndH / Hartz4-Familien erhalten seit einigen Jahren 100.000 € jährlich, die darunterliegenden (ab 50% Hartz4 oder 40% ndH) bekommen 50.000 €, die Gelder dürfen nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden, z.B. Sozialarbeiterstunden oder diese Coaches.
    Das heißt noch lange nicht, dass dadurch kein Mobbing mehr geschieht oder die Kinder besser erzogen seien.

    Ich arbeite nicht an deiner Schulform, möchte aber mal meine Sicht - so vom Drüberschauen dazu geben:
    1. Klassenleitung + 4 Kurse sehe ich nicht als übermäßige Belastung an. Immerhin sind die Kurse Parallelklassen, sodass der Vorbereitungsaufwand geringer wird. In Berlin ist das bei Klassenleitungen der 5./6. Klasse sogar in den Grundschulen schon ähnlich, in den weiterführenden Schulen erst recht. (Die früheren Hautpschulen mit Klassenleiterprinzip waren Ausnahmen.)
    2. Eine "Einführung in die Schule" halte ich ebenfalls nicht für selbstverständlich. Du bist keine Berufsanfängerin. Klar, ein paar Informationen wären schön, aber vieles muss man sich erfragen, wenn man neu ist.
    3. Die vielen Springstunden sind belastend, keine Frage. Das wäre der Punkt, wo man nach Alternativen schauen könnte.
    4. 7 Wochen Krankheit kurze Zeit nach Schuljahresbeginn sind schwierig, gerade in 5. Klassen im Hauptfach. Du warst eine Woche da und wurdest wieder krank. Keiner hatte eine Ahnung, was los war. Die Schulleitung hatte schon schlechte Erfahrungen gemacht und reagierte sehr schnell, um Ruhe in die Klassen zu bringen. Ja, das hätte man anders machen können und es wäre menschlich und fair gewesen, dich nach den 6 Wochen zum BEM einzuladen und mit dir zu reden. Du hättest aber auch proaktiv die Schulleitung aufsuchen und das Gespräch suchen können. Ein gewisses Maß an Verständnis kann ich der Schulleitung bis dahin entgegen bringen.
    5. Du hast im Gespräch angefangen zu weinen. Das hat die SL als psychische Instabilität und ein Zeichen nicht voller Belastbarkeit gewertet.
    6. Probleme mit der Klasse: Früheres Aufgreifen sozialer Probleme (proaktiv) wäre sinnvoll gewesen, schnellstmögliche Reaktion auf das Video. Die Entbindung von der Leitung dieser Klasse könnte man auch noch in den Punkt 5 einordnen, Schutz durch Schulleitung vor Überforderung durch Eltern, die sich gegen dich formieren in einer Situation, in der du nicht stabil wirkst. Ein Neuanfang kann in solchen Situationen einer Klasse durchaus helfen.

    Ab da wird es ziemlich undurchsichtig und ich verstehe den Text nicht mehr wirklich. Einiges erscheint mir merkwürdig, einiges verstehe ich vom Ablauf und vom "roten Faden" her nicht.
    Du schreibst so konkret, dass du hier leicht identifizierbar bist, ich würde den Text verfremden und weniger genau schreiben an deiner Stelle.

    Ansonsten kennen wir dich nicht. Für uns ist es schwer, etwas dazu zu sagen, was nicht passte und was nicht gut lief. Wenn die Situation so verfahren ist, wie du schreibst, wäre eventuell ein Schulwechsel tatsächlich gut.
    Ergänzung: Bezirkspersonalrat ist eine gute Idee, ich dachte, den hättest du schon eingeschaltet.

    Ich möchte mich mi anschließen. Solange du die Kinder nicht kennst, könnten Spiele chaotisch werden oder die Kinder nehmen wahr, dass du der nette Kumpel bist, bei dem man laut sein und spielen kann. Bis das wieder raus ist aus den Köpfen, dauert es.
    Mis Vorschlag finde ich prima, maximal eine Stunde (oder 2, wenn das Namensschild etwas aufwändiger sein soll) und dann Deutsch und Mathe.

    Ich vermute mal Conny bezieht sich auf die Diskussion in diesem Thread:Rund 50 Prozent LRS - da stimmt doch was nicht!

    Vielen Dank für's Verlinken. Genau so ist es.
    @ritterein_rost
    Mich nervt das derzeitige Grundschullehrer-Bashing ("Schreiben nach Gehör", Eisenmann-live, VERA (nicht nur in BaWü, im verlinkten Thread stand ja Berlin zur Debatte), Kinder können nicht rechtschreiben, übt ihr nicht? etc. pp.) und die unreflektierte, reißerische Art, wie darüber berichtet wird und wie einige Kolleg/innen der Sekundarstufen das aufgreifen, ziemlich. Ich finde das abwertend. Wenn dann gleichzeitig darüber diskutiert wird, ob Lehrende der Sekundarstufe in der Lage sind, sich die aktuellen Rechtschreibregeln in zumindest groben Zügen anzueignen, frage ich mich, ob ich irgendwie im falschen Film bin.

    Dazu kommt, dass in HH die Flüchtlingskinder nach Alter einsortiert werden. Dann haben wir in der 4. Klasse Kinder, die nur bis 10 zählen können.

    Das sowieso.

    PS: Ich kann deinen Ärger verstehen, er betrifft Berlin quasi ähnlich. In anderen Bundesländern wird es nicht anders aussehen.

    PPS: Es ist doch die Frage, warum sich bei all dem, was jetzt hier im Thread aufgezählt wurde, noch jemand wundert.

    Ich hatte in meinen Klassen in den letzten Jahren durchschnittlich 0-1 vom Schulpsychologen getestete Rechtschreibstörungen, Lesestörungen weniger. Als wir noch die schwächeren Kriterien Rechtschreibschwäche und Leseschwäche hatten, waren es von dieser Kategorie etwas mehr, so 1-3.Es ging immer um die Diskrepanz zwischen Intelligenz und Teilleistungsschwäche. Ein Kind, dessen schwache Rechtschreibung zum Intelligenzgrad passt, hat dann lt. Definition eher einen insgesamt sonderpädagogischen Förderbedarf.

    Letzte Schule: 4 bis 10 pro Klasse (alle bis fast alle vom Facharzt/Schulpsychologen bestätigt) + DAF-Kinder (spezielle Situation: Wenn sie ein Jahr in D waren, wurde VERA gewertet, als würden sie schon lange Deutsch lernen, eine LRS können die aber erst nach mindestens 2 Jahren in einer Regelklasse + vorher eventuell Willkommensklasse anerkannt bekommen)
    Sonderpäd. Förderbedarf Lernen: IQ in Berlin seit einigen Jahren unter 80, wurde herabgesetzt, da die Quote an Förderkindern zu hoch war. Laut Standardabweichung müsste er nämlich unter 85 sein. Wir hatten übrigens nicht wenige Kinder mit normalem IQ und zum Teil schweren Teilleistungsschwächen. Die hatten oft Wahrnehmungs-, Motorik- und Sprachprobleme, die schon zu Schuleintritt bestanden.

    Falls jetzt die Frage kommt, warum die Kinder nicht gefördert wurden: Natürlich, klar wurden sie. Ich hatte letztes Jahr 13 Kinder im Deutsch-Förderunterricht, fast alle völlig lustlos. Ich war nur damit beschäftigt, die Lautstärke so zu halten, dass die nicht-lustlosen etwas arbeiten konnten. Die Förderbereiche für diese eine Stunde lagen gleichzeitig auf verschiedenen Niveaus zwischen Ende Klasse 1 bis Ende Klasse 3 in den Teilbereichen Lesen, Rechtschreibung, Sprechen und Grammatik.

    In Hamburg siehts nicht anders aus. Den Schlüssel von maximal 23 an Grundschulen (Schulgesetz!) überschreite ich seit 2 Jahren. Aber nun reichen 24 nicht, nun kriege ich demnächst noch ein weiteres Flüchtlingskind rein. Aussage der Schulbehörde. Wir haben beschlossen dass bis 26 zuzumuten ist. Doppelbesetzungen (auf die wir Anrecht hätten) nicht vorhanden.

    In Berlin: 24 gilt als Regel, alles darunter kostet Lehrerstunden.
    Jahrgangshomogene Klassen werden vom Schulamt meines Bezirkes derzeit bis 28 aufgefüllt. Wir rechnen damit, dass sich das nicht mehr lange halten lässt.
    Als die ISS eingeführt wurde mit Klassengrößen von höchstens 26 Schülern (25 im Brennpunkt) wurde nach eingehenden Protesten das auf die Grundschule ausgeweitet und inzwischen stillschweigend eingestampft.

    Ungünstiges Beispiel für deine These. Nichts scheint mir handlungsorientierter und selbstentdeckender zu sein als Fahrradfahren. Man muss sich draufsetzen und machen. Kann mich zumindest nicht erinnern, dass mir jemand Vorträge über Gleichgewichtssinn und das gleichmäßige Treten mit dem linken und rechten Fuß gehalten hätte.
    Außerdem wüsste ich gern, ob die Behauptung stimmt, dass nicht mehr geübt wird. Interessanterweise scheint mir die Behauptung immer aus weiterführenden Schulen zu kommen. Was sagen denn die GrundschullehrerInnen dazu?

    Fahrradfahren: Zustimmung


    Üben: Es wird geübt. Aber die Kinder würden mehr Übung benötigen.

    Zum einen wird viel Zeit für andere Dinge verwendet (kooperative Lernformen und Üben derselben, das dauert, bis sie das können; Erstellen und Halten von Präsentationen und Üben dieser Fähigkeiten; Schreiben am PC; aktives Zuhören; Klassenrat / Gespräche in demokratischer Form führen etc. pp.). Das ist alles irgendwie wichtig, aber dann muss die Zeit an anderer Stelle eingespart werden.

    Viele Dinge funktionieren langsamer. Bis alle die Hefte geöffnet, einen geeigneten Stift herausgenommen und das Datum geschrieben haben, kann es dauern. Das liegt zum einen am Zuhören (Mama sagt alles 10mal, dann warte ich eben, bis mich die Lehrerin auch 10mal persönlich angesprochen hat) und zum anderen am "Individuum Kind". "Störungen haben Vorrang" habe ich mal im Studium gelernt. Das hörte sich damals Weise an, aber wenn dann die Stunde nur noch aus "Störungen" besteht, weil immer wieder Banalitäten als große und sofort zu lösende Probleme angesehen werden, hinter denen der Rest der Klasse zurückstecken soll, dann kostet das viel Zeit. (Genauso wie die entsetzten und beleidigten Reaktionen, wenn ich nicht drauf eingehe. Als Fachlehrerin, nicht als Klassenlehrerin.) Unter dem Fokus auf kleine Befindlichkeitsänderungen leidet dann auch oft das persönliche Arbeitstempo/-pensum.

    Zuletzt ist mein Eindruck, dass viele Kinder - gerade in sozial schwächerem Einzugsgebiet - mehr Übung für gleiche Lernschritte benötigen. Dazu (Motivation, Gedächtnis...) hatte ich schon was geschrieben.

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