Ich kann mich krabappel da anschließen. Es ist ein Unterschied, ob man für ein Kind berät oder unter anderem für dieses eine Kind die Beratung umsetzen soll.
Ich habe mal in einer Förderschulklasse "Hören" unterrichtet. Musik. 6. Klasse, alle überaltert.
Ich sollte
- keine schweren Texte verwenden, weil der Wortschatz so gering wäre. Empfohlen wurden mir dann Lieder von Momel. Das ist von der Melodie und vom Inhalt her her Kindergartenniveau, mindestens irritierend für 13- bis 14jährige,
- für die Kinder mit CI sollte ich ein Gerät tragen, es gab zwei Kinder, ich hätte zwei verschiedene Headsets gleichzeitig aufsetzen müssen,
- keine Melodien, weil Kinder mit CI das nicht erfassen können,
- eigentlich gar keine Musik, weil der taube Schüler das eh alles nicht hören konnte,
- Gebärdensprache, aber nicht die, von der mir Grundbegriffe gezeigt wurden, die war falsch und wurde nicht verstanden, sondern irgend einen anderen Dialekt.
Übrig geblieben wären Ausmalbilder mit Musikinstrumenten mit einfachen Namen. Da ich aber doch eigentlich Musikunterricht machen sollte, habe ich diesen dann gemacht und mich weniger beraten lassen.
In den Grundschulklassen war es ähnlich bei von außen kommenden Sonderpädagogen / Beratungslehrern / Schulpsychologen, z.T. sogar bei zur Schule gehörenden Sonderpädagogen:
- 4 bis 7 Kinder pro Klasse, die in der ersten Reihe an Einzelplätzen mit dem Blick zu mir sitzen sollten wegen ADHS/AVWS/XYZ/ABC und so weiter,
- 3 - 7 weitere Kinder, die auch in der ersten oder zweiten Reihe sitzen mussten wegen Brille / unkorrigierter Sehschwäche,
- 2 bis 4 Kinder, um die ich mich im Unterricht permanent höchstpersönlich kümmern sollte, weil sie A, B, C oder D hatten,
- Differenzierung für jedes dieser Kinder einzeln und für den Rest zusätzlich auch nochmal,
- Bereitstellen von mehreren CD-Playern für Kinder, die mir nicht folgen können und alles nochmal anhören müssen,
- Vorlesen aller Texte für LRS-Kinder,
- Vergabe von Smileys und Sternchen alle 10 Minuten für einzelne Schüler nach verschiedenen Kriterien und Verstärkerplänen.
Ich bin die letzte, die Beratung ablehnt. Aber zwischenzeitlich war ich nur noch verzweifelt und habe Verständnis dafür, dass Kollegen "dicht" machen. Nicht jeder kommuniziert das offen.
Gleichzeitig habe ich auch schon Beratung erlebt, die realistisch und am Möglichen orientiert war - von Lerntherapeuten und teilweise von den zur Schule gehörenden Sonderpädagogen - wobei die auch oft selber ratlos sind bei den Säuen, die in Berlin ständig durch die Schulen rennen müssen.