Beiträge von Conni

    Das überrascht mich allerdings. Ich höre immer wieder: Sie dürfen das nicht, bei Frau XY machen wir das auch und so was.


    Das finde ich aus KL-Sicht nachvollziehbar, aber für einen Fachlehrer erschwert das die Arbeit natürlich sehr. Ich unterrichte in acht Klassen und möchte nicht mit acht Regelwerken arbeiten.

    Alle einen Weg für das Sitzen im Unterricht ist extem unwahrscheinlich.
    Ich kann gar nicht mit 8 Regelwerken arbeiten, ich vergesse das von Klasse zu Klasse.
    Ansonsten probieren die Kinder es halt, klar. "Jetzt bin ich eure Lehrerin / jetzt ist Musikunterricht und bei mir gelten diese Regeln." wird bei mir akzeptiert.

    Ist es OK, wenn SuS auf ihren Stühlen knien, den Stuhl verkehrt herum benutzen (also mit dem Gesicht in Richtung Rückenlehne sitzen), einen Fuß auf die Sitzfläche stellen (also mit angezogenem Knie sitzen) und dergleichen? Ich hätte das nicht erwartet und war überrascht, dass teilweise erst etwas gesagt wird, wenn jemand wirklich auf der Rückenlehne sitzt.

    Bei mir tendenziell eher nicht. Kinder haben aber einen hohen Bewegungsdrang und wenn mal jemand auf seinem Fuß sitzt oder das Knie anzieht, sage ich nichts - sofern das die Aufmerksamkeit nicht stört. Stuhl umdrehen: Bei mir nicht.
    Stimme Frosch zu: Sollte man dem Lehrer überlassen, wenn es keinen Beschluss gibt.

    Zitat

    Dürfen SuS ohne zu fragen ihren Platz verlassen? Ich sehe dafür keine Gründe. Zum Anspitzen haben alle einen Dosenspitzer. Hände waschen muss man nicht, wenn nur mit Arbeitsblättern, Bleistift, Buntstiften und Radiergummi gearbeitet wird. Natürlich darf man sich die Nase putzen, aber dazu sollte man Taschentücher dabei haben. Wenn nicht, kann man danach fragen oder darum bitten, sich ein Papierhandtuch nehmen zu dürfen.
    Müssen SuS während des Unterrichts zur Toilette gehen? Die 1. Klasse nehme ich hier mal aus, aber für alle anderen sollte das doch eher eine Ausnahme sein, oder?

    Sehe ich genauso wie Frosch.
    Aufstehen: Bei mir nicht.
    WC: In Ausnahmefällen. (Verbieten nicht, aber in der Pause erinnern, dann wird es seltener.)

    Zitat

    Wie sieht es mit Rennen auf den Gängen aus?

    Je nach Schule unterschiedlich. Wenn man das ändern will, müssen alle mitziehen und einen sehr langen Atem (mehrere Monate bis Jahre) haben. Mit 28 Unterrichtsstunden fehlt einem manchmal die Kraft, bei jedem Schritt, den man aus dem Klassenraum tut, auch noch Kinder zum ruhigen Gehen zu bewegen. Ist ja dann nicht nur eins.

    Zitat

    Ein anderes Thema: In den meisten Räumen gibt es Gruppentische. Teilweise gibt es auch kein festes "vorne" und "hinten", sondern die Kolleginnen sind mal rechts an der Tafel und mal links in Pultnähe. Von der Atmosphäre her fühle ich mich in diesen Räumen wohl. Ich habe aber den Eindruck, dass das manchen SuS erschwert, ihre Aufmerksamkeit auf den Lehrer oder die Tafel zu richten, wenn das gerade angesagt ist. Sie sitzen halt teilweise mit dem Rücken zu mir.

    Abhängig vom UNterrichtskonzept und Methodenrepertoire, macht frontale Phasen schwierig.
    Da man in Musik schon relativ viel Lehrerzentrierung braucht (oder viele Teilungsräume), würde ich für meine Musikstunden die Sitzordnung immer anpassen, sodass keiner mit dem Rücken zu mir sitzt. (Und auch in frontalen Phasen, da kann man auch mal kurz den Stuhl zur Tafel drehen.)

    Auch an Grundschulen in allen Bezirken????
    Gibt es trotzdem empfehlenswerte Bereiche? Mein Interesse ist noch nicht erloschen. Die Stadt ist groß, ich hab 2. Staatsexamen und Unterrichtserfahrung - es muss doch gute Bereiche geben bzw. Tipps, Kiezen auf die man sich beim Bewerben fokussieren kann.

    Siehe hier. Die Bezirke stehen drüber, an der Schulnummer erkennst du, ob es eine Grundschule ist (G).
    Es gibt Bezirke mit sehr wenigen und Bezirke mit vielen Brennpunktschulen, es gibt keinen Bezirk ohne.
    Pankow (Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee) hat kaum welche, nur eine Grundschule, aber da sind die Wohnungen teuer und du hast u.U. die Helikopterschwärme.
    Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf: je 2 Grundschulen, Charlottenburg-Wilmersdorf 3.

    In Neukölln sind es 24 Grundschulen (von 37), Mitte 22 (von 47), Spandau 18 (30), Friedrichshain-Kreuzberg 16 (von 36), Marzahn-Hellersdorf 15 (34), Reinickendorf 13 (34), Lichtenberg 11 (33), Tempelhof-Schöneberg 10 (37), das klingt nicht viel, darunter ist aber die Spreewald-GS, die wiederholt durch die Nachrichten ging.

    Das höhere Gehalt für Grundschullehrer wurde ja auch erst vor kurzem eingeführt, ob das zieht? Ich würde mich trotzdem lieber in Brandenburg verbeamten lassen.

    Ich denke es ist einfach die Kombination aus schwieriger Klientel und fehlender Verbeamtung, die diese Stadt unattraktiv machen.

    Sehe ich auch so.
    Höheres Gehalt nur für "Frischlinge", Bestandslehrkräfte haben davon bisher nichts gesehen.
    Die Tage war ein Artikel in der Tagespresse, dass einige Lehrer in B kündigen, um nach Brandenburg zu gehen wegen Verbeamtung.

    Brennpunkte gibt es in den meisten Bezirken.

    Ich will wirklich keinen Streit anfangen Conni, aber ich kenne nicht einen Menschen über 50, der eine so hundsmiserable Rechtschreibung hat, wie es sich manche Abiturienten bei uns zur Zeit erlauben (und ich komme aus einer Arbeiterfamilie, d.h. ich hab genug Kontakt zu Personen die einen Volksschulabschluss + Lehre gemacht haben). Die Fähigkeiten im Bereich Rechnen, Lesen, Schreiben sind massiv eingebrochen und das ist das einzige was ich von der Grundschule erwarte.

    Siehe Beitrag von icke. 8)

    Ich habe mich heute Morgen mit einer Kollegin gestritten, die Sonderpädagogin ist und meint, dass nicht analytisch-synthetisch gelehrt wird, sobald eine Anlauttabelle auch nur beiliegt. Grrrrr!
    Ich kann mich schemenhaft an meinen Fibelunterricht erinnern: Alle lernen zur gleichen Zeit das gleiche im gleichen Tempo mit genau der gleichen Methode. Man durfte offiziell keine Buchstaben und Wörter schreiben, die noch nicht offiziell eingeführt waren. (Heimlich habe ich das natürlich zu Hause getan.) Der Wortauf- und -abbau, der typisch für dieses analytisch-synthetische Vorgehen ist, musste quasi immer mit allen gemeinsam nach der immer gleichen Schrittfolge gemacht werden.
    Das half dem Mittelfeld. Die leistungsschwachen wurden überwiegend abgehängt, die leistungsstarken langweilten sich und wurden mit Druck der Lehrer und Eltern "brav" gehalten (oder eben nicht, dann liefen sie Gefahr, Schulversager zu werden).

    Damals gab es ein breites Mittelfeld, und all das, was icke schrieb, kann ich nur 10mal unterstreichen.


    Kennt jemand von euch IntraAct. Das machen bei uns die ganz schwachen Kinder. Zu welcher Methode zählt das eigentlich?

    Konditionierung / Behaviorismus?
    Falls du noch einen didaktischen Namen herausfindest, sag Bescheid.
    Vielleicht noch modifizierte Silbenmethode, da die Kinder nach den Buchstaben Silben im ganzen erkennen und schnell wiedergeben müssen?
    Keine Ahnung. Ich hatte schon 2 Kinder, die so schwach waren, dass sie mit dem Programm die Buchstaben auch nicht gelernt haben, beide auch nur mit permanenter persönlicher Betreuung, selbstständig konnte das keiner von den Schwachen. Bei einer habe ich damit aber immerhin eine Blau-Gelb-Schwäche erkannt.

    - zu wenige Studienplätze,
    - jahrelange Fehlplanung - den Mangel gibt es seit Jahren, nur wurden lange Zeit Lehrer von weiterführenden Schulen umverteilt und der Mangel so kaschiert,
    - in den Bundesländern mit starkem Mangel wurde jahrelang kaum eingestellt, obwohl der Mangel abzusehen war --> Die Lehrer haben sich umorientiert (beruflich oder vom Bundesland her). In einigen Bundesländern befähigt der Abschluss für das Unterrichten in Grund-, Haupt- und Realschulen, wenn es dann in den Grundschulen keine Stellen gibt, gehen die frisch ausgebildeten Lehrer in die Sek I.
    Auf "meine" Stelle haben sich damals 120 Grundschullehrer mit dem Mangelfach Musik beworben (andere waren gar nicht zugelassen zur Bewerbung) - aber nur, weil es sich um eine Schule im Brennpunkt handelte, an den Nicht-Brennpunkt-Schulen sollen es ca. 180 gewesen sein. Da wurde vorher jahrelang nicht vernünftig eingestellt.


    kreischende Kinder: Joa, kann vorkommen, die sind schon ordentlich laut;
    komplizierte Eltern: joa, kommt vor;
    Drohungen mit Anwalt & Co: Joa, kommt vor.

    Zusätzlich werden jedes Jahr einige Säue durch die Schulen getrieben (ist aber an der Berufsschule auch so?) und der Aufwand außerhalb des Unterrichts nimmt deutlich zu. Kannst du hospitieren? Dann schau dir doch den Unterricht in der Grundschule vorher an. Wenn wir hier etwas schreiben kann es sein, dass deine Vorstellungen beim Lesen trotzdem andere sind.

    Wie ermittelt man den Punkt, an dem eine Methode und ihre intendierte Zielgruppe sich soweit voneinander entfernt haben, dass die Anwendung der Methode nicht mehr gerechtfertigt werden kann? Das Grundprinzip, dass man den Schüler da abholen soll, wo er steht, gilt ja weiterhin.

    Die Kollegen, die gemerkt haben, dass LdS nicht funktioniert mit ihrer Schülerklientel haben das Konzept abgewandelt bzw. ergänzt. Das ist genau das, was Krabapple schon schrieb: Es gibt nicht nur die A-, die B- und die C-Methode, es gibt viele verschiedene Ausformungen, die eine hat von der anderen gelernt. Inwieweit das berücksichtigt wurde, erfahren wir nicht und inwieweit die Voraussetzungen vorab unterschiedlich waren auch nicht.

    Wie gesagt: An meiner Ex-Schule waren die Leistungen auch mit der analytisch-synthetischen Methode (die vermutlich im Ausgangsartikel mit "Fibel-Methode" gemeint ist) grottig, obwohl wir mit den Büchern des Ex-DDR-Verlages weitergearbeitet haben, während freckle ganz andere Erfahrungen hat.

    PS: Beim Titel dieses Threads habe ich immer Kinder vor Augen, die mit einer Fibel zuschlagen. Ich weiß gar nicht warum.

    Hihi, also ich meinte damit: wie viele Kinder, die ihre ersten Schulwochen in der Grundschule verbringen können (außer ihrem auswendig gelernten Namen) gar nichts schreiben und erkennen keinen Buchstaben wieder?

    An der Lernförderschule geht es durchaus bei einigen 3 Jahre oder länger, bis die Kinder in skelettschreibweise selbständig etwas zu Papier bringen oder aus M und A MA erlesen können.


    An meiner bisherigen Schule konnten ca. 10% ihren Namen nicht (sicher) schreiben und weitere 20% außer dem Namen (und evtl. Mama und Papa als auswendig gelernte Ganzwörter) nichts.
    Die übrige phonologische Bewusstheit (Silben, Anlaute, Reimwörter) waren bei 10 bis 20% unter aller Kanone, wobei sich das natürlich schon weitgehend überschnitt.

    Dazu (!)kamen 10 bis 30% Kinder mit so deutlichen Sprach-, Gedächtnis- oder Verhaltensproblemen, dass das selbstständige Schreiben von Wörtern kaum bis nicht gelang.

    In meiner letzten Klasse haben "normal begabte" Kinder ("Lese-Rechtschreibstörung" oder "kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten") bis ins 5. Schulbesuchsjahr gebraucht, um etwas in Skelettschreibweise selbstständig zu Papier zu bringen. "Ma" klappte meist bis Ende des 1. Schuljahres, darüber hinaus aber nicht viel. Was habe ich mit der Buchstabenrutsche an der Tafel gerudert. Fühlte mich wie die Mitarbeiterin eines Indoor-Spielplatzes.

    Das trifft vermutlich auf alle zu, die vor der Einschulung schon Grundlagen des Schreibens und Lesens etworben hatten. Vielleicht ist Reichen deswegen auch auf diese Idee gekommen...

    Stimmt, das kann natürlich sein. Das Problem daran ist nur, dass nicht jeder so lernt, sonst würden ja viel mehr Kinder vor der Einschulung autodidaktisch die Grundlagen lernen.

    Erklärt wird übrigens in der Grundschule den ganzen Tag. Nur weil man als Eltern nicht dabei ist, findet es nicht nicht statt.

    Ohja. Das kann man nicht fett genug unterstreichen. Und selbst nach der 10. Erklärung in einer Stunde ist nicht sicher, dass alle Viertklässler oben links auf dem Blatt anfangen zu schreiben. Bei Ersties muss man wesentlich häufiger erklären und die Amnesie ist trotzdem fleißig.

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