@WillG @Caro07
Wir haben vor vielen Jahren mit Teamsitzungen angefangen. Wir hatten alle (Klassenleiterinnen Kl. 1/2) gleichzeitig Schluss und danach haben wir uns getroffen. Das war gut und hilfreich, denn wir haben bestimmte Dinge, die man sonst - absolut stressig! - zwischen Tür und Angel bespricht, besprechen können. Es hat einiges koordiniert und verbessert. Es war nicht nett, weil einige Kolleginnen immer alle Arbeit auf uns beide jüngere abwälzen wollten, aber wir haben darauf bestanden, dass alle einen Anteil übernehmen und so war es ok und brachte eben was.
Mit der Zeit wurden es immer mehr Sitzungen, immer mehr Themen immer mehr Zeug "drumrum", das die Sitzungen ineffektiv machte.
Inzwischen wurden alle Teams neu zusammengesetzt. Zeit, die in die Teamfindung investiert wurde,ist verloren und muss neu investiert werden. Neue Kollegen, auch Stufenfremde und Quereinsteiger müssen angelernt werden. Diese Zeit fehlt bei der Unterrichtsvorbereitung. Dann hatten wir Gruppen zur Unterrichtsentwicklung. Es wurden Dinge begonnen und nach kurzer Zeit wurde gesagt: "Super, die Gruppen haben gut gearbeitet, machen jetzt mal eben alle im Unterricht, ist jetzt implementiert, Gruppen aufgelöst, nächste Projekte." Das heißt, man muss sich in neuen Gruppen finden, was auch Zeit kostet -, In neue Themen einarbeiten und die alten fallen unter den Tisch, denn entgegen optimistischer Annahmen ist nach 1 bis 3 Jahren das Neue nicht dauerhaft implementiert und die Zeit, um das Alte warm zu halten, ist einfach nicht da. Auch diese Zeit fehlt eben bei der Unterrichtsvorbereitung oder beim Fortführen des Erarbeiteten.
Außerdem hat man bei so vielen Sitzungen weniger Zeit den Unterricht richtig vor und nachzubereiten. Was ist mit Lernentwicklungsgesprächen und ausführliche Berichtszeugnisse schreiben? Das kommt ja auch noch dazu.
Ja, hat man.
Berichtszeugnisse und Lernentwicklungsgespräche haben wir zum Glück nicht. Das letzte Mal, als ich welche schreiben musste, habe ich ein begrenztes Repertoire an Bausteinen verwendet und den Aufwand durch den vermehrten Einsatz von Schwellendidaktik ausgeglichen.
Elterngespräche führe ich seltener, ich telefoniere öfter "mal schnell" und sie fallen wenn möglichst kürzer aus.
Wir sind mit einem kleinen Team für drei Gruppen verantwortlich und planen innerhalb des Teams unter wechselnden „Hut-auf- Habenden“ unseren Unterricht gemeinsam und abwechselnd. Dadurch steht in der Regel bereits zu Beginn eines Schuljahres das Material bzw. mindestens fest, wer bis wann was macht. Das gilt auch für das Fachteam.
Das läuft bei uns ähnlich, aber es ist nicht sicher implementiert.
Im letzten Jahr hatten wir während der Sitzungen keine Zeit zur Unterrichtplanung. Wir sprachen unter Zeitdruck ab - und mussten dann wieder zwischen Tür und Angel in den Pausen im Lehrerzimmer nachsteuern. Der gleiche Pausenstress wie vor einigen Jahren, aber eben zusätzlich zu den ganzen Sitzungen.
In diesem Jahr wurde neu festgelegt, dass wir zusätzliche Sitzungen zur U-Vorbereitung haben und uns teilen: Ein Teil bereitet das eine Fach vor, die anderen das 2. Fach, die nächsten das 3. Wir müssen dann gleichschrittig unterrichten. Insbesondere ich wurde angesprochen, da ich Zweifel äußerte, ob das denn für jede Lerngruppe so passt.
Ich arbeite also nun in einem Teil meiner Unterrichtsstunden (bis auf die, für die ich mitplane) mit Unterrichtsplanungen, welche ein Rasen in astronomischer Geschwindigkeit durch den auf Gymnasialniveau aufbereiteten Stoff vorgeben und den entsprechenden Klassenarbeiten.
Bei der letzten Klassenarbeit habe ich viel Schokolade als Beißholz benötigt. Ich denke, es wird einige weinende Kinder geben, wenn ich die zurückgebe. Aber ich habe mir vorgenommen, tapfer zu sein und zu machen, wozu ich angewiesen wurde.
Ich finde sowohl das Tapfersein als auch das Unterrichten auf diese Art und Weise extrem stressig und denke gerade darüber nach, ob ich weiterhin Lehrerin sein möchte oder vielleicht noch den Tram-Führerschein mache und bei der BVG anheuere.
Achja: Tür-und-Angel-Gespräche gibt es weiterhin reichlich, weil die Zeit während der zusätzlichen Sitzungen nicht ausreicht, um z.B. über bestimmte Schüler zu sprechen oder im Detail mal was zu planen.
Ich vermute, das funktioniert nur, wenn alle das grundlegend wollen und fast alle für die entsprechende Schulstufe / das entsprechende Fach ausgebildet sind.