Eine Fremdkorrektur hatte ich noch nie, und ich bin sicher, dass es mit einem Gymnasium eines anderen Sozialtyps doch zu Unterschieden führen könnte.
In der SEK.I sind die Korrekturen zwar nicht anonymisiert, aber zumindest nicht schulintern. Wir sind im Verbund mit mehreren anderen SEK.I- Schulen in unserer Stadt und tauschen mit diesen alle Jahre wieder sämtliche Korrekturen aus. In Französisch bedeutet das beispielsweise regelmäßig, dass ich als Zweitkorrektorin alle Jahre wieder (eh sei denn, ich bin Erstkorrektorin) sämtliche Zweitkorrekturen der anderen Schulen im Verbund bekomme (alle anderen Fächer haben höhere Belegzahlen und werden deshalb stärker verteilt).
Bei den Gemeinschaftsschulen im Verbund gibt es jedes Jahr recht deutliche Abweichungen zwischen Erst- und Zweitkorrekturen in sämtlichen Fächern. Unser Eindruck im Kollegium ist, dass an diesen neben der kriterialen Norm auch eine soziale Norm in die Notengebung einfließt. Anders lassen sich die Punkte für manche Freitextaufgaben z.B. in Französisch nicht erklären. Umgekehrt gibt es bei unseren SuS prinzipiell höchstens marginale Abweichungen bei der Bewertung der Zweitkorrektoren. Gleiches gilt auch für die andere Realschule in unserem Verbund, die tatsächlich ein anderes Einzugsgebiet hat als wir, aber nichtsdestotrotz vergleichbare Bewertungskriterien hat wie wir offenbar.
Schulintern stellen wir vor allem bei den mündlichen Prüfungen immer wieder fest, dass wir letztlich dieselben Standards setzen und auch erwarten. Die Notenfindung ist mit meiner einen Kollegin insofern immer nur eine Sache von Sekunden (wir sind beide recht zackig, wenn es darum geht, die entscheidenden Parameter zur Notenbegründung aufzuzählen), mit der anderen Kollegin brauchen wir zwar immer ein paar Minuten, das liegt aber einfach daran, dass diese etwas länger braucht, um die entscheidenden Argumente zu benennen, damit sie ruhigen Gewissens mit einer Note d‘ accord gehen kann.
Ich glaube, der Sozialtypus einer Schule kann zwar eine Rolle spielen, muss es aber nicht. Relevanter ist meines Erachtens welchen Selbstanspruch ein Kollegium hat und verfolgt und nicht nur den eigenen SuS vermittelt, sondern auch neuen KuK.