Doch, PrimaBallerina.
Ich habe mir mein Studium seinerzeit komplett selber finanzieren müssen, und durch diverse Hilfsjobs einen ungefilterten Einblick in die Lebensrealität in etlichen Unternehmen gewinnen dürfen.
Nicht die Tätigkeiten an sich waren für mich dabei das Deprimierende, sondern die jeweiligen kollegialen Umfelder. Eine qualifizierte Arbeit zu haben, bringt viel mehr Privilegien mit sich, als es dem auf Einkommen und Karrierechancen beschränkten üblichen Fokus entspricht.
Meine Sichtweise hat IMHO auch nichts mit Arroganz zu tun. Sensiblere Naturen gehen in solchen Arbeitsumfeldern unter. Das zur Kenntnis zu nehmen, finde ich nicht überheblich. Natürlich wird es immer Ausnahmen geben, aber die Tendenz ist überdeutlich.
Ich habe ab meinem 15. Lebensjahr in fast allen Ferien gearbeitet, um mir bestimmte Wünsche zu erfüllen oder eben auch zur Finanzierung des Studiums ab einem bestimmten Zeitpunkt. Vom Lager über den Verkauf, bis hin ins Büro waren dabei meine Einsatzbereiche je nach Alter und Erfahrung. Das erste richtig miese kollegiale Umfeld habe ich dann erlebt als ich nur mit studierten Menschen zusammengearbeitet habe und eine Kultur des hintenrum schlecht Redens übereinander bis hin zum Mobbing einzelner und vornerum den Vorgesetzten in den Allerwertesten kriechen erlebt habe. Davor habe ich zwar eine Menge, aber ehrlicher Gespräche erlebt unter den KuK, sowie in manchen Betrieben Chefs, die meinten das Arbeitsrecht mit Füßen treten zu dürfen.
Bildung macht Menschen weder freundlicher, noch ehrlicher, noch anständiger. Manche Menschen können dank dieser ihre Bosheiten einfach nur besser rhetorisch verpacken und verstecken. Weniger oder auch einfach nur andere Bildung macht umgekehrt Mensen nicht automatisch übergriffiger, unfreundlicher, unloyaler oder ignoranter den Gefühlen oder Bedürfnissen ihrer Mitmenschen gegenüber.
Ach so: Ich bin definitiv eine sensible Natur, deshalb war ich vor zwei Jahren dann auch wegen Mobbings im Kollegium krankgeschrieben. Gebildete Menschen mit Abitur können nämlich wirklich bösartig sein, wenn ihnen kein ausreichender Einhalt geboten wird und sie dazu neigen entsprechend mit ihren Mitmenschen umzugehen, um sich selbst besser zu fühlen.
Den respektvollsten Umgang am Arbeitsplatz habe ich übrigens erlebt als Betreuerin auf Lebenshilfefreizeiten mit und unter den schwerst mehrfach behinderten Erwachsenen (ausnahmslos unter anderem geistige Behinderungen), mit denen wir unterwegs waren im In- und Ausland. Das war immer komplett ehrlich im Umgang, schmerzhaft ehrlich zwar manchmal, aber dennoch letztlich unglaublich freundlich und vor allem empathisch im Miteinander. Von unseren Teilnehmenden hatte dabei niemand auch nur einen Hautpschulabschluss erreichen können infolge ihrer Behinderungen.