Ich traue den Grundschulkollegen zu, dass sie nach 2-4 Jahren einschätzen können, welche Schulform die geeignetste für ihre Schüler sind. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass viele Eltern das gerade NICHT können, sondern Wunschdenken oder schlichtweg Fehlvorstellungen ihre Entscheidungen prägen.
Sollte sich dennoch ein Kind wider Erwartung im Laufe der Zeit ganz anders entwickeln, gibt es auch weiterhin Möglichkeiten.
Ich traue das den KuK in den Grundschulen ebenfalls zu. Dennoch gab es in der Vergangenheit deutliche Hinweise, dass unabhängig vom Notenbild bzw.. Sprachvermögen askriptive Merkmale wie Nationalität oder Familieneinkommen eine Rolle spielen bei den Grundschulempfehlungen mancher Lehrkräfte. Es gibt nun einmal in allen Schularten Lehrkräfte mit Vorurteilen, die diese entweder nicht ausreichend reflektiert haben, um sich dieser wirklich bewusst zu sein und diese zu entkräften in ihrem professionellen Handeln oder aber die diese ganz bewusst auch beruflich ausleben, weil sie diese für angemessen und zutreffend erachten. Ein Björn Höcke ist leider kein Einzelfall in unserem Berufsfeld, auch wenn es längst nicht immer um derart extreme Formen geht.
Das Problem wird mit einer erneut verbindlichen GS- Empfehlung nicht gelöst.
Ich sehe als SEK.I- Lehrkraft sehr deutlich die Probleme, die viele SuS haben als Folge eines Elternwillens, der z.B. die sinnvolle Werkrealschulempfehlung einfach negiert. Zurück zur verbindlichen GS- Empfehlung löst aber dummerweise nicht einfach pauschal alle Probleme, sondern ändert nur die Art der Probleme für manche Kinder.
Sinnvoll aus meiner Perspektive wäre es von den zwei Jahren Orientierungsstufe wegzukommen, bei denen wir als Realschulen dazu gezwungen sind alle SuS auf RS- Niveau zu beschulen und damit den Kindern mit zutreffender Werkrealschulempfehlung zwei ganze Jahre lang zu vermitteln, dass sie nichts könnten, weil in zu vielen Fällen die beste Note im Zeugnis eine vier ist.
Sinnvoll wäre es, wenn es eine Mischung geben würde aus GS- Empfehlung und Elternwillen, um die Mehrheit der guten, zutreffenden GS- Empfehlungen wieder verbindlicher werden zu lassen, aber eben auch Möglichkeiten zu haben für die Fälle, wo die GS- Empfehlung kritisch zu hinterfragen ist (unterschiedliche Schulartempfehlung bei Kindern mit identischem Notenbild und Leistungsvermögen, aber unterschiedlichem familiären Hintergrund).
Sinnvoll wäre es, wenn es bei dieser Frage ausnahmsweise mal nicht nur wieder darum gehen würde sich über Bildungspolitik Wählerstimmen kurzfristig zu sichern, sondern das weitergehend zu durchdenken und dann auch durch erforderliche weitere Maßnahmen zu flankieren.