Bei uns gibt es ein "Gentlemen agreement":
Die Referendare, die ihre Prüfung bereits absolviert haben, bewirten die "Besucher" ihrer Nachkommen.
Die Kolleg*innen, die als Prüfer an der Schule eintreffen, haben teilweise lange Anfahrtswege hinter sich. Eine Tasse Kaffee und etwas Gebäck sind Zeichen der Gastfreundschaft und sorgen für eine entspannte (Prüfungs-)Atmosphäre, die nicht durch Hunger oder Durst getrübt ist.
Sofern das unseren Referendaren zu Gute kommt, ist das gut und beabsichtigt
„Gerne dürfen Sie sich frei an der Kollegiumskaffeemaschine bedienen, Wasser aus unserem Wasserspender haben wir für Sie und unseren Prüfling im Besprechungsraum bereitgestellt. Ein kleines Vesper haben Sie angesichts ihrer langen Anfahrt sicherlich mit dabei. Benötigen Sie vielleicht einen Teller oder eine Serviette dazu?“
Ein Unterrichtsbesuch ist kein Besuch im klassischen Sinn, bei dem man seine Gastgeberqualitäten unter Beweis stellen müsste, sondern ein professioneller Termin, bei dem man sich durchaus auch als Prüfer: in entsprechend professionell verhalten und ausreichend vorbereiten darf, statt zu erwarten, dass die Prüflinge auch noch Gastgeber: in spielen müssen am Prüfungstag (oder alternativ deren Schulen, nur um die Prüflinge zu entlasten bei dem ganzen Seminarzinnober).
Ein Gentlemen agreement sähe meines Erachtens im Jahr 2024 dergestalt aus, dass man als Seminarschule einfach ganz deutlich mit dem Seminar darüber spräche, dass man gemeinsam und konsequent diese Unsitte brechen würde für den nächsten Ausbildungsjahrgang, statt diese immer weiter tradieren zu wollen unter der Behauptung, es gehe ja um „Zeichen der Gastfreundschaft“ oder „nette Traditionen“.