Ich würde niemandem raten, heute noch auch Lehramt zu studieren. Der Weg über den Seiteneinstieg ist flexibler und oft auch schneller. Alternativ kann man eben woanders auch unterkommen und: man muss sich während des Studiums nicht schon das oft weltfremde Dozieren der „Pädagogen ohne praktische Lehrerfahrung“ anhören.
Ich bin seit vielen Jahren unglücklich in der Schule, nicht wegen der Jugendlichen (unterrichte SEK 1 im Brennpunkt
, die mag ich wirklich weiterhin sehr gerne und bekomme von ihnen auch sehr gutes Feedback.
Mich frustieren die unglaublichen Arbeitsbedingungen und zunehmend stumpfe ich ab.
Ich habe noch nie einen so wenig wertschätzenden Arbeitgeber erlebt (habe vorher 15 Jahre außerhalb von Schule gearbeitet). Personalplanung erfolgt nur kurzfristig , Personal wird verheizt und nicht gefördert. So sitzen teilweise 80-100 Lehrkräfte in langen Konferenzen ohne Ergebnisse - in der Wirtschaft undenkbar 80-100 mal 2-3 h Akademiker , das kostet eine Vermögen.
Menschen werden nach Studiumsabschluss und anderen komischen Kriterien befördert, nicht nach Leistung oder Kompetenz. Hier kann man z.B. mit SEK 1 Lehramt außer Schulleiter keine Beförderung erwarten, sämtliche inhaltliche Funktionsstellen gehen nur an Gym Kräfte. Ich unterrichte mittlerweile 3 Hauptfächer plus 3 Nebenfächer - selbst qualifiziert, keinerlei Anerkennung dafür. Kommt ein Studierter her , werde ich einfach wieder rausgenommen und woanders eingesetzt. Ein groß Teil meiner Arbeitszeit geht fur Verwaltung und Kopieren etc drauf - dafür braucht man keine Studierten Lehrer. Ich diskutiere ernsthaft uber die Möglichkeit einer Pipipause bei 4 US mit Aufsicht, Kopierkontigente, fehlende Druckerpatronen usw.
Meine Schüler scheitern oft am System Schule, ich kann ihnen nicht helfen - das System lässt es nicht zu.