Ich möchte euch fragen, wie der Alltag bzgl. Respektlosigkeit und "extremen Verhalten" der Schüler aussieht. Und wie agiert man als Lehrer bei Respektlosigkeiten/Disziplinproblemen richtig und professioniell?
Lass dich von Medienberichten zu extremen Einzelfällen nicht davon abhalten, deinen Wunsch umzusetzen. Du lernst im Laufe des Refs einige Methoden und Strategien im Umgang Disziplinproblemen kennen. Die eigentliche Professionalisierung dauert 5 Jahre, also deutlich länger als das Ref und normalerweise lernst du in dieser Zeit, wie du mit der Klientel deiner Schule, an der du nach dem Ref gelandet bist umgehen musst, damit es im Regelfall eben nicht zu derartigen Extremsituationen kommt.
Ich bin inzwischen im 6. Jahr des Schuldienst und an einer Schule, an der ich deutlicher Disziplinproblemen/ Respektlosigkeiten zu tun habe als das an meiner Refschule der Fall war, einfach weil die Klientel weitestgehend anders ist und tickt. Die ersten beiden Jahre waren extrem hart, gerade weil ich nicht einfach nur der Typ „harter Hund“ bin, sondern auf Beziehungsarbeit setze, die länger braucht, um zu wirken. Inzwischen grenze ich mich innerlich selbst besser ab, greife auch- weil das bei dieser Klientel zwingend erforderlich ist- deutlich schneller auf Sanktionsebene ein, ernte aber auch die Früchte meiner konstanten Beziehungsarbeit, was mir die Alltagsarbeit erheblich erleichtert. Im ersten Jahr nach dem Ref hatte ich aber durchaus kritisch darüber nachgedacht, ob ich der speziellen Klientel an meiner neuen Schule gewachsen bin. Aufgeben liegt mir aber nicht so, also habe ich mich durchgekämpft und meinen Weg gefunden, der für mich funktioniert und zu mir passt.
Inzwischen fühle ich mich wohl an meiner Schule und arbeite sehr gerne gerade mit den verhaltenskreativeren Klassen, weil ich bei denen immer wieder über mich selbst hinauswachsen und dazulernen muss. In klassischen braven Realschulklassen- die ich auch ab und an habe- wird mir dagegen zu schnell langweilig, weil es zu vorhersehbar läuft. Nur meinen Fachunterricht erfolgreich durchzuziehen wäre mir- wie ich inzwischen über mich gelernt habe- als Anspruch zu wenig.
Man muss lernen sehr ehrlich zu sich selbst zu sein in diesem Beruf, sich selbst kritisch zu reflektieren und wenn man der Klientel einer Schule gar nicht gewachsen ist, das auch nicht schafft zu lernen, sich das auch ehrlich eingestehen und eine Versetzung anstreben. Wir alle haben Grenzen. Manche kann man mit entsprechenden Willen, Lernbereitschaft und Kraft überwinden, andere sind inhärent in uns und müssen von uns akzeptiert werden in einer Weise, die weder uns, noch unsere SuS gefährdet oder vernachlässigt.