In der Regel werden "die Jungs" oder "die Männer" dazu aufgefordert, das Tragen zu übernehmen. Wenn Frauen sich zum Tragen anbieten wird das regelmäßig abgelehnt (meist durch andere Frauen), weil das doch lieber die Männer machen sollen.
Diese Erfahrung mache ich auch sehr oft, beruflich allerdings überwiegend. Im privaten Bereich wissen meine Menschen, dass ich im Regelfall einfach zupacke, eh sei denn die Gesundheit macht mir einen Strich durch die Rechnung. Beruflich höre ich aber bei jeder Kiste, die ich trage und bei jeder/jedem Bierbank/Biertisch, die ich wegtrage vor oder nach Schulfesten von Kolleginnen, dass ich das doch nicht machen solle, sondern mir Schüler (nicht Schülerinnen) dafür einspannen solle. (Die spanne ich zwar ergänzend ein- alle Geschlechter, wer meint, zu schwach zu sein, darf zu zweit tragen und übt das damit - drücke mich aber nicht davor, meinen Teil zu machen und mit gutem Beispiel voranzugehen.) Das finde ich wirklich befremdlich, wie manche Menschen diesbezüglich ticken. Meine frühere Chefin hat tatsächlich auch den Standpunkt vertreten, dass bestimmte Arten körperlicher Arbeit (Handwerk, Autoreifen wechseln, Lasten tragen,..) per se Männerarbeit seien. Diese war aber auch umgekehrt der Überzeugung, dass andere Aufgaben spezifisch Frauenarbeit seien oder zumindest von Frauen qua Geschlecht besser ausgeführt werden könnten (Haushalt, Kindererziehung). Oft steckt also einfach ein generelles Denken in geschlechtsspezifischen Stereotypen dahinter, was wiederum etwas ist, was Männer nicht weniger massiv betreiben, sowohl im Bezug auf Frauen, als auch auf Männer (die sich als "echte" Männer nur in bestimmten Weisen verhalten sollen, gewisse Kleidungsregeln akzeptieren sollen, für die materielle Versorgung der Familie oftmals qua Geschlecht verantwortlich sein sollen,...).