Ich schrieb dir ja schon einmal, dass ich weniger persönliche Informationen über mich hier im öffentlichen Forum preisgeben möchte, da möchte ich zukünfig konsequenter sein und die Themen allgemeiner kommentieren.
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Das erklärt zwar manches, was nicht nur mir zuletzt bei immer mehr deiner Beiträge aufgefallen ist, ich persönlich nehme deine Beiträge aber an vielen Stellen als inhaltsleer war, da sie an zentralen Stellen- nämlich dort, wo es konkret um Schule, Schülerschaft, Unterricht geht- so verallgemeinert sind, dass es nichtssagende Oberflächlichkeiten werden und das Gefühl befördern keinen Kollegen auf der anderen Seite sitzen zu haben, da scheinbar keinerlei Detailkenntnis vorhanden ist. Du weißt als Lehrer, dass Authentizität ein relevanter Kommunikationsfaktor ist. Eben dieser beraubst du dich meines Erachtens in eklatanter Weise durch die Entkernung deiner Beiträge. Nachdem du sehr aktiv im Forum bist, möchte ich dir ans Herz legen diese Extremform zu überdenken und ein gesundes Mittelmaß zu finden, damit deine schulbezogenen Beiträge wieder gehaltvoller werden können. Es gibt denke ich sehr viele User hier im Forum die deutlich weniger preisgeben als ich das mache und dennoch klar, ehrlich und authentisch als Lehrkräfte formulieren und schreiben, so dass man sich nicht bei jedem zweiten oder dritten Beitrag zu fragen beginnt, ob tatsächlich ein Lehrer oder eine Lehrerin diese verfasst hat.
(...) Man kann zwar kaum richtig lesen und schreiben, aber egal, es MUSS das Abitur sein. Wir beraten uns da echt dumm und dämlich und können uns nicht erklären woher dieses Bild kommt, dass das Abitur der einzig angemessene Schulabschluss ist. V.a. auch in den Köpfen geflüchteter SuS. Das ist dermaßen in den Köpfen einzementiert, dass man in Deutschland das Abitur machen muss, komme was wolle, da hilft alle Beratung nichts und selbst ein Zeugnis voller 5er und 6er überzeugt nicht.
Gerade bei SuS ausländischer Herkunft und teilweise auch denen mit Migrationshintergrund ist das meiner Erfahrung nach in vielen Fällen einer weitreichenden Unkenntnis des deutschen Schulsystems einerseits geschuldet (vor allem das Prinzip der Durchlässigkeit ist nur wenigen bekannt) und andererseits den familiären Erfahrungen in den Herkunftsländern, wo es oft kein Pendant zur dualen Ausbildung gibt, Handwerker deutlich schlechter bezahlt sind als hierzulande und das Medizinstudium symbolisch dafür steht es finanziell und vom gesellschaftlichen Status her geschafft zu haben.
Ich habe bei meiner früheren Arbeitsstelle unzählige Gespräche mit Eltern geführt, um diesen begreiflich zu machen, dass eine (W)RS-Empfehlung kein Weltuntergang ist, sondern dem Kind genau die Lernzeit und das Lerntempo gestattet die es benötigt um sein Potential zu verwirklichen, dass, wenn das der richtige Weg sein sollte, die beruflichen Gymnasien nach einer guten mittleren Reife auch noch den Weg zum Abitur gestatten, statt womöglich am Ende von Klasse 6 abgeschult zu werden, weil das Lerntempo an Gymnasien deutlich zu hoch ist für die breite Mehrheit der SuS mit (W)RS-Empfehlung und eine Abschulung nur zu vermeidbarer Frustration führt, statt das Gefühl "ich kann etwas" an der richtigen Schulart zu fördern und zu erleben, welches die Basis ist für alle weiteren Ausbildungsschritte, dass eine duale Ausbildung kein schlechterer Weg ist als ein Abitur und Handwerksmeister in vielen Bereichen genauso gut oder besser verdienen als Akademiker (wir Geisteswissenschaftler taugen da durchaus als abschreckendes Beispiel) und ein Medizinstudium geradezu absurde Notendurchschnitte vorraussetzt, die nur eine Minderheit aller Abiturienten erreicht. Es gibt inzwischen hier bei uns im Ort spezielle Informationsprojekte in Kindergärten und Grundschulen, um Eltern ausländischer Herkunft und/oder mit Migrationshintergrund und/oder fehlender/unzureichender Alphabetisierung bzw. eigener Bildung frühzeitig zu erklären, wie das deutsche Bildungssystem funktioniert, wie die Übergänge geregelt sind, welche Schulformen es gibt, dass man von jeder Schulform aus am Ende bei einem Studium ankommen kann (aber nicht muss), wenn dies der für das Kind passende Weg sein sollte, es aber wichtig ist, Kindern ausreichend Lernzeit an der passenden Schulform zu gestatten oder aber auch- gerade im Kindergarten- wie frühkindliche Förderung gestaltet werden kann (gerade der Wert von Spielen als Bildungsfaktor ist vielen Eltern unbekannt, auch Vorlesen wird thematisiert, ebenso wie der positive, wertschätzende Umgang mit innerfamiliärer Mehrsprachigkeit), in Kindergarten und Grundschule werden Elternrechte thematisiert und wie man bei Konflikten mit Lehrkräften Klärung erreichen kann und an den Grundschulen geht es dann wenn ein entsprechender Bedarf besteht auch noch um Dinge wie Ernährung (Frühstück, Pausenbrot, echte Vitamine in Obst und Gemüse statt Süßigkeiten und Vitaminpillen) oder Umgang mit Medien (Kindersicherung am Smartphone, begrenzte Nutzungszeiten für Medien aller Art, keine unbeaufsichtigte Nutzung von Smartphone und Co bei Kindern, etc.). Eine Freundin von mir arbeitet seit dieses Projekt gegründet wurde dort mit, ist jetzt die nächste Ausbaustufe von den Kindergärten in die Grundschulen mit gegangen (sie betreut eine Grundschule, sowie zwei Kindergärten in ihrem Stadtteil, führt dort Schulungen durch und ist, nachdem sie im Stadtteil lebt und gut vernetzt ist, eine niedrigschwellige Ansprechpartnerin für die Eltern auch lange nachdem diese das Projekt durchlaufen haben) und erzählt mir regelmäßigvon ihrer Arbeit und auch welche Fragen sie dort immer wieder hört. Solche Projekte würde es meines Erachtens überall benötigen, um das Verständnis vieler Familien über Bildung, Erziehung und das Bildungssystem auszubauen und diese unsägliche Vorstellung "nur Gymnasium und eigentlich danach nur Medizinstduium", die noch immer in zu vielen Köpfen steckt zugusten von mehr Realität und mehr Sehen des eigenen Kindes zu reduzieren.