Ich habe gar nicht von „Allgemeinwissen“ geschrieben, sondern von allgemeinem Wissen, das war wohl missverständlich. Gemeint war, dass immer auch ein Anteil des Studiums (und damit heute CP) darauf verwandt wird, das Studium selbst zu vermitteln, das System zu verstehen, wissenschaftliches Arbeiten, Anforderungen, Vorgaben der Uni und der Dozierenden etc.
Wer studiert hat, weiß um das System, wer neu an die Uni kommt, wird das lernen müssen, wer es schon mal gemacht hat, weiß in der Regel, was vorteilhaft ist.
Mag ja sein, dass das Studium inzwischen so verschult ist, dass man das nicht mehr benötigt und darauf keine Zeit verwenden muss.
Aber ich wehre mich deutlich gegen euren Vorwurf, wir seien nur zu unflexibel (und verwöhnt) sich in andere Fächer einzuarbeiten. Kaum jemand lernt eine Fremdsprache in wenigen Wochen nebenbei, ich traue mir noch nicht einmal Physik, Biologie oder Informatik auf Oberstufenniveau zu, obwohl ich in diesen Bereichen (Diplom)Kurse an der Uni besucht habe. Das hat nichts mit Unflexibelität zu tun, ich weiß, wieviel mehr es über mein Wissen noch gibt (und weiß, dass ich immer ein paar kluge und über das Lehrbuch hinaus interessierte Schülerinnen und Schüler habe, die nachfragen).
Auch den Vorwurf habe ich so nicht erhoben, erlebe aber, dass Kolleg:innen selbst in ihrem Studienbereich äußern, dass sie es nicht an der Uni gelernt hätten. Das ist eine merkwürdige Antwort, wenn es um Aufgabenbereiche des direkten Arbeitsfeldes geht.
Und es geht (in diesem konkreten Fall, den ich nicht näher öffentlich erläutere) zu Lasten der Schüler:innen und Kolleg:innen.
Ich finde deine Einschätzung wichtig und kann es nachvollziehen.
Oft habt ihr aber vor allem die SekII im Blick, aber ihr unterrichtet auch Klasse 5-10.
Ausgebildet sind auch andere Lehrkräfte für Unterricht bis Klasse 10, sie können in der GS eingesetzt sein oder in der SekI oder beides. Und auch sie unterrichten Schüler:innen, die später ihr Abitur ablegen. Auch da gibt es SuS die mehr Inhalt benötigen und die Fragen stellen. Und ja, selbst in der GS gibt es Schüler:innen, die merken, wenn eine Lehrkraft das unterrichtete Fach nicht beherrscht (siehe Frage im anderen Forum, ob es zu einer Nicht-Bewährung kommen kann). Auch Grundschüler:innen wissen das zum Ausdruck zu bringen, auch wenn sie sicher vorsichtiger sind als später.
Lehrkräfte mit dieser Ausbildung wissen vorab, dass nich vieles dazu kommen kann und wird. Wenn ich das nicht wollte, hätte ich das Gym wählen können und auf 2 Fächer begrenzen können, aber es gibt auch am Gym Lehrkräfte, die schon im Studium 3 Fächer belegen oder später erweitern, in einigen BL scheint es dafür auch Programme zu geben.
Dazu kommt, dass man sich als Lehrkraft immer mehr in anderes einarbeiten muss, bei mir waren es immer auch Fächer. Es liegt mit am Lehrkräftemangel, aber nicht nur. An einer kleinen Schule hat man nicht immer eine studierte Lehrkraft für jedes Fach, und wenn man genau eine hat, kann diese ausfallen, dann braucht es in irgendeiner Form Ersatz. Manches ist aber auch einfach über Jahre entstanden, weil mir die Fächer liegen, weil ich vor dem Studium schon überlegen musste, was ich leider nicht auch noch studieren kann, weil ich mich einarbeiten mag.
Ich gebe Quittengelee recht, dass es in einigen Fächern schwierig ist, arbeitsintensiv
ist es ohnehin. Dass eine studierte Kraft im Unterricht andere Impulse setzt, sehe ich auch ab und an, aber das ist nicht generell so, wenn man sich gut einarbeitet.
Dazu denke ich an Konstellationen, bei der die Lehrkraft Wissen aus dem studierten Fach hat und außerhalb des Studiums erworbenes Wissen einbringt. Wer eine Fremdsprache studiert hat und die Didaktik beherrscht, wird die Didaktik in weiten Teilen auf die nächste Fremdsprache übertragen können. Es soll ja Menschen geben, die weitere Fremdsprachen beherrschen und diese nicht als eines der 2 Studienfächer wählen.
Das, was ich mir zur Alphabetisierung angeeignet habe, und der Anteil im Studium dazu war gering, brauche ich auch für DaZ. Es reicht allein nicht aus, weil der Zweitsprachanteil groß ist, aber DaZ ist in meinem Umfeld ohne Alphabetisierung nicht denkbar … und die Verlagsmaterialien bilden es nicht ab.
Neben den Fächern sind es inzwischen vor allem Inhalte, die die Inklusion betreffen und die in meiner Umgebung niemand über das Studium abgedeckt hat, auch die FöS-Lehrkräfte nicht. Bestimmt kann man sich da abgrenzen, bestimmt kann man auch ohne das Wissen Lehrkraft sein, aber mir reicht das so nicht, weil ich Förderung nicht als Beschäftigung verstehe.
Vermutlich verstehe ich das Studium als solches anders. Einige sehen es als Eintrittskarte in den Beruf, als Pflicht, einige als fachliche Qualifikation für genau dieses Fach, nah am Vollstudium, das sie aus verschiedenen Gründen nicht ergreifen, für mich ist es eher die Befähigung, den Beruf der Lehrkraft ausüben zu können, der weiteres Lernen in vielen Bereichen voraussetzt. Das ist im Studium mit vielen unterschiedlichen Disziplinen bereits angelegt - so war es zumindest in meinem.