Beiträge von Palim

    und lieber die Zeit im Lehrerzimmer totschlage

    Ich finde vor lauter Aufgaben gar keine Zeit, die ich totschlagen könnte.

    Die Aussagen, es sei keine Arbeit, knüpft daran an, dass allein die 45 min Unterricht als solche gewertet werden, nicht die Pausen und Zwischenpausen. Verstehe ich nicht, ebensowenig wie die Zeit zwischen Unterricht und Konferenz.

    Wenn ich in anderen Berufen auf den nächsten Kunden, Klienten, Patienten warte, ist es auch Arbeitszeit, wenn ich den Raum vorbereite oder aufräume, mich auf die nächste Aufgabe einstelle, Materialien zusammensuche etc., warum wird das bei Lehrkräften anders gewertet?

    Wenn die Konferenz gleich nach dem Unterricht liegt, ist kaum Zeit, den Raum für den nächsten Tag vorzubereiten, zur Toilette zu gehen und etwas zu essen,

    ist die Konferenz später, liegen dort zwischendrin Arbeitsgruppen oder Korrekturen.

    Spazieren gehen die wenigsten in der Zeit, wer kann, fährt nach Hause, und ja, das wäre dann keine Arbeitszeit, die Tätigkeiten an der Schule aber schon, da ist es egal, ob ich sie zwischen Unterricht und Konferenz oder nach der Konferenz oder vor dem Unterricht am nächsten Morgen erledige.

    Ich habe es schonmal geschrieben, meine Kinder haben keine Aufsatzerziehung gehabt,

    Gar nicht?

    Hm, bei uns wurde es nach und nach zurückgedrängt UND die Vorgaben für Klassenarbeiten geändert,

    aber man muss ja trotz anderer Projekte auch mal einen Text verfassen lassen.

    Davon abgesehen finde ich die Aufgabenstellungen in den Schulbüchern oft schlecht, aber das ist ein weiteres Thema.

    Obwohl es bei uns zurückgedrängt wurde, bin ich bemüht, eine Mischung hinzubekommen und auch mal längere Texte zu schreiben. An meine eigene GS-Zeit (Lieder von der Tafel abschreiben) und an Unterricht mit mehrfacher Überarbeitung durch Abschrift komme ich aber nicht heran.

    Dennoch glaube ich, dass es in den abgegebenen Jahrgängen jetzt schon und nachfolgend noch mehr so sein wird, dass die SuS noch keine längeren Texte entwickelt haben, weil die 5-6 Std. Deutsch nicht ausreichen.

    Das ist doch ein breiter Querschnitt, denke ich.

    Bei den Hauptschüler:innen wird es von Beginn an weniger Erfahrung mit Schriftsprache geben, es braucht zu Beginn der Schulzeit mehr Übung zur Schreibfähigkeit, Motorik, Auge-Hand-Koordination und an sich mehr Übung, aber die Zeit ist begrenzt. Somit gibt es für diese SuS über Jahre stetig weniger Übung durch langsameres Arbeiten und Voranschreiten, mehr Wiederholungen, kürzere Texte, weniger Übersicht über Struktur und Aufbau …

    Wäre ja interessant, ob nun die SuS ankommen, die in der GS Grundschrift statt Vereinfachter Ausgangsschrift gelernt haben oder ob sonst etwas verändert wurde.

    Die ersten SuS mit dieser Schrift sind jetzt in Jahrgang 10 oder 11.

    Solange Diktate nicht mit Noten verknüpft sind, sondern eine Übungsform, bei der man durch Differenzierung den Kindern Möglichkeiten an die Hand gibt, den Text erfolgreich richtig zu schreiben, durch Laufdiktat, Kontrolle mit Vorlage, Kontrolle mit Fehlersuchen und verbessern (ich finde noch 4 Fehler - findest du sie auch?),

    finden viele Kinder Diktate gar nicht so schlimm und fragen sogar danach.

    Das sind dann auch nicht die Kinder, die ohnehin in der Rechtschreibung sicher sind, sondern auch andere, die es als Rätsel empfinden und sich an ihren guten Endergebnissen freuen, selbst wenn sie vorher Fehler gemacht haben.

    Aber vielleicht sollte man den „Satz des Tages“ (nicht mein Format) übers Radio verbreiten oder die Sprachlern-App in Deutsch-Deutsch anbieten.

    Liegt es am Fachbereich oder ist es quer durch verschiedene Klassen?

    Eben habe ich erfahren, dass bei uns Lehrkräfte in Klasse 7 noch mal Schreibtraining machen.

    Für die Grundschule überlege ich, ob nicht immer mal etwas anderes den Fokus bekommt. Wenn jetzt mehrfach in der Woche 20 min gelesen werden, kommt das Schreiben dann zu kurz?

    Wenn viele Inhalte angesetzt werden und Aufsatzerziehung zurückgedrängt wird, kommt dann das Schreiben längerer Texte zu kurz?

    Wenn gemischte Klassenarbeiten Vorrang bekommen und man immer einen Teil Rechtschreiben unterbringen soll, damit dies mehr Gewicht hat, kommt dann zu kurz, dass längere Texte gelesen oder geschrieben werden?

    Die Schwerpunkte verschieben sich, die Inhalte sind immens und die Zeit reicht nie aus. Da hätte ich gerne auch noch zwei Stunden Deutsch dazu, offiziell sind es 6.

    Ich hoffe, du bist in einer Schule, in der du genau das offen ansprechen kannst und in der dir dann Wege aufgezeigt werden.

    Als Kollegin würde ich auf die Klassenregeln und die damit eingesetzten Konsequenzen verweisen.

    Die SuS nutzen aus, dass du die Regeln nicht kennst und womöglich auch nicht so umsetzt, wie sie es bei anderen gewohnt sind. Dazu kommen dann auch noch die offeneren Methoden, die noch mehr Freiraum bieten, aber eigentlich eine noch striktere Klasse Führung benötigen, wenn es nicht ausufern soll.

    Das ist für sie gleichbedeutend mit Narrenfreiheit und bestimmte Kinder testen dann, wie weit sie gehen können.

    Der für mich am Anfang beste Tipp: Nicht so viel reden, machen!

    Also keine weiteren Chancen, sondern Erwartungen formulieren, Grenzen ziehen, Konsequenzen durchziehen und durchhalten.

    Dazu gehören auch Elterngespräche und Verstärkerpläne, aber das kannst du als Vertretung allein nur schwer umsetzen.

    Dass Schüler:innen gar nicht da sind, gibt es an Grundschulen nicht.

    Man erteilt immer 28 Stunden Unterricht und alles andere kommt hinzu, in der Regel ohne Entlastungsstunden.

    Je nach Jahrgang schiebt man die Sachen, die ein wenig flexibler sind, um die fixen Aufgaben herum, so wie Seph es auch beschreibt.

    Das führt aber dazu, dass es weder Spitze noch Tal gibt.

    Die Belastungsspitzen sind enorm!

    Das muss etwas Schulformspezifisches sein, und man liest es hier häufiger.

    Wer Spitzen sieht, muss ja auch Täler finden. Die kommen aber nicht vor, denn nach der Spitze (Schulanfang) kommen die nächsten gleich hinterher, Schulentwicklung, Projekte, Anträge und Absprachen für Kinder mit besonderen Bedarfen, Elternsprechtage, Schulveranstaltungen, Konferenzen, Zeugnisse, immer noch Zeugnisse, FöS-Meldungen. Das war das 1. Halbjahr. Im 2. Halbjahr wird es nicht besser,

    Zum Ende hin steigt die Kurve über 4 Wochen unentwegt an (Zeugnisse, Aufgaben vor der Einschulung, Vorbereitung der Verabschiedungen, ggf. Raumwechsel) und bricht dann mit Beginn der Ferien.

    Der Alltag ist schon mehr als voll, man ist bemüht, die Aufgaben, die verschiebbar sind, möglichst günstig zu verteilen und die Zeugniszeit freizuschaufeln.

    Weiteres kommt irgendwie immer noch, auch kurzfristig, hinzu, Digitalisierung oder irgendwelche Konzepte oder neue Curricula oder übergreifende Projekte aller umliegenden Schulen oder des Ministeriums.

    Bei der Arbeitszeitstudie kam u.a. heraus, dass die Arbeitsdichte in den Grundschulen bei sehr vielen Personen ständig sehr hoch ist und die Streuung geringer als an anderen Schulen, weshalb durch die nachträglich in NDS eingesetzte Arbeitszeitkommission mit Vertreter:innen vom Land und von Verbänden speziell für die Grundschullehrkräfte das Absenken des Deputats um 1 Stunde vorgeschlagen wurde.

    Ich wundere mich immer wieder,

    Ich wundere mich immer wieder, wo andere Schulen die Stunden hernehmen, um Doppelbesetzung mit Lehrkräften bieten zu können.

    Unterstützung gibt es bei uns manchmal durch pädagogische Mitarbeiterinnen, das allein ist ein Segen. Wir haben eine, die ausgebildete Erzieherin ist und von der es sehr gute Rückmeldungen gibt.

    Auch tolle I-Hilfen hatte ich schon viele, die gut mit mehreren Kindern hätte arbeiten können, aber sie sind immer nur für ein spezielles Kind zuständig. Lieber hätte ich die gleichen guten Leute als Schulkräfte mit flexiblerem Einsatz.

    was Zeit kostet

    Was kostet denn keine Zeit?

    Lehrkräfte auszubilden oder Erzieher:innen auszubilden braucht auch Zeit.

    Es "kostet" Zeit, nichts zu machen und immer weiter abzuwarten, ob es sich nicht von allein bessert ... und das "kostet" nicht nur Zeit, sondern auch noch vieles anderes, ebenso wie die schlechte räumliche Ausstattung in den Schulen.

    Und es braucht mehr Zeit, wenn man immer wieder neue/andere Leute im Team hat, die nur bestimmte Aufgaben übernehmen dürfen und zwar im Team Schule arbeiten, aber als Vorgesetze externe Dienstanbieter haben.

    Wir reden hier also auch über Team-Systeme, Pool-Lösungen und anderes.

    Vielleicht reden wir auch über Aufgaben und Arbeitszeit, weil das, was zu machen wäre, locker für 2 Lehrkräfte Arbeit bringt.

    Das würde ich im Leben nicht machen. Meine Klasse, mein Fach, mein Unterricht. Ich will nicht in einem Team arbeiten

    Das ist in den Grundschulen längst Realität, weil man dort Integrationshilfen mit im Unterricht hat oder weil man angesichtes des Lehrkräftemangels fortwährend Vertretungen einarbeitet, sich mit ihnen abstimmt, sie mit Unterlagen versorgen muss, Klassen übernimmt, wieder abgibt, sich Unterricht und Themen teilt etc.

    Das, was wir an Kooperation umsetzen, ist aber freiwillig oder der Personalsituation geschuldet und man versucht, irgendwie das Beste daraus zu machen.

    Wir Lehrkräfte versuchen miteinander, andere Formen auszuprobieren, Klassen zu mischen, flexibler zu sein, aber da stehen wir noch am Anfang.

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