Beiträge von Palim

    Äh, sorry, nein, Evolution ist kein Hirnpfurz. Nur Darwin ist nicht mehr ganz das, wie man sich das heutzutage so vorstellt. Mendel ist auch nicht mehr so ganz das, was man sich heutzutage unter Genetik vorstellt. "Verschiedene Theorien" leben in den Naturwissenschaften nicht gleichwertig nebeneinander her. Es gibt Ideen, die ich auch im Unterricht - wenn ich sie überhaupt erwähne -ganz klar als kompletten Bullshit deklariere und es gibt Ideen, die innerhalb gewisser Randbedingungen vernünftige Erklärungsansätze liefern, die ich aber gleichermassen ganz klar als eigentlich überholt deklariere. Der Klassiker in der Chemie ist hier das Bohrsche Atommodell.

    Mit diesen Widersprüchen kannst du also leben. Du kannst erklären, warum ein Text von Darwin keine ewige Gültigkeit hat und relativierst seine Erkenntnisse, kannst aber erläutern, welcher Anteil in seiner Zeit richtig war und wichtige Anstöße gegeben hat.

    Du verstehst aber nicht, warum ein 2500 Jahre alter Text, der nicht einmal den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung hat, nicht die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse liefert?

    Was ist das für ein Quark wenn man ständig irgendwas sagt, was man eigentlich gar nicht so meint? Bzw wofür man irgendeine Art von Geheimsprache verstehen muss um sich erstmal zurecht zu interpretieren, was möglicherweise gemeint sein könnte?

    Ja, darum geht es auch. Neben Naturwissenschaften gibt es tatsächlich auch noch andere Gedanken in der Welt und nirgendwo ist festgeschrieben, dass man die Welt allein naturwissenschaftlich betrachten darf und sich allein eines naturwissenschaftlichen Registers bedienen darf.

    Da ist es gut, wenn Sprache und Kommunikation einen Anteil an Schule haben, und offenbar auch nötig, dass u.a. religiöse Texte aufgegriffen werden, um genau diese Unterschiede zu erläutern und den Inhalt des Textes verständlicher werden zu lassen.

    Gleichzeitig braucht es in den Naturwissenschaften auch einen Anteil an Sprache und Kommunikation, von dem du selbst schon häufiger geschrieben hast, wie wichtig er dir ist.

    Ich weiss es nicht? Wieso wird die Frage denn im Lehrplan explizit aufgeworfen?

    Hatte ich oben schon beantwortet, das Thema eignet sich besonders gut, sich exemplarisch mit scheinbaren und tatsächlichen Widersprüchen auseinanderzusetzen.

    Und ja, ich kenne und kannte auch Menschen, die daran glauben, kann das aber religiös einordnen. Zum Einfluss Evangelikaler hatte ich auch schon etwas geschrieben.

    Warum beschäftigt man sich in Religion mit dem Thema „Schöpfung“?

    Warum beschäftigt man sich in Biologie mit dem Thema „Evolution“?

    Wir kauen aber wirklich nicht jeden Hirnpfurz mal durch, der in den letzten paar Jahrhunderten so entstanden ist, ich halte mich dann schon mehrheitlich an das, was dem aktuellen Kenntnisstand entspricht.

    Dann gehört wohl „Evolution“ zu den Hirnpfürzen (deine Wortwahl), die man in Biologie beachten muss, in den Curricula deutscher Bundesländer sind verschiedene Theorien angegeben. Auch hier wird es ein Beispiel für historische Entwicklung und Widersprüchen und der Auseinandersetzung damit sein. Dazu gehört in Deutschland die Auseinandersetzung mit ethischen und religiösen Aspekten im Biologieunterricht.

    Und dass Leute, die hier schreiben und selbst Religion unterrichten oder unterrichtet haben, offensichtlich nicht wissen, was in diesen Lehrplänen drinsteht.

    Mir reichen ganz unabhängig vom Fach die Lehrpläne meines Bundeslandes meistens aus, da sind wir mit unendlich vielen Seiten gesegnet (in Deutsch etwa 300 Seiten Vorgaben), allerdings gibt es BL die sehr viel konkreter formulieren, was gemeint ist, da lohnt manchmal ein Blick.

    Mein Beitrag, den du da zitierst, zielt darauf ab, dass im Lehrplan für katholische Religionslehre, BL Baden-Württemberg, suggeriert wird, die Evolutionstheorie "scheine" der Schöpfungstheorie zu widersprechen und die (Natur)Wissenschaften behaupten "vermeintlich" alles erklären zu können.

    An der Stelle gehst du mit einem naturwissenschaftlichen Sprachverständnis und Vorurteilen an die betreffende Stelle heran.

    Gesagt war:

    "Warum glauben Menschen noch an die Bibel, wenn die Evolutionstheorie einer Weltschöpfung in sieben Tagen zu widersprechen scheint?"

    Diskutiert wird an der Stelle nicht die Evolutionstheorie als solche, die man widerlegen wollen würde, diskutiert wird, ob es einen Widerspruch zwischen der Theorie und den Texten gibt, was je nach Auslegung der Texte unterschiedliche Bewertungen bringt. Kreationisten sehen einen klaren Widerspruch, andere Christen lesen oder deuten die zwei (!) Schöpfungsberichte anders und versuchen auch nicht, die beiden Berichte als einen darzustellen (evangelikale Strömungen), sondern befassen sich mit den Unterschieden, den Gründen, den Gemeinsamkeiten, der Deutung der beiden Berichte.

    Wie sonst auch gibt es eine exemplarische Themenwahl, hier geht es um Widersprüche innerhalb der Bibel und zu heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und den Umgang von Christen mit diesen.

    Steht in irgendeinem Lehrplan der drei Naturwissenschaften drin, man gebe sich selbst den Auftrag die Schöpfungsgeschichte zu widerlegen? Oder sich überhaupt zum Thema Religionen äussern zu wollen?

    In dem Moment, in dem man sich im Unterricht mit Evolution beschäftigt und Kreationimus mit einbezieht oder die Auseinandersetzung mit Darwin im historischen Kontext darlegt, beschäftigt man sich im Fach Biologie mit religiösen Aspekten. Das taucht in mehreren Bundesländern explizit in den Curricula auf,

    z.B. Hessen, S. 41 https://kultusministerium.hessen.de/sites/kultusmi…07/kcgo-bio.pdf

    Wie viel aus dem Neuen Testament wird als historische Wahrheit verstanden, wenn die Wundergeschichten und auch die Auferstehung religionswissenschaftlich (und theologisch?) nicht als Faktum angenommen werden?

    Es wird jeder Text hinsichtlich Entstehung, Textsorte etc. beurteilt.

    Dazu kann man davon ausgehen, dass es nahezu immer auch Bezüge auf ältere Texte gibt, die bekannt gewesen sind, manchmal ist gerade die Abweichung von früheren Texten bedeutend.

    Auch Texte, die nicht zum Kanon gehören, werden herangezogen, um Texte, Entstehung, Einflüsse besser einschätzen zu können.

    Bei Jesus-Worten gibt es eine Auseinandersetzung damit, welcher Teil als historisch gewertet werden kann und was später hinzu gekommen ist.

    Nach dem Möchtegern Didaktiker Herrn Krötz kann diese Generation der 70er Jahre ja dann noch schlechter rechnen als die heutigen Generationen. Was genau hat das jetzt eigentlich mit seiner Kritik an dem heutigen Grundschulunterrricht in Mathe zu tun?

    Na, die nicht rechnende Lehrergeneration, die im Unterricht nie gerechnet hat, kann jetzt die Inhalte nicht vermitteln,

    weil man von Klasse 3-13 und im Studium nur aufbewahrt wird und niemand Prüfungsleistungen einfordert.

    Und da wunderst du dich, dass hier von Übergriffigkeit und Indoktrination geschrieben wird?

    Nein, mich wundert das Ausmaß dessen, was öffentlich sichtbar und unwidersprochen geschieht. Das heißt nicht, dass ich das Geschehene in Frage stelle, sondern dass es mich trotz dessen, was ich weiß, erschreckt, dass offenbar viele zugeguckt haben und weiterhin zugucken, schweigen und decken.

    Meine Sozialisation ist in allen Bereichen eine komplett andere.

    Meinen sehr persönlichen Text habe ich hier wieder gelöscht.

    Übergriffige Menschen gab es, aber in meiner Beobachtung wurden sie sichtbar zur Rede gestellt und ich weiß auch davon, dass sie ihre Fehler öffentlich eingestanden haben und für ihr Verhalten Konsequenzen getragen haben.

    Ich bin kirchlich sozialisiert, es war immer möglich, zu fragen und zu sagen, was man wollte.

    Es war immer klar, dass es Menschen unterschiedlicher Konfession und Religion gibt und dass man sich mit ihnen austauschen kann, ohne es zu werten. Vielleicht ist es die Vielfalt, die es bewirkt. Vielleicht liegt es an vielen Glaubensflüchtlingen in der Region, vielleicht an gewählten Pastor:innen, die weit weniger Macht haben, weil man sie auch abwählen kann - das schafft Möglichkeiten, die auch praktiziert werden.

    Also ist man von ihnen weit weniger abhängig ... religiös gesehen auch nicht, weil viele Elemente, mit denen man Macht ausüben kann, fehlen.

    Den Ausschluss vom Abendmahl kenne ich nur historisch ... und selbst in der katholischen Kirche wird hier darüber diskutiert, ob man überhaupt jemanden ausschließen könne, und dem, der bittet, die Hostie nicht vorenthalten.

    Religionsunterricht war ohne Ausnahme von staatlich ausgebildeten Lehrkräften und konfessionelle Schulen gibt es hier so gut wie keine.

    Es gibt hier viele Menschen unterschiedlicher Konfession oder Religion, die sich miteinander treffen, die gegenseitig zu Gottesdiensten gehen, viele Menschen in konfessionsverbindenden Ehen oder Lebensgemeinschaften.

    Und ja, es gibt auch religiöse Gemeinschaften mit einengenden Regeln, mit Vorschriften, mit hoher sozialer Kontrolle. Viele Vorgehensweisen erscheinen aus der Gruppe heraus plausibel und "richtig", außenstehend nicht nachvollziehbar.

    Aber selbst in diesen Gruppen, die ich kennengelernt habe, ging es nicht einmal annähernd um Taten, wie du sie benennst.

    Die Chat-Unterhaltung wurde daraufhin als "beendet" markiert.

    Online-Moderation muss man eben auch lernen.

    So, wie ich es herauslese:

    Ihr lest nun munter 20 min in irgendwelchem Unterricht.

    Dafür lasst ihr anderes weg (keiner weiß, was es sein soll)

    oder verschiebt das bisherige Lesen einfach in die 20 min.

    Toller Plan.

    Schön bei den Lehrkräften abgeladen.

    Das wird bestimmt helfen.

    Die nächste Erhebung ist nicht nach Corona und wird zeigen, wie toll nun alles ist (einschl. Vera, IQB etc.).

    Am Anfang des Religionsunterrichtes ist es vermutlich standard.

    Ich bin überrascht bis entsetzt, was ihr im RU erlebt habt. Das hätte ich mir nicht einmal vorstellen können.

    Da ist es auch kein Wunder, wenn sich daraus Ablehnung entwickelt.

    Hier ist es üblich, dass Lehrkräfte RU erteilen, Pastor:innen sind eine Ausnahme.

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mal jemand im RU gebetet hätte, aber so wie Tom123 sagt, ist "das Gebet" ein Thema. Und es gibt Lehrkräfte, die den Unterricht auch mit Ritualen oder religiösen Elementen gestalten, Kerze anzünden, gute Wünsche sprechen, ein Gebet vorlesen (das ist für mich etwas anderes als beten).

    Aber wird im Religionsunterricht auch die Existenz Gottes hinterfragt? Ergebnisoffen?

    Warum denn nicht? Das Themenfeld in NDS heißt "nach Gott fragen". Wie unsinnig wäre es denn, das zuerst zu hinterfragen und dann zu sagen: "Ihr müsst es aber so und so glauben."?

    Bis heute hin hat in nem konfessionellen Reliunterricht - bis auf Ausnahmen - kein*e Andersgäubige*r war zu suchen. Auch nicht an ner staatlichen Schule.

    Was wären die Ausnahmen?

    Bei uns nimmt nahezu jedes Kind teil, auch wenn die Eltern ihre Kinder abmelden können. Es gibt in jeder Klasse Kinder anderer Religionen oder Kinder ohne Religion, Kinder, die zu einer Religion gehören, aber darüber nichts wissen, und Kinder, die ihre Religion darstellen können.

    Und selbst wenn alle Kinder einer Konfession angehören würden, sind andere Konfessionen wie auch Religionen Thema im RU.

    sondern auch gleich die "verlässliche Grundschule", also die Nachmittagsbetreuung, um so viel Unterricht in Mathe und Deutsch wie nur irgendwie möglich in die Stundenpläne reinzubekommen.

    Das bekomme ich nicht zusammen.

    Die „verlässliche Grundschule“ ist bei uns ein freiwilliges Angebot am Mittag für ca. 1 Stunde, während der die Kinder durch pädagogische Mitarbeiter:innen (z.B. Mütter), die nur dafür eingestellt werden, beaufsichtigt sind.

    Wenn man diese Stunde und Stellen streicht, haben die Kinder in der Zeit trotzdem keinen Unterricht. Die Verlässlichkeit umfasst 5 Zeitstunden, davon eine durch die Betreuungszeit am Mittag, der Rest ergibt sich aus 4 Stunden Unterricht und eine Menge Pausenaufsichten.

    Aber man könnte den pädagogischen Mitarbeiter:innen am Vormittag weitere Stunden anbieten, damit sie zur Unterstützung mit in den Unterricht gehen können.

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