Und da wunderst du dich, dass hier von Übergriffigkeit und Indoktrination geschrieben wird?
Nein, mich wundert das Ausmaß dessen, was öffentlich sichtbar und unwidersprochen geschieht. Das heißt nicht, dass ich das Geschehene in Frage stelle, sondern dass es mich trotz dessen, was ich weiß, erschreckt, dass offenbar viele zugeguckt haben und weiterhin zugucken, schweigen und decken.
Meine Sozialisation ist in allen Bereichen eine komplett andere.
Meinen sehr persönlichen Text habe ich hier wieder gelöscht.
Übergriffige Menschen gab es, aber in meiner Beobachtung wurden sie sichtbar zur Rede gestellt und ich weiß auch davon, dass sie ihre Fehler öffentlich eingestanden haben und für ihr Verhalten Konsequenzen getragen haben.
Ich bin kirchlich sozialisiert, es war immer möglich, zu fragen und zu sagen, was man wollte.
Es war immer klar, dass es Menschen unterschiedlicher Konfession und Religion gibt und dass man sich mit ihnen austauschen kann, ohne es zu werten. Vielleicht ist es die Vielfalt, die es bewirkt. Vielleicht liegt es an vielen Glaubensflüchtlingen in der Region, vielleicht an gewählten Pastor:innen, die weit weniger Macht haben, weil man sie auch abwählen kann - das schafft Möglichkeiten, die auch praktiziert werden.
Also ist man von ihnen weit weniger abhängig ... religiös gesehen auch nicht, weil viele Elemente, mit denen man Macht ausüben kann, fehlen.
Den Ausschluss vom Abendmahl kenne ich nur historisch ... und selbst in der katholischen Kirche wird hier darüber diskutiert, ob man überhaupt jemanden ausschließen könne, und dem, der bittet, die Hostie nicht vorenthalten.
Religionsunterricht war ohne Ausnahme von staatlich ausgebildeten Lehrkräften und konfessionelle Schulen gibt es hier so gut wie keine.
Es gibt hier viele Menschen unterschiedlicher Konfession oder Religion, die sich miteinander treffen, die gegenseitig zu Gottesdiensten gehen, viele Menschen in konfessionsverbindenden Ehen oder Lebensgemeinschaften.
Und ja, es gibt auch religiöse Gemeinschaften mit einengenden Regeln, mit Vorschriften, mit hoher sozialer Kontrolle. Viele Vorgehensweisen erscheinen aus der Gruppe heraus plausibel und "richtig", außenstehend nicht nachvollziehbar.
Aber selbst in diesen Gruppen, die ich kennengelernt habe, ging es nicht einmal annähernd um Taten, wie du sie benennst.