Beiträge von Palim

    Meiner Erfahrung nach ist es extrem schwierig und langwierig, die Diagnose AVWS überhaupt zu erhalten.

    Auch verstehe ich nicht, warum das eine das andere ausschließen soll, warum sollte es da keine Schnittmenge geben? Wer im Sehen beeinträchtigt ist, kann dies auch beim Gehen/Hören oder Sprechen sein. Da schließt man es doch auch nicht aus. (Du bekommst keine Brille, du hast ja ein Hörgerät.)

    Wo kommt das plötzlich her?

    Oder ist es doch einfach nur mangelnde Erziehung und zu viel Geschiss um Befindlichkeiten?

    Es gibt ja Studien dazu, dass mehr Kinder Sprachschwierigkeiten haben und Logopädie benötigen als früher. Das deckt sich damit, dass Anforderungen, die früher mit 6 Jahren üblich waren, inzwischen gesenkt wurden (Logopädie).

    Bei anderen medizinisch begründeten Schwierigkeiten sehe ich nicht, warum das mangelnde Erziehung oder "Geschiss um Befindlichkeiten" sein soll. Nicht, wenn das Kind eine Sehstörung hat, nicht, wenn das Kind Probleme beim Hören/ in der Hörverarbeitung hat, nicht, wenn das Kind geistig beeinträchtigt ist.

    Das tritt auch nicht plötzlich auf, im letzten Jahrgang hatte ich auch viele Kinder mit unterschiedlichen Diagnosen und damit mit Beinträchtigungen, die den Alltag erheblich beeinflussen.

    Durch die Umsetzung der Inklusion wird man selbst aufmerksamer und ist besser geschult, bei einigen Kindern, die ich vor vielen Jahren im Unterricht hatte, würde ich heute anders vorgehen und die Möglichkeiten sind auch andere geworden. Das braucht aber dennoch viel Zeit und Kraft, die zusätzlich aufzuwenden ist.

    Ich bin nicht sicher, ob es dadurch zur Individualisierung kommt, aber die Auffälligkeiten beziehen sich ja nicht allein auf Kinder mit Diagnosen. Auch habe ich in dieser Klasse mehrere Eltern, die gerade nicht mit der Diagnose kommen, sondern auf normale Beschulung bestehen, bis die Schwierigkeiten so massiv sind - und die ärztlichen Untersuchungen deutliche Anzeichen geben, dass das Kind stark benachteiligt ist.

    Davon abgesehen gibt es zunehmend Eltern (hm, auch andere an Schule irgendwie Beteiligte), die auch nicht "gruppenfähig" sind, die nicht verstehen, dass man während des Unterrichts nicht für Eltern-Beratungsgespräche zur Verfügung steht, dass ein Stundenplan nicht beliebig für einzelne Kinder verändert werden kann, die diskutieren, warum ein Kind eine Förderung erhält ("mein Kind hat nichts") oder anderes maßgeschneidert für ihr eigenes Kind einfordern ("mein Kind braucht xyz, bitte achten Sie täglich darauf").

    Ich empfinde es auch so, in meiner Klasse sind - finde ich - ganz normale Eltern, die Kinder sind sympathisch, eher noch Kind.

    Auch ich sehe es so, dass sie nicht lernen, in einer Gruppe zu agieren, trotz vielfacher Übung, vielen sozialen Lernen, Belohnungssystem, Rückmeldesystem …

    Mir geht es auch so, Quittengelee , dass ich denke, meine Register alle gezogen zu haben, aber zu wenig erreicht zu haben. Allerdings ist es beim Lernen ähnlich, es bleibt wenig hängen.

    Dazu kommt allerdings auch, dass viele Kinder besondere Bedürfnisse mitbringen, gar nicht unbedingt ADHS, aber fast jedes Kind hat irgendwo eine Baustelle.
    Die Mischung war früher anders und sicher habe ich früher auch weit weniger gesehen.

    Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht und wird an etwas erinnert, das gerade nicht mehr präsent war,

    manchmal macht man das alles schon und kann sich dann sagen: ich bin auf dem richtigen Weg und habe umgesetzt, was möglich ist. (Und nicht jedes BL schafft wie HH so viel Zeit für die GS, in der geübt werden kann, in anderen BL müssen die SuS mit weit weniger Unterrichtszeit auskommen - und die Lehrkräfte auch).

    In meiner jetzigen Klasse sind die Ergebnisse trotz der Umsetzung vieler Leseübungen bei vielen Kindern nur mittelmäßig oder unterdurchschnittlich. Zaubern … kann ich eben doch nicht. :weissnicht:

    Wir haben in diesem Durchgang den alten Stolperwörter-Lesetest genutzt, um die Ergebnisse des Tandem-Lesens zu evaluieren.

    In einer Phase konnte man deutlich sehen, dass nahezu alle Kinder den gleichen Aufschwung hatten, 2 schwache Kinder dagegen nicht. Auch Tandem,Esen ist kein Allheilmittel, hilft aber vielen Kindern deutlich.

    NDS erhöht die Unterrichtszeit im GS-Bereich, das schafft Platz für die Leseübungen.

    Input gibt es auch bei der Akademie für Leseförderung https://www.alf-hannover.de/materialien/grundschule

    Palim meinte wahrscheinlich, dass Religionslehrkräfte besser ausgebildet sind, um Ethik fachfremd zu unterrichten als es Sportlehrer sind.

    Ja, ich hatte zuvor schon geschrieben:

    Die Annahme, dass Ethik-Unterricht ohne einen Blick auf Religionen auskäme, ist falsch... war aber in meinem Kollegium schon verbreitet.

    In NDS wird das Fach Ethik (Werte und Normen) an den GS erst aufgebaut, es gibt so gut wie keine Lehrkräfte dafür (und auch keine Stundenzuweisungen), Schulen können sich für Schulversuche/ Erprobungsphasen bewerben, es kommt aber nicht jede Schule zum Zug.

    Aber es ging ja nicht um Fachkompetenzen, sondern um das Neutralitätsgebot

    Es ging doch im Ausgang darum, wie man Ethik unterrichtet und der/die TE ist Reli-Lehrkraft, bringt also einiges mit.

    Ich habe keine Ahnung, wie Ethikunterricht in der GS funktioniert. Leider kann ich auch nicht hospitieren, weil der ganze Ethik- Unterricht in den anderen Klassen parallel mit meinem unterrichtet wird. Dazu kommt noch, dass ich eigentlich Reli-Lehrkraft bin.

    Wir haben viele Jahre den Lehrkräftemangel mit verschiedenen Kräften aufgefangen. Lehrkräfte, die aus anderen Schulformen kamen, musste man nicht das Fach an sich erklären, wohl aber spezifische Aspekte der Grundschule.
    Fachfremden muss man das Fach erklären, das finde ich in Reli sehr schwierig.
    Es gibt weiterhin die Vorstellung von „Kindergottesdienst“ oder „Bibelgeschichten hören und Bilder ausmalen“.

    Es scheint mir auch ein Unterschied zu sein, ob man als Christ auch mal eher folkloristisch die Feiertage und Grundregeln anderer Religionen anschaut oder ob man Religionen aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich betrachtet und vergleicht. Nicht dass eine Ethik-Lehrkraft keiner Religion angehören dürfte, aber das Grundverständnis ist doch ein anderes als bei einer Religionslehrkraft oder nicht?

    Die Religionslehrkraft hat sich wissenschaftlich mit Religion beschäftigt, andere haben das nicht.

    Ich kenne einige, die wegen ihres tiefen Glaubens das Theologie-Studium abgebrochen haben, gerade weil sie sich nicht auf diese Weise mit Religion beschäftigen wollten.

    Soweit ich weiß, werde ich als Politiklehrerin nicht von einer Partei entsendet und es steht keine Partei auf dem Namen meines Faches!!

    Die Religionslehrkraft hat aber allein für den Reli-Unterricht gesagt, dass sie diesen Unterricht im Sinne der Konfession (ev/kath) unterrichten wird. Es wird weder erwartet, dass man eine bestimmte Richtung innerhalb dieser Konfessionen vertritt, noch dass man eine religiöse Position in allen Fächern einnimmt.

    Hinzu kommt, dass das Curriculum ja eine kritische Auseinandersetzung mit den Positionen einfordert und nicht eine alleinige Lehrmeinung vertritt. Zudem wird nicht die Glaubenszugehörigkeit bewertet, sondern es gibt, wie in jedem Fach, Kriterien und Kompetenzen, die zur Bewertung herangezogen werden.

    Das Ersatzfach für Religionsunterricht ist aber für die Schüler, die eine Unterrichtung in Religion ablehnen. Diesen dann durch Lehrkräfte zu erteilen, die als Fakultas Religion haben und denen man daher unterstellt, auch das Ersatzfach unterrichten zu können, untergräbt den Schutzanspruch, den der Ersatzunterricht haben sollte.

    Muss dann auch jede Politik-Lehrkraft die Parteizugehörigkeit aufgeben, weil man ihr sonst unterstellt, sie würde die Schüler:innen indoktrinieren?

    Die Frage kam tatsächlich in der FoBi die Woche,

    und es wurde klargestellt, dass Ethik (hier Werte und Normen) ein Schulfach ist, zu dem jede und jeder verpflichtet werden kann.

    Eine Ausnahme besteht: im gleichen Jahrgang darf man als Reli-Lehrkraft nicht auch Ethik unterrichten.

    Ich erwarte, dass sich Ethik-Lehrkräfte mit Religionen beschäftigt haben. Die Annahme, dass Ethik-Unterricht ohne einen Blick auf Religionen auskäme, ist falsch... war aber in meinem Kollegium schon verbreitet.

    Kann man das nur für den Religionsunterricht an und ausschalten?

    Wie neutral sind denn Lehrkräfte im Unterricht zu sexueller Bildung, beim Interpretieren von Deutschtexten, in Geschichte, Politik, Musik, Kunst, Sport?

    Müssen alle Lehrkräfte etwas an- und ausschalten, wenn sie vor eine Klasse treten?

    Wo nimmst du "mehr Neutralität" her? Wonach bemisst die sich? Du lässt halt dann den lieben Gott irgendwie weg, wenn du über das Lebensende sprichst?

    Ich habe überlegt, wie ich es ausdrücken soll, war aber auf dem Sprung. In beiden Unterrichtsfächer werden weitestgehend die gleiche Themen aufgegriffen. Da der RU konfessionsgebunden erteilt werden soll, werden da Schwerpunkte anders gesetzt. In der Praxis sage ich in dem einen Unterricht „in der ev. Kirche kann es so und so sein, und bei mir ist es so“, im anderen Unterricht sage ich „in der evangelische Kirche gibt es diese und diese Position“ … danach oder davor geht es in beiden Fächern in die Auseinandersetzung mit dem Thema und verschiedenen Ansichten, Vorgehensweisen, Ritualen, Meinungen, Positionen.

    Ich bin nicht sicher, ob es hier zu einer ehrliche Auseinandersetzung zu dem Inhalt kommen kann, da ja sämtliche Threads, in denen das Wort „Religion“ vorkommt, gerne von Areligiösen und Atheist:innen gekapert werden, um ihre Ablehnung darzulegen.

    Deine Unterstellung und Verknüpfung, Quittengelee , man würde sich in Reli auf den lieben Gott beziehen und in Ethik nicht, geht in genau diese Richtung der Unterstellung.

    Ich würde mich darüber austauschen, aber ich mache es nicht, wenn doch nur wieder Unterstellungen und Vorwürfe kommen.

    Ein Punkt für die, die wollen, dass Religion aus aller Leben verschwindet und Religion in der Gesellschaft nicht sichtbar sein soll.
    Mit Religionsfreiheit hat das nichts zu tun, eher mit Diskriminierung um der Religion Willen.

    Mir wäre viel mehr wichtig und wert, dass man mehr Verständnis für andere aufbringt, auch im Hinblick auf Religionen. Dazu muss ich die Religion oder die Ablehnung des anderen nicht annehmen oder beeinflussen. Ich kann einfach fragen und es mir erklären lassen.

    Ich verstehe übrigens nicht, warum es ein BEM-ähnliches Gespräch bei 25 oder 30 Tagen geben soll, wenn Kolleg:innen mit 30 Tagen ein Anrecht auf ein BEM haben.

    Ein fürsorgliches Gespräche, das zusätzlich gegeben sein soll, müsste doch dann schon bei 15 Tagen erfolgen. Das wäre dann aber auch nötig, wenn jemand mit Grippe/Corona länger ausfällt und würde häufiger angeboten werden müssen.

    Ethikunterricht ist kein abgespeckter Religionsunterricht

    Sagt auch keiner, aber Religionsunterricht hat eine Menge Ethik-Inhalte

    und die Ethik/ Werte-und-Normen-Curricula haben auch Anteile, sich mit Weltreligionen und religiösen Sichtweisen zu beschäftigen:

    Aus der Anhörfassung 2018 SekI Werte und Normen (NDS):

    "Die Schülerinnen und Schüler entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Weltreligio-nen und unterscheiden Deutungen von Religion. Zudem analysieren sie Zusammenhänge zwischen Re-ligion und angewandter Ethik und erörtern religionskritische Positionen."

    Aufgeführt sind dann auch der Vergleich von Weltreligionen und das Erläutern unterschiedlicher Orientierungsangebote von Religionen und Weltanschauungen.

    Die Schnittmenge der Fächer ist groß, deshalb kann man für Ethik/WuN zumindest in den Reli-Themen suchen, welche Materialien nutzbar sind (Weltreligionen, Konflikte, Lebenslauf/Lebensende...)

    Als Reli-Lehrkraft hat man also schon eine Menge Einsicht in die Themen und eine Ahnung von der Vermittlung, auch wenn sie im Ethik-Unterricht dann mit anderem Schwerpunkt/ mehr Neutralität erfolgt.

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