Ich bin mit 27 ins Ref und habe direkt im Anschluss mit 29 die feste Stelle angetreten. Nach dem Abi war ich erst ein Jahr Au Pair, habe dann noch mal ein Jahr im Ausland studiert und musste noch das Latinum nachholen. Die beiden Auslandsjahre möchte ich nicht missen und Latein wurde an meiner Schule halt nicht angeboten. Für mich persönlich war es sicher besser mit 27 und nicht mit 24 ins Ref zu gehen. Ich war mit 27 sicher deutlich gefestigter.
Bei uns im Seminar lag ich über dem Altersdurchschnitt würde ich mal sagen, allerdings hatten wir auch zwei Referendare, die fast 10 Jahre älter waren als ich. Die hatten beide promoviert und sich dann von Zeitvertrag zu Zeitvertrag an der Uni gehangelt und sind dann doch ins Ref gegangen, weil ihnen klar geworden ist, dass das mit der akademischen Karriere schwierig wird. Die eine war richtig gut und mega glücklich mit der Entscheidung an die Schule gegangen zu sein, sagte aber auch, sie hätte die Zeit an der Uni auch genossen. Der andere hatte massive Schwierigkeiten im Umgang mit Schüler*innen und fühlte sich als "zu gut" für den Schuldienst. Vor allem letzterer hatte Probleme mit den Fachleitern, was aber vermutlich nicht am Alter lag.
Ich hatte einen Mitreferendar, der erst 24 war, dem hat man das aber nicht angemerkt. Allerdings habe ich in den letzten 10 Jahren das Gefühl bekommen, dass die Referendare immer jünger werden und bei mindestens der Hälfte gedacht, dass ein oder zwei Jahre mehr an der Uni/im Ausland/im Job etc. sicher nicht von Nachteil wären.
Unser Hauptseminarleiter hat immer erzählt, dass 10 Jahre vor uns 27 noch als relativ jung für's Referendariat gewesen wäre, weil sich da die Leute allgemein mehr Zeit im Studium gelassen hätten (auch um mal über den Tellerrand zu schauen) und das er der Meinung war, das wäre auch besser gewesen.
Edit (da vergessen): In Elternzeit bin ich erst gegangen, als ich schon die Lebenszeitverbeamtung hatte und das war auch so geplant. Ich bin zwar vor der Lebenszeitverbeamtung schwanger geworden, aber halt nur kurz vorher, damit sich die Probezeit nicht um die Elternzeit verlängert. Dabei hätte ich ein schlechtes Gefühl gehabt. Ich wollte, dass das Kapitel "abgeschlossen" ist, bevor ich erst mal ein Jahr raus bin und danach als "Mutti, die eh bald wieder schwanger wird" abgestempelt werde (wurde ich auch).