Beiträge von Humblebee

    Gibt's in Deutschland kein Pendant zu unserer Berufsmatura? Wer kann denn an eine FOS/BOS gehen, wie lange dauert das und wozu berechtigt dieser Abschluss überhaupt?

    Wie Schmidt schon sagt, ist das Pendant zur "Berufsmatura" in Deutschland die "Fachhochschulreife". In Niedersachsen dauert die FOS ein oder zwei Jahre: Realschulabsolvent*innen können zunächst die FOS Klasse 11 besuchen und dann in die 12 gehen, um dort ihre FHR zu erwerben; die Klasse 12 der FOS kann man aber auch besuchen, wenn man bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hat. Die FHR erwirbt aber z. B. auch, wer das Berufliche Gymnasium (das bei uns 11.-13. Klasse umfasst und zum "klassischen" Abitur, also der Allgemeinen Hochschulreife, führt) nach der 12. Klasse mit entsprechenden Noten verlässt; solche Fälle haben wir immer mal wieder.

    Mit der Fachhochschulreife kann man dann an einer Fachhochschule oder im "passenden" Bereich an einer Uni studieren (wer beispielsweise die FOS mit dem Schwerpunkt "Wirtschaft" erfolgreich absolviert hat, kann auch nur einen wirtschaftlichen Uni-Studiengang besuchen).

    Mit der BOS kenne ich mich leider gar nicht aus, weil wir die an unserer Schule nicht haben, aber Infos dazu gibt es hier:

    https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/sch…e-bos-6475.html

    OT, aber ich hatte mal an einem freien Tag auf Wikipedia geschaut, was es alles für Ausbildungsberufe gibt und war überrascht ob der Vielfalt. Ich fand dabei sogar Ausbildungsberufe, bei denen ich immer dachte, dass es dafür gar keine Ausbildung gäbe (eben die von @samu genannte Fachkraft für Speiseeis, oder die Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft). Klar muss es erst einmal Betriebe geben, die in diesen Bereichen ausbilden, aber ich finde das voll spannend und würde mir wünschen, dass sich mehr Jugendliche auch trauen, einen solchen Beruf anzunehmen statt immer nur Bürokaufmann oder Erzieher (natürlich auch tolle Berufe, aber ihr wisst, was ich meine).

    Die "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft" (früher hieß dieser Ausblidungsberuf "Ver- und Entsorger/in - Fachrichtung Abfall") ist ja ein Beruf, der in früheren Zeiten als "Müllmann" oft von Ungelernten ausgeübt wurde. In der Verwandtschaft meines Lebensgefährten haben sogar zwei junge Männer in den letzten Jahren diesen Beruf erlernt (die Möglichkeit einen LKW-Führerschein zu machen, gab's noch obendrauf!). Da gibt es meines Wissens auch reichlich Ausbildungsplätze.

    Wie gesagt: als "Fachkraft für Speiseeis" kann man sich mittlerweile leider nicht mehr ausbilden lassen.

    (Edit: Hätte es die Fachkraft für Speiseeis vor 25 Jahren schon gegeben, ich weiß, was ich heute wäre!)

    Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen: die Ausbildung in diesem Beruf wurde per 01.08.2019 wieder eingestellt, habe ich mal gelesen (die gab es nur während einer fünfjährigen Testphase - ist wohl aufgrund einer zu geringen Zahl an zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätzen gescheitert; vorher war schon eine zweijährige Ausbildung zur/zum Speiseeishersteller*in auch nach einer Testphase eingestellt worden)!

    Ich sehe zu viele Schüler bei mir mit Abi und abgebrochenem Studium, die dann noch eine Ausbildung machen, zum Teil sogar ne Schulische.

    Wow! Solch einen Fall hatte ich noch nie! Wobei ich sagen muss, dass in unseren Berufsschulklassen im kaufmännischen Bereich i. d. R. größtenteils Haupt- und Realschulabsolvent*innen und z. T. Abiturient*innen oder SuS mit FHR sind (wir haben im Teilzeitbereich"nur" die Azubis aus dem Einzelhandel, Großhandel, Büromanagement, Industriekaufleute und Verwaltungsfachangestellte).

    Ich kombiniere da einfach: farblich zu den restlichen Klamotten (besonders dem Oberteil) passender MSN - daher habe ich nur welche in schwarz, weiß, blau und grau - als modische Komponente und dazu noch lustige Schriftzüge wie "Snutenpulli" oder "Schietvirusmaske" ;) !

    Ich kenne die Zahlen nicht aus dem Kopf, aber bei vielen meiner SuS ist das Abitur gefragt wie nie - sehr, sehr, sehr schwache Hauptschüler, die gerade so den Abschluss schaffen, lassen entgegen aller Beratung Ausbildungsverträge platzen um sich am Realschulabschluss zu versuchen, weil man damit ja vielleicht auch das Abi machen kann und Medizin studieren kann. Man kann zwar kaum richtig lesen und schreiben, aber egal, es MUSS das Abitur sein. Wir beraten uns da echt dumm und dämlich und können uns nicht erklären woher dieses Bild kommt, dass das Abitur der einzig angemessene Schulabschluss ist. V.a. auch in den Köpfen geflüchteter SuS. Das ist dermaßen in den Köpfen einzementiert, dass man in Deutschland das Abitur machen muss, komme was wolle, da hilft alle Beratung nichts und selbst ein Zeugnis voller 5er und 6er überzeugt nicht.

    Diesen Trend hin zum Abi und Studium sehe ich bei uns nicht unbedingt. Gerade bei den Fachoberschulabsolvent*innen ist mir aufgefallen, dass - im Gegensatz zu früher - mehr als die Hälfte mittlerweile nach ihrem Abschluss kein Studium sondern eine Ausbildung beginnen (kann natürlich sein, dass sie dann später doch noch ins Studium gehen, das weiß ich natürlich nicht). Das liegt aber auch daran, dass wir früher in der FOS12 ausnahmslose SuS mit einer abgeschlossenen Ausbildung (aus dem dualen System oder aus einer BFS, die nach 2 Jahren zu einem Berufsabschluss führt) sitzen hatten und heutzutage 80% der SuS über die Realschule und anschließend die FOS11 oder eine einjährige BFS in die FOS12 gelangen; diese SuS sind also heute nach Abschluss der FOS wesentlich jünger (heute schätzungsweise durchschnittlich 18-19, früher meist schon über 20).

    Auch aus den einjährigen BFS-Klassen gehen die meisten SuS anschließend in eine Ausbildung. Wenn ich da meine eigene Klasse so betrachte: von 20 SuS wollen drei wiederholen, weil sie den Abschluss nicht geschafft haben, neun haben bereits Ausbildungsverträge unterschrieben, einer sucht noch nach einem Ausbildungsplatz, einer geht in die FOS11, eine hat keine Lust mehr auf Schule o.ä. und will "arbeiten gehen", zwei machen ein FSJ und drei gehen in die Klasse 2 um dort ihren Realschulabschluss zu erwerben (allerdings nur, weil sie sich dann bessere Chancen auf Ausbildungsplätze im Büro- und Industriebereich erhoffen bzw. eine Schülerin möchte sozialpädagogische Assistentin werden, wofür sie auch den RSA benötigt).

    Ich stimme Hannelotti aber zu bzgl. des Wunsches vieler "Flüchtlingsschüler*innen": dort habe ich auch oft gehört, dass sie studieren möchten (gerne Medizin), aber diesen Zahn haben wir den meisten schon nach wenigen Monaten ziehen müssen.

    Ganz genauso war es bei mir hier in Niedersachsen auch! Die "normalen" Impfungen gegen Tetanus und Co. habe ich letztes Jahr auffrischen lassen und sie wurden anstandslos von der Beihilfe übernommen. Gegen Hepatitis A habe ich mich 2008 vor einer Klassenfahrt nach Tschechien impfen lassen, als es im Großraum Prag einen Ausbruch dieser Infektionskrankheit gab; auch das wurde damals von der Beihilfe erstattet.

    Ich denke auch nicht, dass berufliche Schulen so schnell geschlossen bzw. zusammengelegt werden. Hier in der Gegend ist es zumindest so, dass es pro Landkreis nur ein bis zwei BBSn gibt (wenn es zwei gibt, sind diese meist "spezialisiert" auf einen Bereich, meist eine BBS für kaufmännische Berufe und eine für gewerblich-technische o. ä.). An der BBS, wo ich unterrichte, sind die Schülerzahlen in den 17 Jahren, die ich mittlerweile dort bin - trotz rückläufiger Geburtenrate - weitgehend stabil geblieben. Es gab und gibt allerdings "Verschiebungen" in den einzelnen Schulformen und Berufsfeldern, wodurch z. B. einige Ausbildungsberufe mittlerweile bei uns nicht mehr unterrichtet werden (z. B. Automobilkauffrau/-kaufmann, da es einfach in der Gegend zu wenige Azubis in dem Bereich gab), andererseits aber neue Ausbildungberufe und Schulformen hinzukamen, z. B. unterschiedliche Schwerpunkte im Beruflichen Gymnasium (dort haben wir mittlerweile drei Schwerpunkte, nachdem wir damals mit nur einem - dem Schwerpunkt "Wirtschaft" - gestartet sind). Andere Ausbildungsberufe wurden modernisiert und Schulformen neu strukturiert. Das wird auch in Zukunft so sein. Gerade in kommenden Schuljahr werden wir in einigen Bereichen weniger Azubis haben, weil viele Betriebe aufgrund der "Corona-Krise" nicht ausbilden möchten. Nichstdestotrotz wird unsere Schule deswegen nicht geschlossen oder angestellte KuK entlassen werden.

    Lange Rede, kurzer Sinn: ich glaube nicht, dass du dir als angestellter BBS-Lehrer Sorgen machen musst, dass du irgendwann von Arbeitslosigkeit betroffen sein wirst!

    Das mit dem Korrekturschlüssel (der "Musterlösung") sehe ich übrigens auch so wie @Wollsocken80 ! Wenn es einen gibt (und davon ist auszugehen), muss er doch sowohl dir als auch dem Erstkorrigierenden vorliegen und das "Muster" sein, an dem ihr euch beide orientiert. Da wäre m. E. nicht mehr viel Spielraum für Diskussionen.

    Natürlich tausche ich mich als Zweit- auch mit dem Erstkorrigierenden aus und es gab auch schon mal leichte Abweichungen (mal hätte ich einen Punkt mehr, mal einen weniger gegeben), aber wir konnten uns im Endeffekt immer schnell auf eine Note verständigen.

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