Beiträge von Kris24

    Das mag heute so sein, früher war es nicht so. Ich habe neulich von einer Freundin erfahren, dass sie noch nie ein Referat geschrieben und gehalten hat, während ihr Kind das jetzt für die Schule erledigen sollte (ohne Anleitung, ohne Hinweise). Das hat mich verwundert, selbst in der Grundschule gibt es inzwischen Ansätze in dieser Richtung, aber zu meiner Schulzeit war es wirklich selten. Es gab in mehreren Fächern an der Uni Pflichtseminare zur Einführung und die Vorgaben für die Arbeiten wichen oft voneinander ab.

    Ich habe mein erstes Referat über Finnland in Klasse 3 oder 4 gehalten (also 1976/ 1977). (Jede(r) erhielt damals ein Merianbuch über ein Land). Auch anschließend gab es immer wieder Referate (auf richtiges zitieren wurde allerdings weniger Wert gelegt, es reichte das Buch anzugeben).

    Naja, immer solche Extreme... im vorigen Post schreibst du, dass du nicht in der Lage wärst, Physik Klasse 8 zu unterrichten. Natürlich könnte man das. Das würde ich auch machen, wenn ich müsste, ich muss mit meinen Kindern manches Mal was gemeinsam anschauen, was in der Schule nicht bearbeitet oder nicht verstanden wurde. Ich denke, gerade wer besonders auf seine Fachkenntnisse schwört, sollte nicht durchschimmern lassen, dass Oberstufe Gymnasium schon ein unbewältigbares Niveau ist. Also es geht Aber die Qualität wird nicht dieselbe sein, zumindest hoffe ich das doch, ich halte prinzipiell einiges vom System der beiden Staatsexamina.

    Es war sogar in Physik Klasse 6 in NRW Gesamtschule (und gleich in einer meiner ersten Schülerversuchstunden hatten wir einen gewaltigen Kurzschluss, weil ich nicht entsprechende Vorsichtsmaßnahmen bei Schülerversuchen eingebaut hatte, ich hatte einfache Schaltungen in Stromkreisen von 8 Schülergruppen völlig unterschätzt (und weil damals an einer neu gegründeten Schule eine "selbst gebastelte" (nicht von mir, sondern vom Schulträger) zentrale Stromversorgung bestand, der hatte anscheinend auch nicht damit gerechnet). Wir hatten viel Glück, ich erklärte meinen Schülerinnen und Schülern irgendwie Kurzschluss und gestand dem einzigen Physikkollegen (deshalb durfte ich in meiner Klasse ran) nach der Stunde, dass ich einige Kabel zusammen geschmort habe. Die waren wirklich nicht mehr zu retten. (Immerhin gestand er, dass ihm das auch schon passiert sei (diese nicht gesicherte "Autobatterie" war wirklich brandgefährlich. Heute bin ich entsetzt (und hätte vermutlich berechtigterweise Probleme mit einigen Eltern).) An einer späteren Schule war mein allererster Auftritt (noch vor der ersten Unterrichtsstunde an dieser Schule) nach einem Umbau, dem Schulträger den Unterschied zwischen Erdgas- und Propangasbrennern zu erklären, Schulträger machen manchmal erschreckende Fehler, die eine Fachlehrkraft durchschauen muss (unterschiedliche Düsendurchmesser und damit als Folge eine Art Flammenwerfer waren ihm nicht bekannt).

    Ich habe übrigens einmal eine Matheklasse zu Beginn von Klasse 6 von einem Bio- und Chemiekollegen übernommen, die SL hat mich gleich zu Beginn gewarnt. Nein, nicht jeder kann Mathe in Klasse 5 unterrichten, er wusste nichts vom Spiralprinzip in späteren Jahren (seine Erklärungen waren teilweise nicht ausbaufähig) und seine Arbeiten waren viel zu einfach (typisches Merkmal bei fachfremden Kolleginnen und Kollegen, meine waren fachfremd auch viel zu einfach). Die SL versprach hinter mir zu stehen, die Durchschnittsnote ging um 2 komplette Noten herunter. (Allerdings erhielt ich persönlich keinen Vorwurf, sondern ein einzelnes danke einer Mutter, den Eltern war anscheinend klar, dass die Noten davor nicht der Wahrheit entsprachen.)

    Ich könnte aus 30 Jahren und 3 Schulen noch mehr Anekdoten erzählen, es geht notfalls mit viel Zeitaufwand des Kollegen und schlechtem Unterricht für die Schülerinnen und Schüler. Ich selbst habe noch kein gutes Erlebnis erlebt. Ich habe sogar den Satz von einer SL gehört, dass besser der Unterricht zeitweise ausfällt als jemand fachfremd unterrichten zu lassen. Ich stehe daher gewissen Maßnahmen einiger Bundesländer sehr skeptisch gegenüber.

    Du solltest dich an den Lehrplan halten ;)
    https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/M

    Tue ich, ich lese nichts anderes, als was ich vorher geschrieben habe. Allerdings sind Anwendungsaufgaben und Transfer erlaubt (von Kreisfläche bzw. Umfang auf Zylinder und zusammen gesetzte Körper, nicht nur Figuren in kl. 5 bzw. 6).

    Ich würge allerdings keine guten Fragen ab, wenn irgendwie Zeit ist, sondern versuche sie sinnvoll einzubinden (ohne für später Probleme zu bereiten). Ich spreche Pythagoras von mir aus nicht an, das kommt von Schülerinnen und Schüler, dann ist es mir wichtig, zu zeigen, dass dies nicht für alle Dreiecke gilt (bevor es sich falsch festsetzt (lässt sich gut mit geometrischen Beweisen auch in der Unterstufe zeigen).

    Der Rest deines Kommentars wurde später ergänzt. Nein, so unterirdisch ist es nicht, wir bereiten unsere schwachen Schülerinnen und Schüler auf die externe Prüfung vor, aber sie lassen sich vermutlich mit Allgemeinwissen wie du und Palim behauptet von einem studierten erlernen. Euer Schwerpunkt liegt anders.

    Aber ich wehre mich deutlich gegen euren Vorwurf, wir seien nur zu unflexibel (und verwöhnt) sich in andere Fächer einzuarbeiten. Kaum jemand lernt eine Fremdsprache in wenigen Wochen nebenbei, ich traue mir noch nicht einmal Physik, Biologie oder Informatik auf Oberstufenniveau zu, obwohl ich in diesen Bereichen (Diplom)Kurse an der Uni besucht habe. Das hat nichts mit Unflexibelität zu tun, ich weiß, wieviel mehr es über mein Wissen noch gibt (und weiß, dass ich immer ein paar kluge und über das Lehrbuch hinaus interessierte Schülerinnen und Schüler habe, die nachfragen).

    Zusammengesetzte Körpervolumina aus Pyramiden und Zylindern, sowie Pythagoras in Klasse 5 bis 7? Respekt. Du bist eurem Lehrplan voraus ;)

    Zylinder Kl. 6 (Kreisfläche und Umfang ist Thema in Klasse 6, Zylinder (Oberfläche, Mantelfläche und Volumen wird dann gemeinsam überlegt und berechnet, übrigens alles ohne TR (wird erst Ende Klasse 6 bei uns eingeführt) mit Pi (am Handy fehlt mir das Zeichen) 3,14 (dann wird gleich Bruchrechnung angewandt), zusammengesetzte Körper sind auch von Anfang an Thema. Pyramide und Kugel wird offiziell erst später eingeführt, aber ich hatte auch schon interessierte Klassen, die es in 5 (Pyramide) bzw. 6 (Kugel, manche fragen direkt, ob es genauso wie bei der Pyramide funktioniert, sie erinnern sich also noch) wissen wollten (dann gehe ich nicht auf den Beweis ein, der kommt natürlich erst später, es werden halt entsprechende Hohlkörper mit Wasser gefüllt und nachgemessen, Formeln werden ab Klasse 5 z. B. beim Dreieck eingeführt).

    Pythagoras habe ich vorher tatsächlich übersehen, ich las mit Interesse die Aufgaben zu Prozent und Bruch (und bezog mich vor allem darauf). Er kommt mit (mehreren) Beweisen und Herleitung vom Höhensatz usw. tatsächlich später (die meisten Beweise und Herleitungen wären in der Unterstufe zu früh, aber fast jeder Schüler knallt dir beim Wort Pythagoras die Formel entgegen (und manche wissen sogar, dass es nur für rechtwinklige Dreiecke gilt ^^). (Ich bin kein Fan von diesem Halbwissen, aber das lässt sich nicht abstellen. )

    Ich übe oft mit den BW Abituraufgaben in Mathe, also so beeindruckend sind die auch nicht. 😏

    Chemie gebe ich dir aber natürlich Recht, Physik und Chemie haben durch den experimentelle Charakter eine große Hürde. Mathe traue ich umgekehrt studierten Physiklehrern aber problemlos zu.

    Ich verwende auch regelmäßig Abiaufgaben anderer Bundesländer in meinen LKs. Du hast Mathe studiert und solltest natürlich auch die Abiaufgaben in deinen Fächern lösen können, aber auch die in allen anderen? (Übrigens hatten unsere Schülerinnen und Schüler bis vor kurzem alle 4 Stunden Mathe in der Kursstufe, Trennung in Basis- und Leistungskurs gibt es nach langer Pause erst wieder seit kurzem). Wenn du also etwas ältere Aufgaben verwendet hast, waren es keine Leistungskursaufgaben?

    (Zu meiner Zeit saßen Physiklehrerstudenten im ersten Jahr im regulären Mathediplomstudium. Analysis I und II hatten sie also, Wahrscheinlichkeit nicht. Bei linearer Algebra weiß ich es nicht mehr genau, irgendwo saßen sie auch noch bei uns. Studienkurse speziell für Lehramtler gab es damals bei uns nicht.)

    Aber das Abiturniveau ist natürlich "total krass" am Gymnasium 🤣🤣🤣🤣🤣

    NRW oder Baden-Württemberg? ;) (Ich kenne allerdings NRW nur um die Jahrtausendwende.)

    Nein, habe ich auch nicht behauptet, war auch nicht Thema. Aber kannst du ab nächster Woche erfolgreich euren Chemie-LK inkl. Versuche übernehmen?

    (Die Aufgaben in beiden Links werden tatsächlich bei uns von Siebtklässlern erwartet, bei euch nicht?)

    Nachtrag:
    Falls du dich über den Anspruch der Werkrealschule BaWü informieren willst, kannst du versuchen, diesen Teil der Hauptschulabschlussprüfung (Klasse 9) aus dem Jahr 2005 zu lösen:
    https://web.archive.org/web/2018021823…s09_2005w_A.pdf

    oder diese Aufgaben für die HSAP in Schleswig-Holstein:
    https://web.archive.org/web/2017081415…_Mathematik.pdf

    Danke für das Verlinken.

    Allerdings ist das Niveau für Ende Klasse 9 aus Gymnasiallehrersicht sehr niedrig und ich verstehe, warum eine Kollegin immer die externe Prüfung empfiehlt, wenn unsere Schülerinnen und Schüler das 2. Mal in Klasse 9 sitzen bleiben und ohne Abschluss die Schule verlassen müssen.

    (Ernsthaft, alle Themen sind Stoff von Klasse 5 bis 7. Ähnliche Aufgaben stelle ich in Klassenarbeiten dieser Jahrgänge. Das heißt nicht, dass es alle können, ich habe in jeder Klassenarbeiten mehrere Fünfen und manchmal auch eine 6. Aber bisher konnten alle nach entsprechender Vorbereitung von meiner Kollegin (sie übernimmt es bei uns zentral) die externe Hauptschulabschlussprüfung in Klasse 9 erfolgreich abschließen und hatten wenigstens einen Abschluss, manche lehnen leider ab).

    Das kommt vielleicht jetzt arrogant rüber, ist nicht so gemeint. Wolfgang Autenrieth, du leistest sicher viel. Du musst ganz anders erklären, deine Schülerinnen und Schüler benötigen viel mehr Zeit (und du musst dir dadurch auch weniger Stoff aneignen und mehr Wert auf das wie legen). Nur sind wirklich Welten (an Fachwissen) dazwischen und das habe ich in diesem Thread wieder gemerkt. Der Stoff ab Klasse 8 am Gymnasium kann man einfach nicht nebenbei erwerben. Ich bin froh über meine Ausbildung (und erwarte mehr Fachwissen, bereite schließlich auf ein Studium in meinen Fächern vor, dass kann ich nicht in anderen Fächern, noch nicht einmal in Physik (trotz 2 Semester Physik für Chemiker (Physikniveau höher als Physik-LK) an der Uni) oder Bio (da noch am ehesten). Ich besuche manchmal bewusst mündliche Abiturprüfungen in diesen Fächern.

    Ich musste ja einmal NwT mit physikalischen und biologischen Themen unterrichten. Ich habe es anschließend erfolgreich meinem Schulleiter (Geographie, ?) erklärt. Ich habe ihn gefragt, ob er von einem Französischkollegen erwarte, dass er erfolgreich italienisch, spanisch oder rumänisch unterrichtet, es sind doch alles romanische Sprachen. (Eine Kollegin hat in einer ähnlichen Situation sogar Computersprachen ergänzt und romanisch weggelassen.) Nein das funktioniert nicht, selbst mit gutem Allgemeinwissen.

    (Das Land glaubt aber, dass höchstens wenige betroffen seien. Wir in Baden-Württemberg müssen also abwarten, immerhin wird es überprüft.)

    state_of_Trance, warum meinst du, dass Baden-Württemberg das Gerichtsurteil abwartet? Dann wird gezielt nur dort erhöht. (Haben wir bereits mehrfach erlebt z. B. bei der erhöhten Kostendämpfungpauschale, da werde ich noch Widerspruch einlegen.)

    Vielleicht kommt BW ja auch auf die Idee überhöhte Kinderzuschläge zu zahlen, statt die Besoldung generell anzupassen.

    Damit sind wir auch wieder beim Thema.

    Gibt es soviel ich weiß bereits, wenn auch nicht so extrem wie in NRW. Außerdem überlegt man A7 (?) zu streichen, der Rest ist bereits Geschichte. Irgendwann sind wir alle in A13. (Baden-Württemberg bleibt ja bei A12 für viele Kolleginnen und Kollegen. Das Sommerferien für mindestens halbjährliche (?) Vertretung bezahlt wird, ist auch neu.)

    Kurze Frage mal zur generellen thematischen Lage:

    Hat jemand mitbekommen, wie nun verfahren wird, um die amtsangemessene Alimentierung (Abstand Bürgergeld) sicherzustellen?

    In Baden-Württemberg muss kein Widerspruch mehr eingelegt werden, es gibt, falls das Gericht es verlangt, für alle mehr Geld.

    (Das Land glaubt aber, dass höchstens wenige betroffen seien. Wir in Baden-Württemberg müssen also abwarten, immerhin wird es überprüft.)

    Ist das gerade Satire? Das reichste Land Europas steht zuunterst auf der Liste. Ich glaube gerne, dass die Vermögensunterschiede in Rumänien kleiner sind als in der Schweiz. In Rumänien haben halt alle gleich wenig während in der Schweiz die Verkaufskraft bei der Migros mit 56k Jahresbrutto nach Hause geht. Ehrlich... Wandert doch nach Rumänien aus, da könnt ihr ganze Strassenzüge mit Häusern zubauen.

    Bist du bezüglich Migros sicher? Ich habe vor 35 Jahren dort gejobbt und gelernte Verkäufer hatten damals bereits 4200 SFR pro Monat (also über 50 000 im Jahr). Ich hätte gedacht, sie erhalten inzwischen mehr.

    Grenze ist lt. Internetseiten, die ich in den letzten Tagen las, tust du es bewusst, um dich zu bereichern bzw. Gewinn zu erschaffen? Was hast du beim klingeln der Nachbarn gedacht? Geld? Nachzuschauen? Für einen Handwerker gelten da tatsächlich strengere Regeln (las ich). Aber gelegentlich Hilfe (mit evtl. Aufwandentschädigung) ist erlaubt.

    Ich habe beim letzten Umzug (insgesamt 2 Tage) vom Finanzamt erfahren, dass ich jedem Helfer 100 Euro zusätzlich zum Essen geben und das bei der Steuererklärung absetzen darf. Das war noch Aufwandentschädigung. Das hat mich damals selbst überrascht (keine Ahnung, ob das noch gilt, wurde damals aber auch vom neuen Finanzamt akzeptiert, Tipp gab es noch vom alten). Und auch die Freunde mussten nichts dafür zahlen.

    Ich bin tatsächlich in dieser Hinsicht vorsichtig, aber der Tipp mit Gewinnabsicht ist nicht schlecht (und notfalls frage ich beim Finanzamt nach). Meine Mutter hat übrigens in meiner Jugend darauf bestanden, dass meine Geschwister und ich Steuererklärung machten (und half natürlich). Dank Freibetrag mussten wir natürlich nichts bezahlen. Und ich würde mein babysittendes Kind (oder Zeitung austragendes) auch anmelden. Heute gibt es sogar 520 Euro (damals leider nicht).

    Wie soll ich meinem Kind glaubhaft erklären, dass man nicht betrügt und sich an Gesetze hält, wenn ich selbst Ausnahmen mache?

    Palim, nein, das reicht nicht für guten (gymnasialen)Unterricht ab Klasse 8. (Ich schreibe gymnasial, weil ich es für andere Schultypen nicht beurteilen kann und ihr vehement anderes behauptet.)

    Ich musste bereits zweimal fachfremd unterrichten 1. Jahr Physik und NwT physikalische und biologische Themen und war mir deutlich den Mangel bewusst. In NwT gibt es viele Fortbildungen und auch Materialien, es reicht nur für Schmalspur.

    Mir fiel beim Lesen eurer Kommentare folgendes Erlebnis ein. Im Vorfeld des letzten Bildungsplans gab es eine Fortbildung mit Vorstellung der Themen (inzwischen hatten wir pro Fach mindestens 5 zu einzelnen Themen, über zu wenige kann ich mich nicht beklagen). Wir Chemiegymnasiallehrer äußerten uns alle gleich, interessante Themen in Sek. I, aber viel zu viel. Der Fortbildner lachte, Realschul- und Werkrealschulenkollegen hätten gemeint, es seien zu wenige. Auf unsere überraschte Nachfrage äußerte er sich, dass wir sehr unterschiedlich daran gingen. Nein, ein (einfaches) Abarbeiten vom Buch ist am Gymnasium nicht üblich. Um gut Physik oder (baden-württembergisches) NwT zu unterrichten, müsste ich das Fach mindestens 4 Jahre studieren.

    Ich habe vor über 20 Jahren einige Jahre an einer Gesamtschule in NRW unterrichtet. Auch dort war man gegen das Klassenlehrerprinzip, wir hatten ein Klassenteam. 5 Kolleginnen und Kollegen mit mindestens 10 Fächern unterrichteten gemeinsam 2 Parallelklassen. Das war damals der Kompromiss zwischen fachlichen und erzieherischen Bedürfnissen. Das geht vermutlich nicht an kleinen Schulen.

    Klar geht es um Tiere und Pflanzen. Nennt sich Evolutionsbiologie. Bei uns unterrichtet ein habilitierter Pflanzenphysiologe. Ich habe noch nie jemanden mit einer derartigen Begeisterung über die Vermehrung von Mosen referieren hören.

    Ich dachte vorher etwas anderes. Natürlich ist Evolution Thema.

    Ich meinte vorher (wie viele meiner jüngeren Schülerinnen und Schüler) Maikäfer, Hund, Rose usw. als Einzelthemen, also an Zoologie und Botanik). Sie sind völlig dann überrascht, dass chemische Formeln vorkommen.

    Im Bildungsplan Baden-Württemberg steht

    https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/BIO.V2

    Man muss jedoch keinen Anomala dubia von einem Anoxia villosa unterscheiden können, damit man fachgerecht Biologie nach Lehrplan unterrichten kann - auch nicht am Gymnasium.

    Übrigens geht es in der Oberstufe nicht mehr um Tiere oder Pflanzen (ich glaube, nicht mehr ab Klasse 9 oder bereits ab 7?), sondern z. B. um Biochemie und chemische Reaktionen. Ohne entsprechendes chemisches Hintergrundwissen der Kollegin werde ich von den Schülerinnen und Schüler gefragt, ob ich das erklären könnte, die Kollegin könne ja nichts (und meine Versuche seien sowieso viel besser). Ich finde das immer sehr unangenehm, ich erkläre zwar gerne, möchte aber nichts negatives über Kolleginnen und Kollegen hören und bin froh, wenn eine Kollegin nicht den LK Bio unterrichtet.

    Dein Wissen um das fachliche Niveau der Grund- und Werkrealschulen - und der dort arbeitenden Kollegen und Kolleginnen - in Baden-Württemberg scheint begrenzt zu sein. Es scheitern an den Pädagogischen Hochschulen zahlreiche Studenten bei den Prüfungen in Mathematik, weil sie genau deine Vorstellung vom Anspruch dieser Schularten besitzen.
    Ein guter Prozentsatz meiner Absolventen geht nach dem Werkrealschulabschluss über die ein- oder zweijährige Berufsfachschule ans Berufliche Gymnasium und danach ins Studium. Würden wir nur die Grundrechenarten vermitteln, hätten die Kollegen am Technischen / Kaufmännischen oder Hauswirtschaftlichen Gymnasium unlösbare Aufgaben zu leisten.

    Du hast doch behauptet, dass Didaktik, Pädagogik, Fachdidaktik usw. an der Uni studiert werden müssten, das Fachliche könnte man später sich selbst in Lehrwerken usw. anlesen. Ich habe versucht, deine Worte zu begreifen, stimmt es also nicht, was du geschrieben hast? Ich sehe es nämlich komplett anders. Zur Erinnerung, du schriebst

    Meiner Meinung nach muss man Pädagogik, Didaktik, Fachdidaktik und Psychologie und auch ein gewises Maß an Philosophie als Lehrer von der Pike auf studiert haben.
    Das fachliche Wissen kann man sich anlesen und hat dafür passende Lehr- und Fachbücher.

    Ich hatte in Chemiestudium Mitstudenten, die Mathe abgewählt haben (ging früher in manchen Bundesländern) und die natürlich auch im Studium scheiterten. Und manche unserer Abiturienten können so wenig Mathematik (1 Punkt im Abitur, 4 Unterkurse), die würden vermutlich auch scheitern. (Ich war mal Protokollant in einer mündlichen Abiturprüfung, der keinen Graph der einfachsten Funktion zeichnen konnte. Er fiel letztendlich durch.)

    Nein, das Fachliche muss (zumindest am Gymnasium) von Grundauf studiert werden. Schülerinnen und Schüler zerreißen Kolleginnen und Kollegen, die nur Lehrbuchwissen haben. Es gibt in jeder Klasse (ab Mittelstufe) regelmäßig Fragen auf deutlich höherem Niveau. Man kann durchaus mal sagen, das weiß ich nicht, ich lese nach, aber sicher nicht jede Stunde. Und ich habe genug Lästereien über unwissende Kolleginnen und Kollegen beendet (mag ich nicht hören, wir haben noch zwei Kolleginnen in anderen Fachbereichen (aus anderem Bundesland dank zwei Mitforisten hier, weiß ich jetzt warum), die fachlich angreifbar sind), ich habe genug Gedanken im Vorfeld eines Elternabends gemacht, damit Kollegin nicht von den Eltern fertig gemacht wird. Ihre "Lösung" war übrigens viel zu einfache Klassenarbeiten schreiben zu lassen. Dann stimmt der Schnitt und die meisten sind zufrieden. Die nächste Kollegin, der nächste Kollege hat das Problem (und ja, man merkt es noch Jahre später. (Zum Glück ist dies schulintern bekannt und wird von der SL berücksichtigt.)

    Hatte ich vom "Blättern in Fachzeitschriften" gesprochen? Wir haben Schulbücher, Lehrerhandbücher, Fortbildungen ... und müssen an der WRS die meisten Fächer "fachfremd", bzw. als "Universalgelehrte" unterrichten - weil man im Klassenlehrerprinzip möglichst viel auf eine Lehrperson bündelt.
    Man muss jedoch keinen Anomala dubia von einem Anoxia villosa unterscheiden können, damit man fachgerecht Biologie nach Lehrplan unterrichten kann - auch nicht am Gymnasium.

    Ich halte das übrigens für einen der Gründe, warum Schülerinnen und Schüler so wenig wissen (wollen). Wenn Lehrer und Lehrerin selbst nicht mehr wissen...

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