Dein Wissen um das fachliche Niveau der Grund- und Werkrealschulen - und der dort arbeitenden Kollegen und Kolleginnen - in Baden-Württemberg scheint begrenzt zu sein. Es scheitern an den Pädagogischen Hochschulen zahlreiche Studenten bei den Prüfungen in Mathematik, weil sie genau deine Vorstellung vom Anspruch dieser Schularten besitzen.
Ein guter Prozentsatz meiner Absolventen geht nach dem Werkrealschulabschluss über die ein- oder zweijährige Berufsfachschule ans Berufliche Gymnasium und danach ins Studium. Würden wir nur die Grundrechenarten vermitteln, hätten die Kollegen am Technischen / Kaufmännischen oder Hauswirtschaftlichen Gymnasium unlösbare Aufgaben zu leisten.
Du hast doch behauptet, dass Didaktik, Pädagogik, Fachdidaktik usw. an der Uni studiert werden müssten, das Fachliche könnte man später sich selbst in Lehrwerken usw. anlesen. Ich habe versucht, deine Worte zu begreifen, stimmt es also nicht, was du geschrieben hast? Ich sehe es nämlich komplett anders. Zur Erinnerung, du schriebst
Meiner Meinung nach muss man Pädagogik, Didaktik, Fachdidaktik und Psychologie und auch ein gewises Maß an Philosophie als Lehrer von der Pike auf studiert haben.
Das fachliche Wissen kann man sich anlesen und hat dafür passende Lehr- und Fachbücher.
Ich hatte in Chemiestudium Mitstudenten, die Mathe abgewählt haben (ging früher in manchen Bundesländern) und die natürlich auch im Studium scheiterten. Und manche unserer Abiturienten können so wenig Mathematik (1 Punkt im Abitur, 4 Unterkurse), die würden vermutlich auch scheitern. (Ich war mal Protokollant in einer mündlichen Abiturprüfung, der keinen Graph der einfachsten Funktion zeichnen konnte. Er fiel letztendlich durch.)
Nein, das Fachliche muss (zumindest am Gymnasium) von Grundauf studiert werden. Schülerinnen und Schüler zerreißen Kolleginnen und Kollegen, die nur Lehrbuchwissen haben. Es gibt in jeder Klasse (ab Mittelstufe) regelmäßig Fragen auf deutlich höherem Niveau. Man kann durchaus mal sagen, das weiß ich nicht, ich lese nach, aber sicher nicht jede Stunde. Und ich habe genug Lästereien über unwissende Kolleginnen und Kollegen beendet (mag ich nicht hören, wir haben noch zwei Kolleginnen in anderen Fachbereichen (aus anderem Bundesland dank zwei Mitforisten hier, weiß ich jetzt warum), die fachlich angreifbar sind), ich habe genug Gedanken im Vorfeld eines Elternabends gemacht, damit Kollegin nicht von den Eltern fertig gemacht wird. Ihre "Lösung" war übrigens viel zu einfache Klassenarbeiten schreiben zu lassen. Dann stimmt der Schnitt und die meisten sind zufrieden. Die nächste Kollegin, der nächste Kollege hat das Problem (und ja, man merkt es noch Jahre später. (Zum Glück ist dies schulintern bekannt und wird von der SL berücksichtigt.)
Hatte ich vom "Blättern in Fachzeitschriften" gesprochen? Wir haben Schulbücher, Lehrerhandbücher, Fortbildungen ... und müssen an der WRS die meisten Fächer "fachfremd", bzw. als "Universalgelehrte" unterrichten - weil man im Klassenlehrerprinzip möglichst viel auf eine Lehrperson bündelt.
Man muss jedoch keinen Anomala dubia von einem Anoxia villosa unterscheiden können, damit man fachgerecht Biologie nach Lehrplan unterrichten kann - auch nicht am Gymnasium.
Ich halte das übrigens für einen der Gründe, warum Schülerinnen und Schüler so wenig wissen (wollen). Wenn Lehrer und Lehrerin selbst nicht mehr wissen...