Und genau das ist das Problem, das wir heute noch viel großflächiger haben; und das mit Schülern, deren kultureller Hintergrund dem unseren noch viel ferner ist, als damals bei den Russland-Deutschen.
Ich habe an meiner Schule als Schüler in den 90ern fast nur positive Erfahrungen mit der Integration von Migranten gemacht (ich war an einer Schule auf dem Land - in Frankfurt sah dies sicher vielfach damals schon anders aus, aber es war zumindest in der Gesamtheit noch einigermaßen beherrschbar). Wir hatten Russland-Deutsche, wir hatten Türken, aber alles nur in geringer Anzahl. Diese konnten wunderbar integriert werden, lernten schnell die Sprache und wurden schnell zu Freunden.
Je höher aber die Anzahl dieser Personen, desto schlechter können sie integriert werden. Wie soll in Klassen mit 60%+ Migrantenanteil noch Integration funktionieren? Noch dazu, wenn nicht mal ausreichend wirklich ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen.
Ich unterrichtete dort Ende des letzten Jahrtausend (also auch in den 90er Jahren ). Die meisten Russlanddeutsche kamen erst nach der Wende, waren also nicht keine 5 Jahre hier, es gab damals sogar ein Zuzugsverbot für diese Personengruppe in dieser Region.
Ich wurde 1974 eingeschult, in meiner Klasse gab es sehr viele Gastarbeiterkinder (1973 wurde ihr Nachzug begrenzt), was dazu führte, dass alle schnell noch ihre Kinder nach Deutschland holten (ich erinnere mich an 2 Schwestern aus Italien, die mit ca. 10 Jahren, nicht deutsch sprechend in der 1. Klasse landeten). Meine Mutter hatte Mitleid und ermutigte mich, einige regelmäßig einzuladen, obwohl bei uns das Geld sehr knapp war.
Nein, das Problem besteht schon ewig, nach dem Krieg waren es die Flüchtlinge (meine Mutter hat es auch dem evangelischen Ostpreußen in den katholischen Schwarzwald verschlagen und das war für die einheimischen damals fremder als heute Russen oder Türken). Sie wurden massiv abgelehnt und blieben viele Jahre unter sich (nicht integriert). Meine Mutter erzählte mir vor ein paar Jahren lachend, wie sie von den einheimischen endlich akzeptiert wurde (es hat ca. 20 Jahre und viele Spenden für den Kirchenbasar (meine Mutter backt hervorragend, kocht sehr gute Marmelade und strickte viel). In ihrem Lachen klang aber auch etwas Bitterkeit durch. Wir sprachen lange darüber. Auch mir wurde noch erzählt, dass ich evangelische Landeskirche einer Sekte angehöre.
Ich widerspreche deutlich deiner 1. Aussage. Es ist nicht großflächiger. Nur werden die Probleme heute offen angesprochen und nicht unter den Tisch gekehrt. Ein Gastarbeiterkind aus den 70er Jahren erhielt keine Förderung, keine Beachtung. Sie blieben unter sich, für uns unsichtbar.