Für die Chemiker:
Früher war, als man mit einem Marmeladenglas zur Chemikalienausgabe ging, mit einem Edding KCN
draufgeschrieben hat und dann vom Laboranten Mal eben 100 g hochtoxisches Kaliumcyanid in sein Marmeladenglas bekam. Heute undenkbar.
Ernsthaft? Ich habe ca. 1991 im Hauptstudium mal 2 g benötigt und musste dafür mehrere Unterschriften (Professor, CTAler) vorweisen und selbst unterschreiben, dass ich es nur für den Zweck verwende, immer einschließe und persönlich hafte, wenn etwas passiert.
Du hast recht
@samu . (Mag mich einer von den anwesenden Germanisten endlich mal aufklären, ob man "recht" oder "Recht" schreibt?) Früher war eben auch einiges total scheisse. Ich bin ja das Kind der Putzfrau, das eigentlich nicht ans Gymnasium gehen sollte. Aber ein paar Sachen waren eben schon geil. Und mir ist gerade nach Verklärung. 
Gerade das, was ich vorhin schrieb, ich habe meine ersten PCs noch selber zusammengebaut. Das war toll. Man hatte eben auch ohne Informatikstudium halbwegs Ahnung von dem, was da vor sich ging. Man hatte eine echte Chance von Grund auf zu begreifen, wie die Kiste funktioniert. Was das Betriebssystem (Windows XP ... das beste!) macht, wie man es installiert und wie man es falsch macht und wieder von vorne. Und heute tun wir an der Schule so, als wäre Digitalisierung wunderweissgottwas, dabei meinen wir eigentlich nur Padlet und PowerPoint, was ja eigentlich Kinderkacke ist. Da bekomme ich schon regelmässig die Krise.
Wann habt ihr denn das letzte mal ein Glühwürmchen gesehen?
Glühwürmchen kann ich jederzeit sehen, wenn ich möchte. Hier gibt es sie noch.
Allerdings fällt mir seit ca. 10 Jahren auf, dass ich meine Windschutzscheibe nicht alle 50 km von Insekten reinigen muss. Es reicht beim Tanken (ca. 800 km).
Der Anteil der Kinder aus Familien, die Gelder nach dem SGB2 beziehen, beträgt in NRW 18%. Je nach Schultyp und Lage sind es schonmal 50 bis 75 Prozent einer Klasse, die vom Amt leben. Mit allen dazu gehörenden Folgeproblemen.
Zu meiner, zugegeben behüteten und priviligierten, Schulzeit waren das dystopische Horrorszenarien.
Zahlen zur diesbzgl. Entwicklung in den letzten 30 Jahren kann ich nicht finden. Nach meinem Empfinden sind sie explodiert. Aber exponentielles Wachstum wird bei uns ja nur in einem bestimmten Kontext zum Aufreger. Da gibt es dann auch täglich neue Zahlen.
Früher gab es gefühlt sogar mehr Armut, ich kenne aus Grunschulzeiten noch Armut in einem Maße, von der ich später nichts mehr gehört/gesehen habe (es waren bei uns je nach Gebiet bis zu 90 %), Hunger war verbreitet, Toiletten auf dem Hinterhof oder im Treppenhaus für alle Familien (Vergewaltigung wurde verschwiegen, das Mädchen war Schuld). Sozialhilfe wurde nicht in Anspruch genommen. Gastarbeiterkinder wurden selbstverständlich diskriminiert (aus dieser Sicht 'verstehe" ich die AFD-Anhänger, die dahin zurück wollen, die nicht verstehen, warum sich alles geändert hat. Ja, die AFD-Welt war normal, ich bin froh, dass es nicht mehr so ist).
Und zu Scheidungen, ich war froh, als meine Mutter sich endlich scheiden ließ. Vielleicht wäre ich heute verheiratet wie meine (viel) jüngeren Geschwister, wenn sie es 10 Jahre früher getan hätte, aber immer wenn es ernst wurde, sah ich die Ehe meiner Eltern. Ja, früher lies man sich nicht scheiden, die Frau musste den gewalttätigen Ehemann akzeptieren (es gab sonst kein Geld bis Mitte der 70er Jahre), viele Kinder sind zerbrochen. Gewalt war überall.
Kurz, ich bin froh, heute zu leben. Auch meine Mutter und mein Stiefvater haben mehr negative Erinnerungen als positive, meine Oma meinte, dass die letzten 20 Jahre ihres Lebens die besten waren, sie wurde 105, ist erst seit ein paar Jahren tot.
Ich habe gelesen, dass viele deshalb die früheren Zeiten verklären, weil sie selbst jung und unbelastet waren, nicht weil es objektiv besser war.