Was denn nun, geht's dir um einzelne Einwohner oder nicht? Da widersprichst du dir selbst.
Mir geht's auf alle Fälle um strukturelle, flächendeckende Probleme, die seit Jahrzehnten bestehen und da ist Baden-Württemberg ganz sicher nicht mit ostdeutschen Bundesländern zu vergleichen.
Edit: mich hat's immer abgenervt, wenn Ossis nur ihren Blick auf die Dinge haben, alle Wessis für verweichlichte Erben halten, die nichts auszustehen haben. Aber ich muss sagen, es ist in der Summe eben was dran. Auch wenn Porsche irgendwann mal weniger Umsatz machen sollte, die sichern sich ihre Pfründe schon, da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.
Die Entenleber-Story ist halt leider genau das, was das Bild verfestigt.
Beides gehört zusammen. Wählen tun Menschen, die in Baden-Württemberg aktuell in großer Zahl Angst haben, in den nächsten 5 Jahren ihre Arbeit zu verlieren. Trotzdem haben nicht sie in großer Zahl AfD gewählt, sondern der ländliche Raum und einige Arbeiterstädte weit weg von den Problemen.
Warum haben diese Menschen Angst? Weil auch ihre Betriebe kaum noch Gewerbesteuern zahlen. In Stuttgart war es 2025 nur ungefähr die Hälfte von 2023, in Esslingen bei Stuttgart nur noch ein Drittel. Karlsruhe, Baden-Baden melden ähnliche Daten. Und einen so starken Einschnitt innerhalb von ein, zwei Jahren hatte niemand vorhergesehen. Den Unternehmen geht es nicht gut, einige verlagern ihre Arbeitsplätze ins Ausland. Die Angestellten müssen dabei helfen und fragen sich, wie sie ihre Raten in Zukunft bezahlen sollen. Es trifft ja nicht nur die Autoindustrie. Auch Kärcher und andere verlagern ihre Arbeitsplätze. Porsche wird sicher weiter Geld verdienen, nur zum großen Teil nicht mehr in Deutschland. Porsche wählt nicht.
Und ja, es gibt hier viele reiche Menschen. In meinem Studentenjob durfte ich G. Sachs und seinen Butler bedienen, ich habe den Bernadottes schwimmen beigebracht. Nur was hat der Angestellte, der Arbeiter, die Stadt davon? Die zahlen ihre Steuern teilweise in der Schweiz.
Es ging um Wahlverhalten und Angst. Und noch ist der Mehrheit hier klar, dass die Wahl der AfD die Probleme vergrößert und nicht verkleinert.
Ich fürchte, dass die Wahl der AfD im Osten den Niedergang noch beschleunigt. Schon vor 20 Jahren hat ein amerikanischer Betrieb sich für meine Nachbarstadt in Baden-Württemberg entschieden statt für billiges Bauland im Osten, weil sie ihren leitenden farbigen Angestellten aus den USA nicht den Rassismus aussetzen wollten. Hier wird zwar auch manchmal rassistisch sich geäußert, aber bisher immer deutlich widersprochen. An meiner Schule spielt es zum Glück keine Rolle. Unser Schülersprecher ist farbig, in jeder Klasse gibt es mehrere völlig integriert.