Es geht mir nicht um ein verniedlichendes "es war nicht alles schlecht", ich will nicht die Diktatur gegen die schönen Kindheitserinnerungen oder Ostalgie aufrechnen. Es geht darum, wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass 60 Jahre lang parallel zwei Gesellschaften entstanden sind, zwei Leben gelebt wurden. Mit dem kleinen Unterschied: Für "Westbürger" hat sich nichts verändert, für "Ostbürger" alles.
Und: die Menschen, die hier verfolgt wurden und geflohen sind können genauso wenig dafür, wie diejenigen, die nach der Wende Zusammenhalt, Perspektive und Arbeit verloren haben. So'n bisschen mehr Interesse aneinander würde ich mir wünschen.
Ich denke, ich habe deutlich zwischen Menschen und Staat unterschieden. Ich bin neugierig und lerne gerne andere kennen. Ich habe an sehr vielen Schüleraustauschen teilgenommen (alleine 5mal je 3 Wochen in den Sommerferien mit Polen, dazwischen Briefe, deshalb die Fahrten durch die DDR), ich war ein Jahr in den USA, kürzere Austausche mit Tschechien, Großbritannien und Frankreich. Ich war bereits als Jugendliche politisch sehr interessiert (darüber haben sich sowohl Polen als auch Amerikaner gewundert) und habe mich auf alle möglichen Stipendien beworben, meine Eltern konnten es nur teilweise finanzieren.
Aber am Staat DDR kann ich nichts gutes finden und der gute Zusammenhalt in der Bevölkerung kam vielleicht durch den äußeren Druck zustande (das habe ich ähnlich an meiner 1. Schule erlebt, extrem viel Gewalt von Schülerseite, das gesamte Kollegium hat zusammen gehalten und war eng befreundet, das habe ich nie mehr an anderen Schulen erlebt, das war auch nicht mehr notwendig). Und er war in der DDR vielleicht doch nicht so gut wie heute oft behauptet wird (Stasi). Ich weiß auch von Enttäuschungen wg. Stasiverrat und kenne Menschen, die sich nicht trauen, nachzufragen. All das prägt, all das habe ich im Westen nicht erleben müssen.
Ich habe echtes Interesse an Ostbürgern gezeigt und einige sehr nette kennengelernt. Vor dem älteren Kollegen aus Sachsen habe ich richtig Respekt. Ich lehne Fremdenfeindlichkeit usw. aber ab und habe aktuell eher das Gefühl, dass einige im Osten sich abschotten wollen und mit ihrer guten Bildung argumentieren (noch einmal, es gab früher viel mehr MINT-FÄCHER-STUNDEN, aber viel weniger Gemeinschaftskunde etc. Stunden, natürlich hat das Folgen, ein Außenstehender weiß dies nicht, es gleicht sich in den letzten Jahren an, es gibt aber noch Unterschiede).
Z. B. in sprachlichen bayerischen Gymnasien gab es früher nur ein Jahr Chemie in Kl. 11, Sachsen fängt aktuell sowohl mit Physik als auch Chemie ein Jahr früher an als z. B. Baden-Württemberg (Gymnasien) . PISA testet 15jährige, es fehlt uns ein Jahr. Dafür haben sie andere Fächer weniger (und ich denke inzwischen auch aufgrund der letzten Wahlen, Gemeinschaftskunde ist für eine Demokratie auch wichtig).