Das Contact Tracing muss wieder funktionieren, das vor allem. Meine Vermutung ist, dass bei uns die immer wiederkehrenden grösseren Fälle mit teils mehreren Hundert Kontaktpersonen schlussendlich das System geschrottet haben. Die Idee, das langfristig handeln zu können, sogar Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen wieder freizugeben (ja, der FC Basel hat einmal noch vor vollem Publikum gespielt ...), war einfach grössenwahnsinnig. Die Inzidenz stieg langsam auf ein Mass an, dass es wahrscheinlich noch machbar aber mühsam war. Und dann - zack - 2 - 3 solcher Klopper hintereinander und irgendwie so mussten sie den Überblick verloren haben. Zumal ja bekannt ist, dass an wenigstens zwei grösseren Veranstaltungen erst massiv zu spät aufgefallen ist, dass infizierte Personen dort waren. Es ist so diffus geworden, dass man im Moment auch nur noch mit diffusen Massnahmen reagieren kann. Sprich tatsächlich verhindern, dass sich im privaten Bereich zu viele Leute auf einmal treffen. Frankreich und Spanien z. B. haben einfach viel zu spät reagiert, ich glaube nicht dass in Deutschland ein ähnliches Desaster bevorsteht. Auch nicht in der Schweiz, auch wenn wir hier sicher dichter an der Katastrophe vorbeischrabben werden. Die Zeit will diese nota bene schon für dieses Wochenende herbeischreiben - ultraschlecht recherchiert, wie leider so oft, wenn deutsche Medien über die Schweiz schreiben.
Wollsocken, das sehe ich genauso. Auch in Deutschland gab es div. Großveranstaltungen. Und wer sich am Wochenende in Leipzig angesteckt hat, wird dies kaum nächste Woche zugeben. Genau diesen Vermutung hat Drosten im Sommer geäußert, dass illegale Partygänger, wenn sie nur leicht erkranken, den Mund halten und evtl. weitere infizieren (das war ja auch das Problem der großen Hochzeitsfeiern, erst die, die von denen infiziert wurden, meldeten sich beim Gesundheitsamt). Dann ist aber die Verfolgung erschwert, das Gesundheitsamt muss erst evtl. mehrere Stationen zurück verfolgen (und erwischt sicher nicht mehr alle, zumal viele nicht mithelfen wollten, es gab überall unvollständige Listen).
Die deutschen Gesundheitsämter können angeblich 50 Fälle auf 100 000 verfolgen und genau dahin sollten wir möglichst schnell zurück. Genau das war meine Frage gestern. Ein kurzer und harter Lockdown oder ein längerer mit weniger Maßnahmen? Wenn jeder 75% der Kontakte reduzieren soll, dann müssen andere für mich es tun. Denn ich habe nur noch schulische Kontakte, alles andere ist digital (und ich denke, dass es bei vielen so ist und ob die anderen reduzieren)? Genau deshalb bin ich skeptisch, ob es bis Ende November reicht.
Momentan sieht es nach einem leichten langandauernden Shutdown aus. Und ich hoffe, unsere Gesundheitssysteme packen es (ein Großteil meiner Familie lebt ja in der Schweiz (Zürich, Appenzell, Graubünden, eine Stieftante mit Familie in Neuenburg, deshalb beobachte und leide ich mit euch).