Für mich waren die ersten Jahrzehnte der Lebensgeschichten meiner Eltern prägend:
Mein Vater war Hitlerjunge und forderte sich als SEHR junger Mann noch zu Kriegsende in den Kriegsdienst ein. Gebrochen haben dieses unerschütterliche Vertrauen darin, Teil des "arischen Lichtvolkes" zu sein, der Tod seines besten Freundes im Kriegseinsatz neben ihm und seine Erfahrungen in Kriegsgefangenschaft. Schon vor seiner Rückkehr muss er sich "vom Saulus zum Paulus gewandelt" haben. Jedenfalls engagierte er sich seitdem für mich beispielhaft im Neuaufbau der Gesellschaft: absolut überparteilich, gerecht und freundschaftlich-offen unseren Nachbarn im Westen gegenüber.
(Wer einen vielleicht vergleichbaren Wandel nachvollziehen möchte, dem empfehle ich eine kurze Recherche zu "Hans Schwerte".)
Ambivalent hingegen wirkte auf mich sein doch andererseits noch weitgehend deutsch-nationales Gedankengut in der Kindererziehung, was er noch lange nicht gänzlich ablegen konnte.
Meine Mutter konnte kriegsbedingt keinen Schulabschluss machen, war dann in den folgenden Jahrzehnten mit der Arbeit an mir und meinen Geschwistern voll ausgefüllt, was sich noch heute z. B. darin zeigt, dass sie die Populärkultur der 50er, 60er und 70er Jahre gar nicht auf dem Schirm hat. So sehr war sie Hausmütterchen und Glucke, und sie blieb es leider zeitlebens, wobei aber keineswegs ihre Lebensleistung an ihrer Familie kleingeredet sein soll; im Gegenteil: ihre demütig-liebevolle Art wirkt über sie hinaus.
Sich aus den doch auch beengenden Abhängigkeiten der Eltern zu lösen wäre mir ohne die politische wie kulturelle Avantgarde der 60er und 70er Jahre nicht möglich gewesen.
Aus all diesen Erfahrungen ist aus mir jemand geworden (Selfie!), der sich zwar als Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland versteht, von seinem gesellschaftlichen Verständnis her aber zumindest als Europäer; nimmermehr als Angehöriger eines "deutschen Volkes". (Der Volksbegriff ist mir heute zuwider.)
Lehrer wurde ich wegen anderer Vorbilder.