Beiträge von Zauberwald

    Meine Tochter war zuerst Grundschullehrerin und hat dann noch ein Aufbaustudium zur Sonderpädagogin gemacht (Sprechen und Hören). Sie liebt die Arbeit am SBBZ Sprache sehr. Die Klassen sind viel kleiner und oft gibt es Doppelbesetzung. Natürlich sind die Belastungen andere, man muss auch Einzeltests durchführen und viele Berichte usw. schreiben. Plattenspieler weiß sicher mehr.

    Ansonsten fände ich die Vorschläge von Quittengelee (Logopädie, Ergotherapie) auch super.


    P.S. Die "Kinder von heute" gab es auch schon gestern.

    Ja genau, mit langweilig meinte ich auch nicht, dass ich am Pult sitze und Däumchen drehe, falls du das so interpretierst hast, Zauberwald. Sondern dass es einfach nicht wahnsinnig spannend oder auch erfüllend ist, jahrelang immer und immer wieder die "Beweise für Nomen" oder das Prinzip der Tauschaufgabe zu erklären und zu wiederholen, natürlich ist man durchgehend beschäftigt, aber es kann ja trotzdem stellenweise langweilig sein.

    Das finde ich auch nicht langweilig. Ich war neulich 1 Woche krank zu Hause. DAS war langweilig. Aber ich verstehe schon, was gemeint ist.

    Der Punkt bei der ganzen Fragerei ist doch aufzuzeigen, dass Inklusion und gesellschaftliches Miteinander abseits von zwangsverordneten Kontexten meist nichtmals von denjenigen gelebt werden, die sie befürworten. Im echten Leben findet das alles kaum statt.

    Man könnte ja auch mal fragen, warum wir keine Kollegen mit Down Syndrom oder geistigen Behinderungen oder unterdurchschnittlichem IQ in den Schulen haben - wäre als Alltagshelfer oder Klassenassistenz oder pädagogische Unterstützung oder dergleichen doch durchaus vorstellbar und es würde das ganze Inklusionsunterfangen deutlich glaubwürdiger machen, wenn wenigstens ein staatlicher Arbeitgeber auch Anschlussperspektiven sichtbar vorleben würde. Passiert aber nicht, ebenso wenig wie (abseits von speziell bezuschussten Projekten) in der freien Wirtschaft. Also wo genau ist diese vielbeschworene gesellschaftliche Teilhabe denn außerhalb des Bildungswesens zu finden?

    Ich habe den Eindruck, hier in BW findet mehr Inklusion statt. Wen es interessiert, hier ein Beispiel: Startseite » Tennental - Einfach Mensch sein

    Ein kleines Dorf, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen leben und arbeiten. Es gibt eine Bäckerei, eine Gärtnerei, Landwirtschaft und einen Laden, in dem die eigenen Produkte verkauft werden. Diese werden auch in anderen regionalen Läden angeboten. Einen Arzt gibt es auch, Bibliothek usw... Es leben auch Familien (mit Kindern) dort. Die alten Menschen werden bis zum Schluss mit betreut.

    Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Es geht ja nicht darum, ob das Geld motiviert, überhaupt einem Broterwerb nachzugehen - natürlich tut es das. Wir müssen ja von irgendwas leben. (Übrigens ist "Wir leben ja nicht bei den Schlümpfen" mein neues Lieblingszitat. Ich glaube, so charmant hast du deine Herkunft noch nie durchsickern lassen, Chili).

    Die Frage im Kontext dieses Threads ist doch eher, ob die konkreten Dienstbezüge nach A-Besoldung mich motivieren, gerade diesen Job auszuüben. Da glaube ich Frosch sofort, dass er das ehrlich und mit voller Überzeugung verneinen kann. Zumal, ich meine mich daran zu erinnern, als Frosch vor der letzten Eiszeit zum ersten Mal hier im Forum aufgeschlagen ist und etwas über seinen Hintergrund geschrieben hat. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte das seine Sichtweise untermauern.

    Für mich persönlich: Ich genieße es schon sehr, mir im Prinzip alles leisten zu können, was ich möchte. Letzte Woche habe ich an einem Tag spontan für €200 Bücher bestellt. Es gab einen kurzen Stich aufgrund des schlechten Gewissens, aber die Frage war eben nicht "Wie soll ich jetzt den Rest des Monats überleben?" oder auch nur "Kann ich mir jetzt den großen, dekadenten Sommerurlaub noch leisten?", sondern nur ein moralisches "War das jetzt echt nötig?". Das ist schon ein riesiger Luxus. Und deswegen würde ich für mich sagen, dass die A-Besoldung nicht der Grund für meine Berufswahl war, dass mich der recht ordentliche Betrag auf dem Konto aber schon auch motiviert. Direkt aber auch indirekt, indem er es mir erlaubt, meine Freizeit als echten Ausgleich für den anstrengenden, aber zufriedenstellende Job, zu gestalten, weil ich die Mittel dafür habe.

    Zuerst habe ich gelesen, 200 Bücher an einem Tag bestellt. ^^ Für 200€, das geht ja noch. Ich glaube ja, jeder hat etwas, das er liebt und für das er auch mal Geld ausgibt. Und ja, das ist Luxus, aber der hält einen manchmal am Leben.

    Die Frage finde ich berechtigt und ich kann mich an eine Userin (weiß aber nicht mehr, wer es ist und hätte spontan dich genannt, Zauberwald), die erzählte, ihre Kinder seien in inklusiven Settings beschult worden, und es gab ganz tolle Freundschaften, aber ab der Pubertät trennten sich trotz gemeinsamer Beschulung doch die Freundschaften. Weil die Entwicklung und die Interessen auseinander gingen.
    (Ich sage das nicht als Argument gegen eine gemeinsame Beschulung, finde aber auch, dass man das betrachten muss, auch im Sinne des Kindes, Anschluss zu haben. Also mehr Kinder mit Gemeinsamkeiten..)

    Ich bin in einigermaßen inklusiven Settings in die Schule gegangen (reines Gesamtschulsystem, das Förderschulsystem ist ein anderes und die Kinder sind in der Regel in den "normalen" Schulen gewesen (zumindest L und ESE nicht GE). Ich halte mich nicht für eine bewusst diskriminierende Person aber meine Freundschaften waren mit Kindern, mit denen ich sehr viel kognitiv teilte. Da spielte die Kultur für mich gar keine Rolle. NATÜRLICH hat es viel damit zu tun, dass das Kognitive für mich schon mein Leben lang im Vordergrund steht und mein Kommunikationsweg ist. Es gibt aber Menschen, die nach Interessen (Sport, Spezialinteresse, ..) oder Kultur Freundschaften eher schließen.
    Man soll sich halt dessen bewusst sein, dass ein Teil (!) der Anknüpfungspunkte wegfällt. Da es allerdings kein Grund (mehr!) ist, alle türkischstämmige Kinder separat zu beschulen, geht es nur darum, den Schulunterricht so zu gestalten, dass Anknüpfungspunkte und Verbindungsmöglichkeiten entstehen können.

    Ich war das nicht, chili. Übrigens finde ich, dass Kinder mit nichtdeutschen Wurzeln jetzt in den Schulen schneller integriert werden als früher.

    Zauberwald : Solche Cafés wie das von dir angesprochene finde ich eine schöne Idee, um Menschen mit Einschränkungen eine berufliche Perspektive auf dem 1. Arbeitsmarkt bieten und Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ermöglichen zu können.

    Eine Frage hätte ich noch: Du hast ja gestern die rührende Geschichte mit dem Nachbarsjungen Rainer erzählt. Es ist eine Sache, in einem inklusiven Setting zu arbeiten oder ehrenamtlich Menschen mit Einschränkungen zu helfen, aber könntest du dir auch konkret eine gleichberechtigte Freundschaft mit einer Person mit Down-Syndrom vorstellen? Hattest du in den letzten 20 Jahren eine Freundschaft mit einer Person mit (vergleichbaren) Einschränkungen? Es geht mir dabei nicht darum, dich hier in irgendeiner Form zu verurteilen, sondern vielmehr darum, ein ganzheitliches Bild zu erhalten.

    Ich habe tatsächlich eine Freundin seit meiner Kindheit, die gehörlos ist.

    Daher muss die Frage erlaubt sein, ob dem hohen Preis der Inklusion (und auch dem Mitziehen von unerzogenen oder schwererziehbaren Schülern) überhaupt ein nennenswerter Nutzen gegenüber steht, der die Verschlechterung der Lernbedingungen für alle anderen rechtfertigt. Ich bezweifel das.

    Ich bin dafür, jeden Fall einzeln betrachten zu dürfen und vor allem schneller handeln zu können. Schwererziehbare sind für mich das schwerste Geschütz und es dauert zuuu lange, bis Maßnahmen ergriffen werden dürfen. Erst muss man ewig Beobachtungsbögen führen, dann kommt eventuell mal ein Schulausschluss, der nichts bewirkt. In der Zwischenzeit gehen alle vor die Hunde: Kollegen und Schüler. Es vergehen Jahre...

    Da ist ein Kind, das lieb ist und mehr Unterstützung beim Lernen braucht, nix dagegen. Das wird aber von Anfang an selektiert.

    Toleranz und inklusive Gesellschaft, da bin ich auch dafür, aber wir müssen uns da an die eigene Nase fassen und uns selbstkritisch fragen, ob wir selbst in unserem Privatleben so tolerant und inklusiv sind wie wir uns wiederum Schule wünschen.

    Wenn Inklusion in der Schule dazugehörte, wären Menschen mit Behinderungen für uns normal. In meinem Wohnort gibt es mehrere Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen, ein Café, das inklusiv betrieben wird, ja, da arbeiten Menschen mit Down-Syndrom neben anderen und es ist Platz für alle. Da möchte ich mich als Pensionärin einbringen, so wie es eine befreundete Kollegin auch schon macht. Wenn jemand im Ort aus den Wohngruppen Hilfe braucht, springen alle bei.

    Unsere Kinder im Grundschulalter selektieren so gut wie nicht. Die mobben wegen anderen Dingen. Bei älteren Schülern mag das anders sein. Die Inklusion in den Schulen sollte doch verankert werden, damit Menschen mit Behinderung von Anfang an teilnehmen können und damit die Kinder von Anfang an Menschen mit Behinderung nicht als minderwertig erleben.

    Es funktioniert halt nicht, da es nicht richtig ernst genommen wird. Sonst müsste man für mehr Personal, bessere Ausstattung und vor allem viel kleinere Klassen sorgen. Das ist nicht möglich, so dass es vmtl. besser so bleibt, wie manche hier das sowieso wollen.

    Allerdings sollte man doch jeden Fall nochmals einzeln betrachten dürfen. Kenne 1 Kind, das wurde wegen einer Autoimmunerkrankung an einer Grundschule abgelehnt und muss nun weit fahren.

    Zauberwald : Zu deiner an mich gerichteten Frage: Meine Meinung ist, dass die realen Bedingungen zieldifferenter Beschulung Kindern mit Förderbedarf nur in seltenen Fällen ermöglichen, ihr Potential soweit auszuschöpfen, dass sie nach der Schulzeit in der Lage sind, echte gesellschaftliche Teilhabe erfahren zu können. Selektion heißt in dem Zusammenhang nicht nur die Verwehrung des Zutritts zu einer bestimmten Schulform, sondern die Empfehlung einer anderen Schulform, unter deren Bedingungen die Chancen höher sind, das vorhandene Potential auszuschöpfen und auf die Zeit nach Beendigung der Schule angemessen vorbereitet zu werden. Mal als Negativbeispiel: In den früheren Volksschulen gab es bisweilen sehr große Klassen und es waren allerlei Leistungsniveaus vertreten. Diejenigen mit (nicht diagnostiziertem) Förderbedarf sind im schlechtesten Fall einfach mitgelaufen, haben nicht viel aus dem Unterricht mitgenommen und hatten danach quasi keine Möglichkeit, sich in bestehende gesellschaftliche Prozesse einfügen zu können.

    Wenn man von der Sonderschule kommt, hat man danach natürlich eine super gesellschaftliche Teilhabe.

    Als ich Kind war, spielte ich sehr gerne mit Rainer, er war mein Freund. Meine Mutter verbot mir, mit ihm zu spielen, weil er auf die "Dummenschule" ging. Die anderen Kinder in der Straße sollten ihn auch meiden. Mir war es egal, ich mochte ihn sehr und ich habe heimlich mit ihm gespielt. Ich wusste nicht richtig, was sie meint. Wir sollten auch nicht mit evangelischen Kindern spielen. Da ich nicht wusste, wer evangelisch ist, habe ich vmtl. auch gegen diese Regel verstoßen.

    Es geht um die nach Förderung der nach Maßgabe der kmindividuellen Grenzen bestmögliche sozio-politische, -kulturelle und -ökonomische Partizipationsfähigjeit der Sch0ler und deren emtsprechend bestmögkuche Entfaltung ihrer Potenziake und Persönlichkeit. Die Idee ist, dass dies in leistungshomogenen Gruppen, die entsprechend optimal zur Beschulung homlgener Grupoen ausgestattet sind, für jeden Beteiligten besser möglich ist. Die Homogenisierung setzt aber natürlicv Sekektion voraus.

    Niemand hier will Kindern mit 'Defiziten' ihre Teilhabe verwehren, ganz im Gegenteil.

    Ich finde, man sollte es differenzierter sehen. Es gibt Autisten, die würden in G-Schulen untergehen. Jeder Fall ist da anders. Meine Tochter machte Abitur mit einem Autisten, der von der G-Schule aufs Gymnasium wechselte dank seiner engagierten Schulbegleitung, die seine Fähigkeiten erkannte. Er konnte nur mit Hilfe eines Laptops arbeiten, was damals ein großes Novum war. Ich habe es während meiner Zeit als Lehrerin mit 5 verschiedenen autistischen Kindern zu tun gehabt und nur 1 davon konnte nicht in der Regelschule zurechtkommen. Die 4 anderen schon. Sie waren alle unterschiedlich und hatten teilweise große Problematiken, aber mit Unterstützung von Schulbegleitern lief es okay bis sehr gut.

    Du kommst mit den Aufgaben eines Gymnasiums, während es um den Begriff der Selektion von Menschen mit Behinderung geht.

    Mir ging es auch nicht um das Gymnasium. Ich bin auch nicht dafür, dass jede/r aufs Gymnasium soll, die Gymnasien sind auf Vielfalt nicht angelegt und dafür nicht eingerichtet. Sie verfolgen andere Ziele und das ist okay. Mir ist nur der Begriff Selektion im Zusammenhang mit Behinderten aufgestoßen, es kommt für mich aus der NS-Zeit. Aber vmtl. ist dieses Thema für viele zu weit weg.

    Die grün hervorgehobenen Partien würde ich "Selektion" zuordnen. Selektion muss auch für die Betroffenen nicht immer negativ sein, sondern kann Chancen auch überhaupt erst ermöglichen, siehe der Punkt "Teilhabe an der Gesellschaft".

    Teilhabe an der Gesellschaft: Das gilt in deinen Augen nur für Kinder ohne Defizite?

    Es ist doch gerade das Ziel, dass Kinder mit Defiziten teilnehmen können sollen.

    Oder verstehe ich dich komplett falsch? Kannst du erklären, was du meinst? Eine Gesellschaft besteht für mich aus allen Menschen und alle haben die gleichen Rechte.

    Mir ging es darum, dass jemand schrieb, dass Privatschulen behinderte Kinder selektieren und nicht aufnehmen würden. Dieses Superkind, das in meiner Klasse ist, wäre nicht aufgenommen worden. Es hat einen Schwerbehindertenausweis. Wo soll denn ein autistisches Kind hin? Normalerweise Sonderschule G. Diese Privatschulen können es sich wohl leisten, alle Kinder mit speziellen Bedarfen abzulehnen.

    Hier ist es so, dass die Systemsprenger oder gerade schwierige Kinder auf Privatschulen wechseln, wenn es in der Regelschule massive Probleme gibt, also genau andersherum.

    Ich habe den Begriff "Lernbehinderte" überhaupt gar nicht verwendet. Und ich habe zieldifferente Inklusion und Selektion nach Schulleistung und wo nötig nach Verhalten im gleichen Satz unmittelbarer nebeneinander benannt, mir geht es also ganz schnöde und grundsätzlich um den Ansatz der Wahrung möglichst umfassender Homogenität und Ordnung im Schulbetrieb. Ich sehe darin einen großen Mehrwert privater Träger, die im Gegensatz zu staatlichen Schulen nicht verordnet im Chaos versinken müssen und wenigstens einen kleinen Teil der aktuellen Schülergenerationen noch auf angemessenem Niveau beschulen können. Das ist imo erhaltenswert.

    Kann ich nicht mitgehen. Ohne meinen Autisten mit Schwerbehindertenausweis wäre die Welt in meinem Klassenzimmer definitiv ärmer. Und wir hätten niemanden, der den Kompass 4 Test zu 99% besteht. Wenn es natürlich auch Baustellen gibt, überwiegen für mich die Vorteile. Für meine Schüler ist es normal, alle Kinder zu inkludieren. Sollten wir uns ne Scheibe abschneiden. Probleme liegen beim mangelnden Personal.

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