Beiträge von Zauberwald

    Spannende Diskussion, in die ich mal eben einen Blick geworfen habe.

    Vor langer Zeit sagte ich ja auch mal, die Unterstufenlehrer der ehemaligen DDR mussten nicht studieren. Sie wurden sozusagen (glaube ich) an Fachschulen namens "Institut für Lehrerbildung" ausgebildet. Waren sie deshalb "schlechtere Lehrer", schlechter ausgebildet? Man hört ja ganz anderes über die Grundschulbildung in der DDR, wenn wir mal den ideologischen Ballast beiseite lassen. Ich will damit nur zustimmen, dass alleine die LÄNGE der Ausbildung nichts über die QUALITÄT der Ausbildung aussagt, ja, aussagen kann.

    Allein schon mit dem Hintergrund, nicht studiert zu haben, könnte man sich bei unseren Eltern wohl gar nicht mehr behaupten. Mit den von mir vermuteten Methoden aber auch nicht.

    Die Arbeitsbedingungen für Lehrer werden sich so schnell nicht verbessern, wenn sie sich überhaupt je verbessern. Wenn ich an die Blamage der digitalen Ausstattung während Corona denke oder daran, dass es wahrscheinlich nicht einmal für Luftfilter für die jüngeren Kinder reicht, die noch nicht geimpft werden können, dann zeigt das schon irgendwie den Stellenwert der Bildung (und der Lehrer).

    Wenn die Bezahlung schlechter wird, bzw. sich bei den Grundschullehrern nicht angleicht, dann wird der Beruf noch unattraktiver. Mehrere Bekannte, die Quereinsteiger waren, haben nach ein paar Jahren wieder hingeschmissen, weil sie von ihrer Work-Life-Balance schlechter dastanden. Auch höre ich öfter die Äußerung von Freunden oder Verwandten, dass man heutzutage kein Lehrer sein möchte.

    Wahrscheinlich sind die Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten bei den anderen Lehrämtern schon noch Beweggründe, die dazu beitragen, Lehrer zu werden.

    Die jüngeren Kinder werden zu wenig gehört, ihre Lehrer auch. Wenn ich auf die technische Ausstattung meiner GS blicke, muss ich mich fremdschämen. Die Anforderungen und Kompetenzerwartungen kann man nachlesen, umsetzbar mit den Methoden von vor 30 Jahren. Sicher nicht überall, aber mir bleibt nichts anderes. Es sei denn, ich kann den WLAN-Strahl in einer Ecke de Ganges mit meinem Laptop einfangen und die Schüler schnell dahin pfeifen.

    Ich weiß, dass es z.B.in vielen bayrischen Grundschulen ganz anders aussieht. Die können ihren Wechselunterricht streamen. So etwas geht bei uns nicht. Hier ist es wie vor 30 Jahren: Tafel, OHP, Kreide.

    So schlecht sind keine weiterführenden Schulen ausgestattet. Hier werden Schüler wohl erst ab der weiterführenden Schule ernst genommen. Und ihre Lehrer auch.

    Auch dazu habe ich ja früher viel gesagt. ;) Heute möchte ich nur fragen, sollen immer alle gleich verdienen, deren Ausbildung GLEICH LANGE dauert? Kommt es nie auf die Inhalte und Anforderungen an?

    Der Witz ist, bei uns arbeiten in den Gemeinschaftsschulen Lehrer mit unterschiedlicher Ausbildung mit denselben Schülern in denselben Klassen. Die Einen erhalten A12 (von der Ausbildung her war es ja immer bis zur 10.Klasse bei den GS-Lehrern, die dürfen da auch arbeiten), die anderen A13, die anderen mehr. Und wie ist das?

    Wie lange geht eigentlich ADHS? Wie lange ist das eine gängige Entschuldigung? Was passiert, wenn ich als Erwachsene sage: Tut mir leid, ich habe ADHS? Ich weiß, saublöder Kommentar. Aber dieser "Grund", der dann ausgesprochen wird, nervt mich zunehmend. Genauso Schüler in der Notbetreuung, die 1000 Fehler machen. Wenn ich dann sage, dass das nochmals korrigiert werden muss, kommt bei manchen 4ern zuweilen. Nö, ich muss das nicht, ich hab LRS. Mehrmals passiert.

    Und ich sehe gerade bei uns, wer das freiwillige "Homeschooling" nutzt, das sind nicht die Eltern, die ihre Kinder adäquat beim Lernen begleiten können. Es sind die mit einem Haschmich und die Kinder haben überhaupt keinen Realitätsbezug mehr. Das halte ich für wirklich gefährlich.

    O ja! Eine Kollegin zeigte mir neulich ein AB einer Schülerin (Eltern Coronaleugner, Schülerin kommt nicht in die Schule, da Testpflicht, Lernplattform wird auch abgelehnt und alles Digitale, also ABs ausdrucken und versenden), da kam das Wort "Maske" im Text vor. Es ging um die Verwendung von s, ss und ß. Die Mutter schrieb eine halbe Seite dazu, dass die Kinder jetzt unterschwellig zum Maskentragen indoktriniert würden... :neenee:

    Jetzt mal im Ernst, aber echt jetzt? Da schämen die sich nicht? Erwachsene, studierte Menschen mit A14 oder sogar A15 sind nicht in der Lage, sich für so einen Tag selbst Proviant zu organisieren und zu bezahlen? Da muss sich dann auch noch derjenige darum kümmern, der mit Doppellehrprobe und Prüfungen und so weiter sowieso schon am Rotieren ist? Der mit Abstand am wenigsten verdient und vermutlich für seine Lehrprobe auch noch privat viel Geld in die Hand genommen hat? Peinlich ist das, dass sowas als selbstverständlich angenommen wird und dass diese Angst der Refs so ausgenutzt wird.

    Wie gesagt, ich weiß nicht, ob es heute noch so ist.

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