Beiträge von qchn

    dass die Deutschen Wiwifakultäten die Besten in Sachen ökonomische Forschung sind, lese ich zum ersten Mal. Ich hätte jetzt eher auf USA, CH und GB getippt, aber das mag sich in den letzten 20 Jahren genauso verändert haben, wie das Studium. Das würde mich wirklich freuen, denn im Vergleich mit meiner damaligen Freundin, die zur gleichen Zeit VWL im Ausland studiert hat, habe ich deutlich (!) weniger "out of the box" und dafür mehr immer die selben alten Theorien gelernt. Bisherige ExperInnen, die das Fach Wirtschaft pushen, sind dann aber vermutlich eher vom alten Schlag.

    Im Schreiben mit Markus20 fällt mir allerdings wieder auf, was mich schonimmer am Diskurs mit den meisten AbsolventInnen der Deutschen Wirtschaftswissenschaften gestört hat: Die Gesprächshaltung ist so eine Mischung aus absoluter Sicherheit in Bezug auf den Wahrheitsgehalt des Gesagten (den ich so höchstens von JuristInnen kenne, die ja nun mal Gehirnwaschung studieren, damit sie gute StaatesdienerInnen werden) bei gleichzeitiger völliger Ignoranz der Tatsache, dass Wirtschaftswissenschaften auch eine Sozialwissenschaft ist (also deutlich weniger exakt als zB Naturwissenschaften) und entsprechend behutsamen wissenschaftstheoretischen Umgang benötigt.

    Diese Haltung kann man wollen, aber dann ist das Schulfach einfach ein anderes. Wie schon gesagt, glaube ich, dass ein Fach, in dem SuS dazu angeregt werden, kritisch nachzufragen und die Ambiguität der Welt zu begreifen, deutlich besser dazu geeinet ist, auf die Wirklichkeit vorzubereiten, als eines, in dem stumpf apodiktische Weisheiten auswendig gelernt werden. Aber on verra...

    da ich auch im Grundstudium VWL (Diplom) studiert habe - bei mir ebenfalls im deckungsgleich mit BWL - hab ich einen guten Eindruck davon bekommen, wie "multiperspektivisch" und "kritisch" die universitäre Ausbildung in diesen Fächern in Deutschland ist. Der internationale wissenschaftliche Diskurs über Fehlannahmen in den Grundmodellen und der Ökonometrie wird mal 10 Minuten angesprochen und dann ist wieder ideologiekritiklos weiter im Text. Insofern habe ich wenig Vertrauen in angebliche "Fachleute" und ihr holistisches Bild von Wirtschaft. Ich finde, die Stoßrichtung der FDP zeigt sehr schön eine derart verengte Sichtweise. (ich bin immer noch entsetzt, dass die Partei, die mal für Datenschutz (Freiheitsrechte) war, in NRW "Digital first, Bedenken second" plakatiert hat.)

    hm. also angesehen davon, dass ich nicht sehe, dass die Kombination "Recht und Wirtschaft" in irgendeiner Art objektiv "besser" zusammenpasst, als jede andere Kombination, ist die Auswahl der Kombination nunmal auf ein bestimmtes (Kompetenz/Ideologie/Fachdidaktik)-Ziel ausgerichtet. Ich finds aber gut, dass Du nachfragst - so eindeutig ist die Besonderheit des Faches Sowi ist, wird Außenstehenden offenbar garnicht unmittelbar klar und bedarf anscheinend einer expliziteren Vermittlung.

    In NRW war das vornehmliche Ziel bislang nicht die stumpfe Anhäufung von Sachkompetenz - wobei die genannten Gegenstände Bedarf/Bedürfnisse/Güterarten/Ziele von Unternehmen/Rechtsformen von Unternehmen/Ökonomisches Handeln/Kaufvertrag bei Jugendlichen/Mitbestimmung/ VerbraucherInnenschutz etc. - natürlich unterrichtet werden. Ziel des Fachs Sowi war es, die politische Urteilskompetenz zu fördern, i.e. die Befähigung zu einer selbstständigen, begründeten und möglichst kriterien- oder kategorienorientierten Beurteilung politischer Akteure, Ereignisse, Probleme und Kontroversen und das Verständnis, das für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge erforderlich ist, die die Bereitschaft sich dafür öffentlich zu rechtfertigen mit einschließt.

    Die gesselschaftlichen Probleme sind mE nicht nur aus einer Perspektive (i.e. der ökonomischen) zu betrachten, sondern benötigen, um die von Dir geforderte Multiperspektivität einzubeziehen, mehrere Blickwinkel mit ihren jeweilig unterschiedlichen Logiken. Andere, neben den von Dir genannten Themen Arbeits- und Sozialpolitik, wären da zB. Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik, Außenpolitik (International, EU) etc. In allen diesen Feldern stehen sich angesichts knapper Ressouren Effizienz und andere Werte gegenüber, und müssen abgewogen werden. Dieser Umgang mit Ambiguität ist, finde ich, eine große Stärke des Faches, und das Schöne daran ist, dass es auf diese Weise durch KollegInnen jeden politischen Geschmacks unterrichtet werden kann - schließlich sind wir dem Beutelsbacher Konsens verpfflichtet.

    PS: Jule13 hat nochmal von einem anderen Fach gesprochen "GL"= Gesellschaftslehre. Das ist eine Mischung aus dem Fach Sozialwissenschaften, Erdkunde und Geschichte, die an Gesamtschulen und Sekundarschulen unterrichtet wird - die Schulen können die Fächer entweder getrennt, oder eben integriert unterrichten. Integriert ist bei den FachkollegInnen nicht so superbeliebt, weil die Fachdidaktiken der drei Fächer wirklich sehr unterschiedlich sind. Dh. Erdkunde- und GeschichtskollegInnen weigern sich, Wirtschaft fachfremd zu unterrichten, weil sie sich schon mit Sozialwissenschaften nicht wohl gefühlt haben und sich somit immer weiter von ihrem eigentlichem studierten Fach entfernen. (Jedoch habe ich neulich gelesen, dass die KuK in Berlin sogar Oberstufenkurse quasi fachfremd unterrichtet werden müssen, also ich müsste als Sowi-Lehrer nen LK Geschichte unterrichten - hab ich das richtig verstanden?) Nicht das Fach selbst ist also ne Ideologiefrage, sondern, ob das Fach von allen zT fachfremd unterrichtet werden soll (= integriert), oder eben die Erdkundekollegin nur die Erdkundeeinheit macht, während der Geschichtskollege die Geschichtseinheit macht usw.

    aber da Du schreibst, dass "Ein Fach Wirtschaft bedeutet nicht [bedeutet], dass dann neoliberale Anzugträger vor der Klasse stehen und irgendwelche marktradikalen, kapitalistischen Thesen verbreiten." möchte ich kurz daran erinnern, dass fehlende Zertifikatskurse zur Nachqualifizierung durch Fortbildungen bei entsprechenden marktliberalen Institutionen ergänzt werden sollen."

    mir missfällt, wie das Anliegen hier zusammen mit der Userin lächerlich gemacht wird. ich meine, man kann den Wirrwarr, mit dem hier Argumente gegen Videokonferenzen gesucht werden, ablehnen, aber dass man grundsätzlich (ob aus Datenschutz- oder anderen Gründen ist doch egal) keine machen möchte, ist gut nachvollziehbar. Nur weil soundsoviele Eltern und KollegInnen glauben, dass Distanzunterricht ohne Videokonferenz grundsätzlich nicht geht und deswegen bestimmte Rechte/ Bedenken über Bord werfen, ist die Ausgangsfrage des Freds überhaupt nicht trivial oder lächerlich.

    bisschen OT:
    Im Referendariat sagte mir meine sehr geschätzte AKO: "SchulleiterInnen differenzieren uns gewöhlich in folgende beiden Kategorien: a) macht mir Arbeit oder b) macht mir keine Arbeit/ verringert meine Arbeit. Darüber hinausgehend haben sie erstmal überhaupt keine gesondertes Interessen/ Vorlieben/ Abneigungen. Es ist als KollegIn ratsam zur Kategorie b) zu gehören." Vielleicht ist das eine Sichtweise, die Dir im Umgang mit Deiner Schulleitung hilft.

    Das hat doch nichts mit Druck zu tun. Das Schulamt teilt dir mit, dass du nun an einer anderen Schule bist. Fertig.

    jein. eine Versetzung auf Wunsch es Schulleiters gegen den Willen des Kollegens/ der Kollegin, geht eben nicht so einfach durch. deswegen übt die Schulleitung in so einem Fall immer Druck aus, damit man dann irgendwann freiwillig geht.

    unser Schulleiter möchte eine Kollegin unbedingt versetzen lassen - aus Kollegiumssicht wär ne Versetzung auch ne gute Sache - aber er wird sie einfach nicht los. Vielleicht liegt es daran, dass wir schon die 3. oder 4. Station dieser Kollegin sind. Vielleicht aber auch, weil es ihr wirklich total egal ist, was man von ihr hält und sie sich nicht unter Druck setzen lässt.

    Stellungnahme vom Deutschen Verband für politische Bildung (DVPB), die auch die Frage "cui bono" stellt.

    Zitat

    "Die [...]-Debatte ist exemplarisch für die Diskreditierungsstrategie gegen Sowi-Lehrkräfte, die in den letzten Jahren durch Befürworter des Monofachs „Wirtschaft“ aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und liberal-konservative Medien erfolgt ist. Ihre ökonomische Kompetenz wird infrage gestellt, ohne dass es auch nur eine halbwegs seriöse Studie gibt, die zu dieser Aussage berechtigt."

    https://dvpb-nw.de/zertifikatskur…ten-unterricht/

    hm, also ich find grundsätzlich schon, dass man kritisieren kann, dass NRW einerseits grundständig ausgebildete KuK deprofessionalisiert und gleichzeitig von die Leute von woanders nimmt. So schlimm wie in Berlin ist es sicherlich nicht, aber neben OBAS gibts ja auch noch die PE, die nicht ganz so strenge Maßstäbe legt. Ich bin mir btw. sicher, dass bei OBAS zumindest ein Fach immer sehr gut sitzt, hab aber den Eindruck, dass vor einigen Jahren bei OBAS noch nicht so streng vorausgewählt wurde - zumindest hab ich ne Kollegin mit Magister (Haupfach Kommunikationswissenschaften, Nebenfächer Angilistik und Germanistik), die mit E und D zu OBAS zugelassen wurde.

    Ich habs gestern auch gelesen und mich echt gewundert, vor allem, weil ich garnicht verstehe, WARUM diese m.E. gravierende Veränderung überhaupt notwendig ist? Dass ein Fach in der Oberstufe anders heisst, als in der Sek I gibt es auch bei anderen Fächern (Geographie/Philosophie) und inhaltlich hat sich im Sek I Curriculum garnicht so viel geändert, i.e. Soziologieanteile sind nachwievor vertreten. Natürlich könnte man die aus ideologischen Gründen rausstreichen, aber unabhängig davon, dass Soziologie in der EF wirklich verzichtbar wäre (SuS, die das gerne machen, sind imho deutlich besser in Pädagogiki aufgehoben), repräsentiert sie mit dem Themenfeld Soziale Ungleichheit nicht nur inhaltlich, sondern auch fachmethodisch (Charts auswerten etc.) einen wesentlichen Teil der Q-Phase und ein Wegfall würde die Erstellung der Abiturklausuren deutlich erschweren. Darüber hinaus gibt es schon das Fach Sozialwissenschaften/Wirtschaft, in dem der Wirtschaftsanteil höher ist.

    wir haben uns damals bei der Umbenennung des Faches Politik in Politik/Wirtschaft und dann Wirtschaft/Politik in der Sek I gefragt, wer das Fach denn unterrichten soll. Dass an aber jetzt das Problem mit Massen an Nachqualifizierungen für die Sek I damit lösen will, dass man einfach die KuK für die Sek II nachqualifiziert - das ist wirklich bildungspolitischer Unsinn.

    hier noch ein paar Links der Verbände dazu:

    https://dvpb-nw.de/reaktionen-auf…wissenschaften/

    Wenn also irgendwo ne Unterschriftenliste auftaucht: bitte hier posten =)

    an allen Schulen, an den ich bisher war, hiess es: die endgültigen Noten legt die Zeugniskonferenz fest. Entsprechend konnten wir auch in Nicht-Coronazeiten keine Zeugnisnoten bekanntgeben - außer halt via Zeugnis. Es bleibt also wie immer: Weitergabe von letzter Klausurnote + mündliche Quartalsnote - da muss man auch nix verklausulieren und was die SuS draus machen ist ihre Sache.

    hm.. ja, im Staatsexamen wurde viel abgeprüft - im BA ja sogar noch viel mehr. viel so Auswendiglernen von Skripten und 5-Personen-Referate, bei denen jedeR mal einen Satz sagen darf. Ím 2-Fach-Magister gabs auf jedenfall weniger offizielle Prüfungen - das war irgendwie ein anderes Lernen; aber klar wäre es möhglich gewesen, sich auch ohne Wissen zur Magisterprüfung anmelden. Jedoch mussten Lehramtsstudierende mit Master of Education an meiner Uni genau 1 Hauptseminar in ihren Fächern besuchen, was mir jetzt schon irgendwie wenig vorkommt, aber vielleicht wird da heutztage auch in den Hauptfachmastern nicht mehr erwartet. Ich muss mich darum auch nicht streiten - dann hab ich mich geirrt und LehrerInnen wissen mehr in ihren Fächern, als Hauptfachleute.

    ja, akademische Berufe sind nicht zwangsläufig besser bezahlt, als der Lehrerberuf - in meinem war es jetzt so, aber dafür hatte ich andere Nachteile zu tragen; irgendwas ist ja immer. Ich hab aber ja auch nicht über das ökonomische Kapital gesprochen. Es ist sicherlich von Uni zu Uni unterschiedlich, aber ich hab in meinem Magister definitiv viel mehr gelernt, als in meinem Master of E - bin entsprechend auch fachlich deutlich breiter und tiefer (sagt man das so?) aufgestellt, als meine KollegInnen, was das Einordnen von (auch bisher unbekannten) Unterrichtsgegenständen erheblich erleichtert, weswegen ich oft um Rat gefragt werde. Selbiges fällt mir eigentlich bei allen KollegInnen auf, die nicht von Anfang an "auf Lehramt" studiert haben. Ist doch auch klar - irgendwas muss wegfallen, wenn man zusätzlich zu den Fächern noch Erziehungswissenschaften studiert.

    es stimmt eindeutig, dass das Ansehen von LuL ne komische Ambiguität aufweist: alle sind sich sicher, dass LehrerInnen theoretisch superwichtig sind, aber die Stammtische sind unzufrieden mit der Realität - vielleicht gerade auch, weil wir so viel verdienen. Gleichzeitig können sich die Personen, die am meisten meckern, nie vorstellen, den Job selbst zu machen. Ich find es übrigens persönlich nicht schlimm, dass ich einen Beruf mit weniger Ansehen habe - ich hab die Wahl ja bewusst getroffen und es gibt wichtigere Aspekte im Leben, als Status.

    ehrlich gesagt belustigt es mich gerade der Gegenwind auf meine Aussage, dass ich den LehrInnenrberuf als Abstieg empfinde. damit ist doch garnicht gesagt, dass der Beruf nicht wichtig ist, ich ihn nicht gern mache oder er sonst keine Vorteile bietet. Aber es ist kein Geheimnis, dass LehrerInnen im Vergleich zu anderen AkademikerInnen eher weniger wissenschaftlich gebildet sind und ihr Ansehen - ganz unabhängig vom Einkommen - halt nicht sehr hoch ist. Ich persönlich hatte natürlich Gründe, meinen Karrierejob zu Gunsten eines Lehrerjobs aufzugeben, aber nur weil ich mir eben kein Bein ausreiße, heißt es nicht, dass ich ein schlechter Lehrer bin. Ich hab meist Spaß am Job, krieg positives Feedback, übernehm Funktionen in der Verwaltung und bin SV-Lehrer - trotzdem bin ich ganz klar kein Anhänger der "Lehrersein-ist-eine-Berufung"-Fraktion - meine Erfüllung such ich mir woanders - und finds auch immer nervig, wenn ich die KollegInnen vertreten muss, die kank sind, weil sie sich permanent Beine ausgerissen haben.

Werbung