Beiträge von BaldPension

    Mich stört hier gerade die einseitige Perspektive. Es wird der Aspekt Lehramtsstudium vs. Seiteneistieg nur "von oben" betrachtet. Wer wirklich Lehrer werden will und vor allem in den Klassen 1 bis 6 unterrichten möchte, sollte nicht unterschätzen, was an pädagogischer Arbeit geleistet werden muss. Und dafür kann ein entsprechendes Studium (+Ref), das nicht nur die reinen Unterrichtsfächer berücksichtigt, gute Grundlagen schaffen. (Nein, ich erzähle jetzt nicht "anekdotisch" von meinen Erfahrungen mit "Nichtpädagogen" im Unterricht...)

    Was die großen Probleme im Schulsystem und in unserer immer egoistischer denkenden Gesellschaft angeht: Die Lösungen dafür sind noch nicht da.

    Du hast pädagogisch gesehen vollkommen Recht, aber es ist auch legitim, wenn man als Berufsanfänger sich Gedanken darüber macht, dass man sich flexibel hält, falls man später nicht mehr in der Schule arbeiten möchte.

    Du hast auch damit Recht, dass unsere Gesellschaft egoistischer geworden ist. Nun ist dieser Egoismus bei der kommenden Lehrergeneration angekommen. Sie ist auch ein Produkt unserer Gesellschaft.8)


    Die Probleme spielen sich da ab, wo die gesunde Lehrkraft nicht zuständig ist. Innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs können wir nur an den Symptomen herumdoktern, Lösungen müssten von weiter oben kommen und sind teilweise auch nicht sehr realistisch, wenn man das GG mag.

    Ich denke nicht, dass das GG ausgehebelt werden müsste, um ein paar Schalter umzulegen.

    Und ja, die maßgeblichen Politiker haben sich auch nicht gerade vor Wertschätzung gegenüber den Lehrern überschlagen. Damit fängt das ja schon an.8)

    Ein Glück für dich, dass du das dann nicht mehr erleben musst. Weil sonst müsstest du dich ja echt aufregen!

    Meine Person oder ob ich mich dann darüber aufregen müsste, falls der Sensenmann mich vergisst, ist überhaupt nicht relevant. Ich mache mir trotzdem Sorgen um unser Bildungssystem und Zukunft unserer Gesellschaft. Beide sehe ich zur Zeit im freien Fall.

    Und ja, irgendwie hatte ich immer den richtigen Riecher. Ich habe es auch schon vor 10 Jahren gesehen, dass sich gesellschaftlich und politisch eine ganze Menge in unserem Land verändern würde. Hätte ich meine Befürchtungen damals hier geschrieben...Oh Jeh!

    ... aber es gibt zwei Punkte, die auch viele ältere Lehrkräfte am Beruf stören, die aber im Zweifel eher Mangels Alternativen ausharren:

    1. Schüler (m/w/d), die den Unterricht stören und

    2. Eltern (m/w/d), die meinen, es besser zu wissen als die ausgebildete Lehrkraft.

    Diese Punkte lassen sich erst dann entkräften, wenn konsequent (unter Unterstützung der Schulleitung und mit Rückendeckung des Kollegiums) gegen Unterrichtsstörungen vorgegangen wird, und wenn die Rechtsprechung wieder zulässt, dass pädagogische Entscheidungen innerhalb der Bildungsbiographie junger Menschen von pädagogischem Fachpersonal (nicht von den Eltern) entschieden und nur von den Eltern ausgeführt werden.

    Mein Reden! Aber, nur Rückendeckung durch SL und Kollegium wird nicht genügen. Es muss insgesamt eine gesellschaftliche Umkehr eingeleitet werden. Wir haben weder eine gesellschaftliche Klammer noch einen Erziehungskonsens. Natürlich auch schon schlimm genug, wenn letzterer nicht mal in den Lehrerkollegien herrscht.8)

    In Bayern ist es so, dass zunehmend Leute nach dem Ref ihr Einstellungsangebot ausschlagen. Von fast 1200 Absolventen am Gymnasium nahmen bei Volleinstellung nur 900 ihr Planstellenangebot an. Wäre früher undenkbar gewesen, dass man eine Planstelle ausschlägt.

    https://www.bllv.de/themen/weitere…stellungszahlen

    Ich denke schon, dass sich ein weiterer Trend in diese Richtung abzeichnen wird. Und das Gymnasium ist ja eigentlich noch die beliebteste Schulart. Sind die Grundschulen davon nicht mehr betroffen?

    Ich denke auch, dass das mit zugenommenen sozialen Konflikten in den Schulen zusammenhängt, kombiniert mit dem kompromissloseren Anspruch der jungen Menschen an den Arbeitsplatz Schule.

    Man kann das alles runterreden, relativieren, beschönigen, aber die Situation/Zukunft für unsere Schulen wird es nicht verbessern. Und irgendwann ist es zu spät.8)

    Natürlich gibt es das in jedem Beruf. Selbst wenn man nie im Leben in seinem Beruf (egal ob als Lehrer oder Fliesenleger oder <beliebige Berufsbezeichnung>) weiterarbeiten wollte, kann man sich in der Rente oder Pension zu Tode langweilen, wenn man keine Beschäftigung hat, die man machen möchte.

    In der Rente/Pension "zu Tode langweilen" muss ich Dir Recht geben. Das ist völlig unabhängig von dem Beruf, den man vorher gemacht hat. Bloß, glaube ich weniger, dass ein Fliesenleger mit kaputtem Knie, dann gerne noch für ein paar Stündchen im alten Betrieb tätig sein würde. Beim Lehrerberuf kommt mir das bei einigen pensionierten Kolleginnen/Kollegen etwas anders vor, obwohl sie am Ende ihrer Dienstzeit eigentlich fix und fertig waren.

    Aber für alle Berufsgruppen gilt natürlich, man muss sich auf den Ruhestand rechtzeitig vorbereiten. Sonst kann es schnell passieren, dass man ehemaligen Arbeitgebern, Kolleginnen/Kollegen, Kindern, Enkeln... schnell auf den Geist geht.8)

    Einen wunderschönen guten Tag, werte Kolleginnen und Kollegen,

    auch ich sehe die Gen Z nicht ganz unkritisch. Mir zu viel mit Digitalgesimmse beschäftigt, Work-Life-Balance-Orientierung, weniger Resilienz, insgesamt andere Denke, Zweifel an der Allgemeinbildung...Als alter Weißer Mann sei mir das zugestanden, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass der Arbeitsplatz Schule gerade für die jungen Lehrerinnen und Lehrer attraktiv genug sein sollte, wenn das Schulsystem nicht bald kollabieren soll.

    Ich sehe es in meinem Umfeld, dass es wesentlich häufiger als früher vorkommt, dass Referendare/Junglehrer ihren Job hinklatschen und dann ganz was anderes machen. Trauen sich einfach.

    Nun kann man, wenn man zum alteingesessenen Pädagogischen Establishment gehört, bei den Abbrechern mutmaßen mit z.B., können heute eh nichts mehr ab, werden wohl nicht geeignet sein, zu verwöhnt, haben eh keine Arbeitseinstellung, immer diese Work-Life-Balance...

    Zum Nachdenken hat mich der Ex Ceo Michael Stoermer gebracht, der die Alteingesessenen in ihren Betrieben zum Umdenken auffordert. Mit alter Denke und Autoritätsgehabe packt man die Gen Z nicht, auch nicht unbedingt mit mehr Geld. Die Gen Z möchte den Sinn hinter ihrer Arbeit sehen. Und sieht sie ihn nicht, kündigt sie innerlich sehr schnell und zeitversetzt bald äußerlich. Mit den Generationen früher nicht vergleichbar. Also, nicht nur Schule ist davon betroffen.

    Nun zurück zum Thema Schule (Stoermer ist ein Mann der Freien Wirtschaft): Von den jungen Abbrechern und (ernsthaften) innerlichen Kündigern, haben wir alten Hasen, zu denen sie Vertrauen haben/hatten, erfahren, dass es nicht daran läge, dass z.B. Schulleitung und Kolleginnen/Kollegen sch**** seien, oder ihnen die Mühe der Unterrichtsvorbereitungen/Korrekturen zu viel sei. Geld würde absolut kein Thema sein. Als Generallinie kam dabei heraus, dass sie sich nicht mehr den sozialen Konflikten in der Schulstube und mit den Eltern ausliefern möchten. Es wurde auch drastisch sinngemäß geäußert, dass sie keinen Sinn darin sähen, das Leben als sozialer Fußabtreter zu verbringen.

    Ob das alles so objektiv ist, wie es immer häufiger von jungen Menschen geäußert wird, sei mal dahingestellt. Aber, die subjektive Befindlichkeit sorgt nun mal dafür, dass der Lehrerberuf nicht gerade an Attraktivität gewonnen hat.

    Was ist nun eigentlich zu tun? Ich fürchte, dass immer mehr junge Menschen diesen Beruf erst gar nicht anstreben werden. Ich meine, es wird nicht mehr reichen, an den Schulen an Symptomen zu arbeiten, auch wenn die Maßnahmen in den Kollegien noch so engagiert entwickelt werden . Nein, es muss ein viel dickeres und härteres Brett gebohrt werden. Die Gesellschaft muss (!!) umkehren und endlich, bzw. deren Kinder, wieder schulfähig werden. Eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber ist jetzt mehr als geboten.

    Wie diskutiert Ihr darüber in Euren Schulen, mit Elternvertretern...? Oder bleibt Ihr beim Nachdenken über die Symptombeseitigung stecken? Eins ist mir klar, es kann und darf so nicht weitergehen!

    Oder sehe ich das alles völlig falsch? Also, Feuer frei!8)

    Ah, ja klar. Die Frau ist Schuld, weil der Mann sich nicht beschäftigen kann. Wie überraschend.

    Hast Du noch was aus der Klischeekiste beizutragen?

    Alle? Was Du alles weißt!

    Habe ich doch gar nicht gesagt, dass die Frau daran schuld ist. Kann ja auch an dem Herrn liegen. Das weiß ich doch gar nicht. Ich weiß ja noch nicht mal, ob da überhaupt was dran ist. Ich habe "man munkelt" geschrieben. Ich war nicht derjenige, der gemunkelt hat. Noch Fragen?

    Wenn ich 'alle' schreibe, beziehe ich mich auf konkrete Personen, die ich aus meinem Umfeld kenne. Bitte um Verzeihung, wenn das jetzt missverständlich war.8)

    Die gibts wohl in jedem Job und nicht nur unter Lehrern.

    In jedem Job bestreite ich. Du hast mal im Tiefbau, als Fliesenleger oder in der Pflege gearbeitet? Die sind da mehr als froh, wenn sie in die Rente kommen.

    Aber Du hast damit Recht, dass es auch außerhalb des Lehrerjobs so etwas geben kann, wie ich es beschrieben habe.

    Gerade neulich von einem Mitarbeiter einer großen Firma gehört, dass ein bestimmter Rentner für einige Stunden in der Woche in seiner ehemaligen Büroabteilung "vorbeischaut". Resultat sei wohl so, dass er etliche Dinge verbockt und die jüngeren Mitarbeiter eher behindert. Der Chef mag ihn nicht nach Hause schicken. Mitleid, langjährige Verbundenheit und wohl dauernd Zoff mit der Ehefrau im Hause des Rentners, wie man munkelt.8)

    Jemand der bis zur regulären Pension arbeiten will, hat also "nur Schule"? :ka:

    Da kenne ich einige Kolleginnen und Kollegen. Kannten nur die Welt Schule und fielen dann in ein tiefes Loch als der Tag der Pensionierung kam. Da half auch das ganze Herumgereise nicht.

    Einerseits waren sie fix und alle nach den vielen Dienstjahren, andererseits sind sie sehr zerknirscht, dass die ehemalige Chefin sie nicht fragt, ob sie noch ein paar Stündchen machen könnten.

    Eine sinnerfülltende Tätigkeit/Hobby kann man nicht so einfach aus dem Nichts aufbauen. Man muss sich Jahre vorher die Basics dafür zurechtlegen.8)

    es gibt auch Menschen, die gerne Lehrer sind, ich habe vor, auf jeden Fall bis 67 zu arbeiten und vielleicht ein paar Stunden noch anschließend, wenn man mich noch will. ;) Ich käme daher nie auf die Idee, mich BaldPension zu nennen (und das über einige Jahre, du bist ja schon länger angemeldet, beim letzten Schuljahr könnte ich den Namen noch nachvollziehen).

    Müssen muss niemand, jeder kann jederzeit aufhören. Deine Frage bringt auf jeden Fall negative Gefühle herüber, brauche ich nicht.

    Ich werde Dich für das (pädagogische) Bundesverdienstkreuz vorschlagen!

    Im Ernst, ich finde es ganz, ganz super, wenn Du Dich für die Schüler noch so lange einbringen möchtest.

    Zu diesem Typus Lehrer gehöre ich nicht. Ich habe mir schon vor etlichen Jahren mehrere Tätigkeitsfelder und soziale Netzwerke außerhalb der Schule aufgebaut. Nur Schule ist einfach nicht mein Leben.

    Wenn Dich meine Frage und Pseudonym so triggern sollten, solltest Du Dich fragen, ob es nicht an Dir liegen könnte.8)

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