Ich habe ein Studium normal mit 21 begonnen und es auch beendet. Dennoch habe ich mit 27 ein Zweitstudium (Lehramt) angefangen und arbeite jetzt als Lehrer.
Bei mir war es so, dass ich das Lehramtsstudium aus finanziellen Gründen nicht abschließen konnte. Ich hatte zeitweise drei Jobs und habe auch das Zweitstudium begonnen, während im Erststudium noch die Abschlussarbeit anstand … das ging ab einem bestimmten Punkt nicht mehr so weiter. Daher arbeite ich jetzt zwar in dem Beruf, den ich mir mit Mitte/Ende 20 ausgesucht hatte, verdiene aber, auf die gesamte Lebenszeit gesehen, als Seiteneinsteiger 300.000 oder 400.000 € weniger als meine Kolleginnen.
Ich würde die Entscheidung daher nicht zuletzt von deinem finanziellen Hintergrund abhängig machen. Hast du selbst schon Vermögen oder sind da Menschen, die dir ggf. den Rücken freihalten können, so dass du nicht neben dem Studium noch Monat für Monat für eine Summe x - seien es 600 oder 900 oder 1200 € - arbeiten musst?
Ansonsten:
- Introversion und ein guter Lehrer sein sind nicht inkompatibel.
- Deine Wünsche sind wichtiger als die Vorstellungen deines Umfelds.
- Als Grundschullehrer mit voraussichtlich A13 kannst du dir schon auch ein gutes Leben machen.
- Ja, irgendwann sollte man seinen Abschluss machen und Geld verdienen. Aber wir alle arbeiten (regulär) bis 67 oder 70 oder 73, da spielen fünf Jahre keine Rolle.
- Ja, du hast schon viel Zeit und Geld investiert, aber ich möchte auch auf das Mehr an Erfahrungen und Wissen nicht verzichten (ggü. den Kolleginnen, die mit 19 ins Studium gegangen sind und mit 25 ins Berufsleben gestartet sind.)
- Mir würde jetzt kein Argument einfallen, das gegen Männer im Grundschullehramt spricht. Vereinzelte Argumente dafür allerdings schon. Ich bin selbst übrigens auch männlich.
- Alleine, dass deine Eltern hinter dir stehen und du sie mit deiner Entscheidung nicht unglücklich machen würdest, ist ein riesengroßes Plus!