Beiträge von Gymshark

    Nein, das Abendland wird sicher nicht untergehen, weil Schüler eine 2. Fremdsprache erlernen. Dass Deutschland (und eigentlich Europa insgesamt) nicht mehr wettbewerbsfähig ist und in entscheidenden Schlüsselbereichen den Anschluss verliert, ist hingegen kein Geheimnis. Und zum Gegensteuern wären andere Bildungsinhalte als eine 2. Fremdsprache auf Basisniveau vermutlich sinnvoller.

    Ging es denn beim Gymnasium jemals um die Wettbewerbsfähigmachung von jungen Leuten? Ich bezweifle, dass vor 50 Jahren die Welt neidisch auf die Deutschen mit ihren tollen Latein- und Gedichtinterpretationskenntnissen schaute. Da ging es doch um ganz andere Funktionen, ganz andere Werte, die hinter der Vermittlung der Bildungsinhalte standen.

    chilipaprika : Ist es bei euch üblich, eine 2. Fremdsprache in der Sek II durch eine andere 2. Fremdsprache zu "tauschen"? Bei uns wählen die allerallermeisten Schüler eine neueinsetzende 2. Fremdsprache, wenn sie in der Sek I keine hatten. Ich kann jetzt aus der Ferne schlecht einschätzen, ob das ein NRW-Phänomen ist oder eher eines deines erweiterte Einzugsgebiets.

    Bei uns hat Französisch kein derart schlechtes Image. Im Vergleich kommt da manch eine Naturwissenschaft deutlich schlechter weg.

    Ich bin der Meinung, dass der Anteil der Schüler, die, unabhängig von Fremdsprachen, versuchen, ihre gesamte Schullaufbahn damit verbringen, den geringsten Aufwand zu betreiben, zumindest im Gymnasialzweig stark sinken würde, wenn die Anforderungen, um überhaupt am Gymnasium beschult werden können, stark (!) ansteigen würden. Da kämpft man aber zumindest in NRW gegen Windmühlen. Aktuell habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass dieses Thema unter Bildungspolitikern als akutes Problem wahrgenommen wird.

    Ich würde aber mal behaupten, dass du, Chili, derzeit einfach an der falschen Schule bist, an der ein starkes Ressentiment gegenüber dem Unterrichtsfach Französisch zu herrschen scheint, das wiederum dazu führt, dass kaum einer das Fach noch freiwillig in der Sek II belegen möchte. Wie sieht es denn an anderen Schulen in der Umgebung aus? Wäre eine Abordnung/Versetzung an eine Schule mit mehr Französischbedarf eine Möglichkeit?

    Aus eigener Erfahrung: Mitmenschen können viel Schabernack mit Namen, die über "Hans Müller" hinausgehen, anrichten. Der Einzelne hat wenig Auswirkungen auf die eigene Namensgebung (Ausnahme: Heirat/Scheidung). Eltern müssen bei der Namensgebung wissen, dass ihre Kinder damit 80 oder mehr Jahre leben müssen - mitsamt möglicher Korrekturen falscher Aussprachen/Schreibungen; Rechtfertigungen, welche Teile des Namens genannt werden und welche nicht; Unklarheit, ob der Namensträger ein Mann oder eine Frau ist, etc.

    Bei deinen Ausführungen musst du bedenken, dass Förder- und Mittelschüler keine 2. Fremdsprache belegen und Schüler im Realschulzweig nur, wenn sie ihren Wahlpflichtschwerpunkt entsprechend setzen. Es gehen nicht alle Schüler auf das Gymnasium. Rechnet man alle Nichtgymnasiasten heraus, dann erscheinen die Werte schon nicht mehr zu gering. Davon abgesehen, dass natürlich auch ein Teil der Gymnasiasten klassische Sprachen als 2. Fremdsprache, bei denen der Unterricht nicht primär darauf abzielt, zielsprachige Unterhaltungen zu führen, lernt.

    Das Phänomen, was du beschreibst, gibt es, aber durchaus in alle Richtungen. Im Grunde kann man dem nur gerecht werden, wenn (und das wurde ja im Thread immer mal wieder angedeutet) das deutsche Schulsystem zu einem Kurssystem ausgebaut wird, indem jeder Kurse nach seinen Stärken wählt. Da würde jemand, der mathematisch seine Schwächen hat, womöglich nur den Grund- oder Einführungskurs wählen, und in Französisch zusätzlich noch Fortgeschrittenen- und Erweiterungskurse. Das wäre eine Möglichkeit, würde aber wieder zu der Frage führen, ob man eher mehr Individualisierung oder mehr Gemeinschaft in der Schule möchte. Und natürlich, ob man gesamtgesellschaft eher auf Spezialisierung oder breite Allgemeinbildung setzt.

    Es geht in der Debatte auch gar nicht darum, das Erlernen von Fremdsprachen ganz abzuschaffen, sondern darum, dass bestimmte "neue" Inhalte unbedingt in Schule aufgenommen werden sollten, um auch in Zukunft als Land wettbewerbsfähig zu sein und zu überlegen, wie man die Verteilung der zugehörigen Lernzeiten anders gestalten kann.

    Schmidt hat dazu bereits ein paar Inhalte genannt, z.B. Wirtschaft und Recht. Sind das die Inalte, die du auch im Kopf hast oder andere?

    War das Ziel von Schule "schon immer", als Land wettbewerbsfähig zu sein oder zählen hier womöglich auch andere Funktionen?

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