Beiträge von Gymshark

    Dass einen ein regelmäßig problematisches Schülerverhalten nervt, ist völlig klar und würde jedem so gehen. In dem Fall ist es wichtig, im Vorfeld zu überlegen, wann du wie reagierst und das konsequent und transparent umsetzt, idealerweise noch protokollierst. Wenn möglich, sollte auf emotionale Reaktionen deinerseits verzichtet werden, da das schnell nach hinten los geht, wenn der Schüler Eltern hat, die dann doch etwas genauer hinschauen. Im vorliegenden Fall würde ich der Mehrheit Recht geben: Mit Bescheinigung normales Nachschreiben, ohne Bescheinigung Schreiben in der Restzeit. Jetzt muss ihr ein regulärer Nachschreibtermin angeboten werden.

    Deine Schüler sind nicht mehr schulpflichtig, oder? Wenn nein, dann werden sie nach wiederholter Unterrichtsstörung rausgeschmissen. Du machst dir eine kleine Bemerkung und weiter geht's. Mehrere Striche oder was auch immer ziehen dann die Mitarbeitsnote nach unten und wenn da eh schon wenig kommt, wird aus der 4 schnell eine 5 oder 6."Ich will aber Fachhochschulreife." ??? "Hausaufgaben machen, im Unterricht mitmachen, nicht stören, Klausuren gut schreiben = Fachhochschulreife."

    Häh? Genauso funktioniert es hier. Es geht nur ums Bestehen der Matura und des Medizinertests. Dass du offensichtlich daran zweifelst, dass das funktionieren könnte, sagt mehr über dich als übers System aus. Noch mal: Es gibt zu wenig Medizinstudenten, nicht zu viele. Der Staat stellt die nötigen Studienplätze nicht zur Verfügung weil sie zu teuer sind. Das ist der einzige Grund für den Noten-NC.

    Klingt als ob eure Jugendlichen intrinsisch motiviert sind und nicht auf Minimalmodus schalten, sobald etwas mal nicht benotet wird. Am Ende geht es um etwas Größeres als nur den Abischnitt und den NC, die Sinnhaftigkeit von Noten generell im deutschen Bildungssystem.

    Integrierte Gesamtschule für alle bis Klasse 10, danach Ausbildung, danach Studium. Das dauert nicht länger als G9+ Studium. Im Gegenteil, man hat schon viele Inhalte in der Ausbildung gelernt auf die man dann aufbaut. Neben dem Studium kann man doch perfekt arbeiten, wenn man bereits eine abgeschlossenen Berufsausbildung hat und man lernt direkt etwas für die Praxis.

    Aber darauf zielt unser System nicht ab. Das lebt quasi davon, dass aussortiert wird.

    Das kann man durchaus kritisch sehen, da integrierte Gesamtschulen in der Praxis der Spannbreite der Leistungsniveaus nicht immer gerecht werden. Je nach Standort wird sich da teilweise (Es gibt auch gute integrierte Gesamtschulen, die hiervon nicht betroffens sind!) am Leistungsmittel oder sogar am Leistungsende orientiert. Da hängt es allgemein davon ab, ob man eher den sozialen Aspekt des gemeinsamen Lernens oder doch eher die Förderung der besonders Leistungsstarken in den Vordergrund stellen möchte.

    Nicht jedes Studium erlaubt "nebenher perfekt Arbeiten". Es gibt teilweise sehr arbeitsintensive Studiengänge, vor allem im MINT- und Gesundheitsbereich.

    Versuche dann mal einem Jugendlichen mitzuteilen, warum er sich dann überhaupt noch 12-13 Jahre in der Schule anzustrengen braucht, wenn es am Ende nur ums Bestehen geht und ein einziger Test wiederum entscheidet, ob man Arzt werden darf oder nicht!

    ISD: Pflegeausbildung + Studium + Facharztausbildung? Dauert nicht nur sehr lange bis du fertig ausgebildete Ärzte hast, es würden erst recht nur diejenigen studieren, die es sich leisten können, 10 Jahre lang kaum Einnahmen von außen zu haben (erst in der Facharztausbildung fängt man ja an, Geld zu verdienen). Es würde zudem den Ärztemangel befeuern, denn wer lebt 10 Jahre auf Existenzminimum und muss die Familienplanung nach hinten schieben, wenn ehemalige Mitschüler schon jahrelang in Lohn und Brot sind?

    Natürlich studieren nur so viele, wie der Staat Plätze zur Verfügung stellt. Natürlich würden viel mehr wollen, wenn es die Plätze gäbe.

    Eigentlich ist es in Deutschland auch so. Problem ist nur, dass die zur Verfügung stehenden Plätze eher an den räumlichen und personellen Ausstattungen der Hochschulen statt dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt orientiert sind. Vergleich Anglistik und Medizin. Es ist paradox, dass der NC für Medizin vielerorts bei 1,0-1,1 liegt, man am Ende aber wieder auf Ärzte aus dem Ausland angewiesen ist, die dort wiederum fehlen. Sinnvoller wäre es, mehr Personal und Ausstattung zu schaffen, sodass mehr Ärzte ausgebildet werden können. Im Gegenzug kann ja der NC für Anglistik auf 1,1 hochgesetzt werden.

    Heutzutage sehe ich Schüler, die nach mehreren Jahren Studium (Physik, Informatik u.ä. ) abbrechen und dann doch eine Lehre machen (Fachinformatiker). Da hätte ich zur umgekehrten Reihenfolge geraten.

    Ich fürchte, es hilft nur mantraartig, auf die Ausbildung als mögliche Qualifizierung zur Berufsausübung hinzuweisen und deren Vorteile gegenüber dem Studium aufzuzeigen. Hannelotti hat ja bereits darauf hingewiesen, dass es derzeit eine der zentralen Aufgaben in ihrem Tagesgeschäft ist und ich sehe leider auch den Bedarf hier, weil einfach extrem viele Fehlvorstellungen bei Schülern vorhanden. Ich weiß nicht einmal, wo diese herkommen, aber es besteht bei ganz vielen Jugendlichen ein undifferenzierter und unreflektierter Wunsch nach Studium, obwohl Antimon völlig korrekt, aufzeigte, dass eine gefragte Fachkraft durchaus mehr verdienen und bessere Jobchancen als ein ungefragter Akademiker haben kann.

    Hätten die Schüler aus deinem Beispiel gleich die Fachinformatikerausbildung gemacht, wer weiß, ob sie sich nicht nur Zeit, sondern auch viele Rückschläge und Misserfolge erspart hätten. Außerdem wäre bei besonders guten Leistungen (auch hier wieder nicht die Generallösung für alle, sondern die fachlich besonders Versierten!) die Weiterbildung zum Meister für Informationstechnik möglich - und damit kann man bereits ordentlich Karriere machen, wenn denn gewünscht.

    Wenn wir mal von der Normalverteilung ausgehen, ist 50% Gymnasium, 40% Realschule nicht ziemlich viel, vor allem mit dem Wissen, dass die aktuelle Abiturientenquote eigentlich ein gutes Stück zu hoch ist?

    Auch mal ein anderer Gedanke: Der deutsche Staat macht jedem Kind, jedem Jugendlichen ein Bildungsangebot. Bei Bildungsungerechtigkeit geht es ja im Jahr 2023 ja weniger darum, dass Lehrer X Schüler Y aufgrund seiner sozialen Zugehörigkeit schlechter bewertet/behandelt als Schüler Z, sondern eher dass Schüler Y sich bewusst oder unterbewusst den Angeboten verweigert. Wir betreiben sehr großen Aufwand, um diese Schüler doch irgendwie für Lernen und Bildung zu begeistern, verwenden hierfür fast mehr Mühe als für Schüler, die bereits in den Startlöchern stehen und Gas geben wollen. Klar, am Ende ist die Motivation dahinter, zu vermeiden, dass wir Leute generieren, die dem Staat auf der Tasche liegen, im schlechtesten Fall kriminell werden. Aber tun wir das nicht bereits? Die Jugendlichen, die ich kenne, die nicht aus dem Quark kommen, wissen insgeheim, dass Mama doch regelt und wenn da keine Unterstützung zu erwarten ist, hilft am Ende der Staat.

    Ein pragmatischerer Ansatz wäre, zu sagen, dass diejenigen, die die Angebote annehmen, Unterstützung bekommen, und die, die sie verweigern, Pech haben. Es muss nicht jeder auf's Gymnasium gehen. In der Zeitung suchen sie wieder Lagermitarbeiter, Reinigungs- und Spülkräfte; ich sehe regelmäßig Anzeigen für Mitarbeiter im Baugewerbe. Die Jobs kann man auch mit einem Hauptschulabschluss durchführen.

    In welchen Bundesländern entscheidet denn die Grundschullehrkraft überhaupt über die weiterführende Schule? In NRW entscheiden die Eltern letztendlich, wo sie ihr Kind anmelden.

    Ich habe Arianndi eher so verstanden, dass damit die vorangehende Beratung der Eltern durch die Grundschullehramt gemeint ist, ehe die Eltern die Entscheidung treffen. Das ist doch auch in NRW so, oder?

    Man sollte einer Grundschullehrkraft mit 5 Jahren Studium und 1,5-2 Jahren Referendariat vertrauen, dass sie weiß, was sie tut. Auch Lehrer machen Fehler, aber dieses Restrisiko hast du bei allen Berufen.

    Dass aber gar keine Rückmeldung kommt, stimmt so auch nicht. Die Klassenleitungen Klasse 5 sehen ja nach kurzer Zeit, welche Schüler bei ihnen in den Klassen sitzen und wenn da die vorhandenen Kenntnisse regelmäßig und bei einem erheblichen Teil der Schüler deutlich unter dem liegen, was gemäß dem Curriculum Ende Klasse 4 zu erwarten ist, kommt da durchaus eine Rückmeldung an die abgebenden Grundschulen.

    Viele Wechsel in der Sek I könnten zwei Dinge bedeuten:

    1. Der Schüler hat sich leistungsfähig und -willig noch einmal stark verändert nach nur wenigen Jahren.

    2. Die zuvor getroffene Entscheidung folgte aus den falschen Gründen.

    chilipaprika : Du hast Recht, dass Erst- und Fremdspracherwerb unterschiedlichen Mechanismen folgen, unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt sind. Grundsätzlich würde ich dir zustimmen, dass Erstspracherwerb (von Ausnahmen der Sprachentwicklungsstörungen) leichter abläuft, wobei auch hier diverse Faktoren wie die Qualität des sprachlichen Inputs und die eigenen kognitiven Fähigkeiten eine Rolle spielen. Mir ging es zuvor darum, zu erwähnen, dass man Sprachen so eigentlich nicht isoliert betrachten kann, sondern immer als Bestandteil des sprachlichen Lexikons. Bei einem durchschnittlichen Gymnasiasten bist du bereits bei mindestens drei Sprachen. Du hast sicher den einen oder anderen Schüler, der damit schon an seine Grenzen des Leistbaren kommt. Bei manchen Jugendlichen liegt die Kapazitätsgrenze höher, wobei es auch mit jeder zusätzlichen Sprache schwieriger wird, die grammatischen Systematiken voneinander abgrenzen zu können, Stichwort Entlehnung.

    Kenntnisse in mehreren Sprachen sind immer ein Vorteil, das auf jeden Fall. Du hast ja schon richtig erkannt, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem es für die meisten Normalbegabten schwierig ist, in noch einer weiteren Sprache ein respektables Sprachniveau zu erreichen.

    Beim Beispiel Griechisch/Italien: Das Kind/der Jugendliche lebt in Deutschland, wo Deutsch die Sprache von Verwaltung, Handel, Bildung und Alltag ist. Englisch ist in fast allen Schulformen verpflichtende Fremdsprache. Im Gymnasium, im Wahlpflichtbereich auch an der Realschule (bzw. die bundeslandspezifische Version hiervon), kommt noch eine 2. Fremdsprache dazu; teilweise ist im Wahlpflichtbereich noch eine 3. Fremdsprache möglich.

    Alleine dadurch bist du bereits bei mindestens 3 Sprachen mit vergleichsweise hoher Relevanz.

    Die Alltagsrelevanz von Italienisch und Griechisch ist im Vergleich zu den zuvor genannten Sprachen in Deutschland vergleichsweise gering und wenn die Eltern/Kernfamilie auch die deutsche Sprache beherrschen, fällt mir höchstens noch der Urlaub bei entfernten Verwandten in einem der Herkunftsländer als möglicher Kommunikationsanlass ein.

    Ich habe kaum Sus mit Deutschproblemen. Bei manchen könnte der Wortschatz abwechslungsreicher sein, aber das sind eher Luxusprobleme. Ist aber natürlich eine Sache des Einzugsgebiets und vor allem der Schulform. Aus dem Alltag und selten von Vertretung kenne ich natürlich Jugendliche, deren Deutschkenntnisse noch Luft nach oben haben. Wie es sich hier mit den Kenntnissen in der Muttersprache verhält, kann ich aufgrund eigener fehlender Kenntnisse in der Sprache nicht beurteilen.

Werbung