Beiträge von Gymshark

    Spannend! Dann scheinen die ganzen Boy Day-Aktionen und andere Projekte ja doch etwas zu bringen. Es muss ja auch kein 50:50-Verhältnis sein, aber wenn manch ein Mann durch diese Informationsquellen für sich feststellt, dass er ganz gut mit Kindern kann und diese beruflich in jungen Jahren begleiten möchte, hat sich der Aufwand doch schon gelohnt.

    Ich habe schon mitbekommen, dass der Erzieherberuf durchaus interessant ist für Männer Ü30, die sich noch einmal beruflich neu orientieren, nachdem sie merkten, dass ihnen ihr erster Beruf (insbesondere wenn dieser eher nichts mit Pädagogik/Soziales zu tun hatte) doch nicht so liegt wie zunächst erhofft. Ist es nur ein subjektives Gefühl oder entscheiden sich ganz allgemein in den letzten paar Jahren wieder mehr Männer für den Erzieherberuf?

    Ist das in diesem Fall wirklich politisch korrekt, wenn klar ist, dass das alles andere als "wertschätzend" gemeint ist?

    Das hängt davon ab, was man unter "political correctness" versteht - Form, Inhalt und/oder dahinter stehende Intention. Ich habe schon Kritiken des Konzepts gelesen, die hervorheben, dass A geschrieben werde, um negatives Feedback zu vermeiden, aber tatsächlich B gemeint sei.

    Im Grunde lässt sich die Intention nur dann kennen, wenn man eine Person oder dessen Beiträge in ausreichendem Maße kennt, um beurteilen zu können, ob sowas wie "verhaltenskreativ" wertverschätzend oder neutral oder ablehnend gemeint ist.

    Aufgrund der sogenannten unteilbaren Aufgaben sollte eine 50%-Stelle zu einem gut unterhälftigen Deputat führen. Dass das nicht der Fall ist und zusätzliche Verwaltungs- und Differenzierungstätigkeiten nicht im Deputat Berücksichtigung finden, zeigt, dass der Bildungspolitik die Rahmenbedingungen unseres beruflichen Handelns nicht wirklich immer bewusst sind. Daher ist A13 für alle ein erster Schritt der Anerkennung, ändert aber nichts an der unverhältnismäßigen Arbeitsbelastung durch Zusatzaufgaben und bei Teilzeit.

    Und? In welchen von beiden Fällen ist es OK bei den Menschen diejenigen mit Behinderung auszunehmen?

    Ich wollte darauf hinaus, dass der springende Punkt nicht die Kunden sind, sondern die Tätigkeit selbst, also das Backen bzw. das Verkaufen. Verändere ich die Tätigkeit, verändert sich auch die Kundschaft, aber das heißt nicht, dass die Kunden das Hauptproblem sind.

    Da ist die Gastronomie vielleicht ein besseres Beispiel. Man kann als Servicekraft in einem Sternerestaurant arbeiten oder in einem Imbiss/Fast Food Lokal. Beides hat seine Vor- und seine Nachteile. Wäre es falsch, wenn jemand in einem Sternerestaurant arbeitet und sagt, dass er nicht in einem Imbiss arbeiten möchte? Es macht ja schon einen Unterschied, ob man eine Weinempfehlung ausspricht oder Currywurst mit Pommes serviert. Und darum geht es hier: Keiner sagt etwas gegen Currywurst mit Pommes, aber deswegen darf man sich selbst eher für die Weinempfehlung entscheiden, oder?

    Das sind alles Optionen, die eintreten können, aber nicht müssen. Es gibt Bundesländer, in denen man Lehramt gleichermaßen für den Einsatz in Gymnasien und Gesamtschulen studieren kann, z.B. NRW. In BW ist das noch einmal ein bisschen getrennt, auch durch die Trennung von PH und Uni. Es gibt Gemeinschaftsschulen, an denen auch ausgebildete Gymnasiallehrer tätig sind. CDL weiß hierzu womöglich mehr.

    Wegen des Heimataspekts, siehe letzter Satz meines letzten Beitrags. "Heimat" muss natürlich nicht nur der Ort, in dem man aufwuchs, sondern unter Umständen auch einfach ein Ort, in dem man schon länger wohnt und in dem man sich sehr wohlfühlt, vielleicht dort mit einem Partner zusammenlebt oder ähnliches.

    Ich persönlich würde immer den umgekehrten Weg nehmen: Fächer studieren, die mir liegen und mich begeistern und dann zusehen, dass ich da zu den Besten gehöre und bei der Jobsuche örtlich flexibel sein und Netzwerke knüpfen. Ich hab natürlich leicht reden, weil es bei mir zufällig Mangelfächer waren. ;)

    Man muss halt heutzutage fairerweise ergänzen, dass, wenn man diesen Ansatz verfolgt und es sich nicht um Mangelfächer handelt, vielerlei Möglichkeiten des Einsatzes möglich sind: schulformfremder Einsatz (Grundschule, Förderschule, Gesamtschule), fachfremdes Unterrichten, Einsatz im Brennpunkt, auf dem Land oder fernab der Heimat.

    All das muss nicht, kann aber passieren. Keiner dieser Punkte ist auch per se problematisch, vorausgesetzt, man ist sich bewusst, worauf man sich einlässt.

    Dann ist die Frage, wenn Kompromisse eingegangen werden müssen, wo der benötigte Aufwand zur Neuorientierung am geringsten ist. Ehrlich gesagt ist die Arbeit bei allen drei Aspekten sehr groß, da das Lehramt eben so hochspezialisiert ist. Mathematik folgt einer ganz anderen Didaktik als sagen wir mal Kunst. Zwischen Grundrechenarten und Analysis liegen fachlich auch noch einmal Welten. Und auch pädagogisch ist der Umgang mit Sechsjährigen ein ganz anderer als mit Achtzehnjährigen.

    Und was „ich möchte/will nicht“ anbetrifft. Was kann den der Grund sein, dass man nicht an einer Förderschule arbeiten möchte? Soll das wirklich nichts mit den Menschen mit Behinderung, die dort unterrichtet werden, zu tun haben?Dann hätten wir schon mal eine Voraussetzung für die Inklusion erfüllt, wenn zwar alle mit Menschen mit Behinderungen arbeiten möchten, halt nur nicht an Förderschulen.

    Die Entscheidung für Lehramt basiert immer auf drei Aspekten:

    - Welche Fächer möchte ich unterrichten?

    - Welche Altersgruppe möchte ich unterrichten?

    - Auf welchem Anspruchsniveau möchte ich unterrichten?

    Ist einem total wichtig, Wissenschaftspropädeutik und Inhalte auf fachlich hohem Niveau zu vermitteln, fällt alleine dadurch die Arbeit mit kognitiv eingeschränkten Menschen aus. Anders sieht es natürlich aus, wenn das Hauptinteresse in der Vermittlung von fachlichen Grundlagen und lebenspraktischen Kompetenzen liegt.

    Vorab finde ich es super, dass du realistische Erwartungen hast, dir bewusst bist, dass die Einstellungschancen je nach Schulform sehr unterschiedlich sind und dass ein Mangelfach deine Chancen massiv steigern kann. Beide Fächer sind für beide Schulformen derzeit stark gesucht. Mit Mathematik bist du noch breiter einsetzbar, wobei das natürlich auch sehr von dem Zweitfach abhängt, das du jetzt noch nicht erwähnt hast. Hast du hierfür schon eine konkrete Idee oder bist du hier offen für Vorschläge? Gerade im Bereich der beruflichen Schulen gibt es viele berufliche Fachrichtungen mit Mangel und wenn diese mit einem allgemeinbildenden Fach Informatik oder Mathematik kombiniert werden, hat man schon ziemliche Einstellungsgarantie. Transparenterweise sollte ich jedoch erwähnen, dass das Mathematikstudium sehr anspruchsvoll ist und nicht jedem liegt. Ein paar wenige Mathematiklehramtsstudenten entdecken im Studium ihr Faible für diese doch eher abstrakte Form des Mathematiktreibens, aber für viele ist es eine harte Umstellung, an denen manch einer letztendlich auch scheitert. Es ist keine Schande, zu scheitern, aber du solltest dir zumindest bewusst sein, dass es so kommen kann.

    Andererseits hast du mit einer gesuchten Schulform-Fächer-Kombi den großen Vorteil, dass du in Mangelzeiten deutlich unwahrscheinlicher an eine Schule mit jüngerer Schülerschaft versetzt wirst, was du ja, so habe ich dich verstanden, für dich eher ausschließt.

    Da hier gerade emotional-soziale und körperlich-motorische Aspekte angesprochen werden: Hier hängt es größtenteils vom Grad der Behinderung/Erkrankung ab. Sprechen wir von leichten Ausprägungen, ist ein Regelschulbesuch durchaus gut möglich. Bei schweren Ausprägungen kommt es vermutlich auf den Einzelfall an. Beim Sezierbeispiel mit der spastischen Schülerin hatte ich für einen Moment einen Kloß im Hals und hatte erst einmal ein Sicherheitsbedenken - auch für die Schülerin selbst. Aus der Ferne kann ich den Fall natürlich gar nicht beurteilen. Im Fall von zielgleicher Beschulung gibt es ja zum Glück (noch) die zwei Optionen Regelschule oder Förderschule und in manch einem Fall macht die Regelschule mehr Sinn, in einem anderen Fall eben die Förderschule.

    Der eintscheidende Faktor ist "zielgleich" oder "zieldifferent", nicht "behindert" oder "nicht-behindert".

    Naja, nicht ausschließlich. Es ging auch mehrfach um Schüler mit Förderbedarf emotional-soziale Entwicklung, welche ja streng genommen (außer bei einem Kind werden mehrere Förderbedarfe festgestellt) auch zielgleich unterrichtet werden.

    Grundsätzlich hast du aber Recht, dass man sich bei Lehramt für eine bestimmte Altersgruppe und ein bestimmtes kognitives Niveau entscheidet. Daher auch mal mein fiktives Gegenbeispiel mit der Seniorenschule, da Gerontopädagogik auch noch einmal ganz andere Herausforderungen vorsieht als Elementar-, Primar-, Sekundar-, Tertiär- oder Sonderpädagogik.

    fiddlersqueen : Auch wenn es im Einzelfall ärgerlich ist, immer vor Augen führen, dass der Anteil der erfolgreichen Absolventen der Sek II immer mehr ansteigt, ohne dass gleichzeitig die Leistung besser wird, und du in kleinem Umfang die Möglichkeit hast, durch realistische Notengebung diese Schieflage zumindest in kleinem Maße in die richtige Richtung zu rücken! Am Ende hat keiner etwas vom "Mitschleifen", auch nicht die besagte Schülerin und schon gar nicht die potentiellen späteren Arbeitgeber.

    Das finde ich unabhängig von Fach und Sprache zum Beispiel ganz schlimm. Viele Schüler schreiben eh schon gruselig schlecht und dann wird es ihnen nichtmals durch saubere Korrektur gespiegelt.

    Auf der anderen Seite braucht man nicht davon auszugehen, dass ein sehr schwacher Schüler an allen 723 Fehlern bis zur nächsten Klausur gearbeitet haben wird. Da ist die Chance größer, wenn man wirklich die 1-2 häufigsten Fehlerquellen heraussucht, dass der Schüler hieran aktiv arbeitet, diese Fehler bis zum nächsten Mal nicht noch einmal zu machen. Den Rest der Fehler einfach nur anstreichen. Sobald der eine Fehler ausgebügelt ist, kommt dann der Nächste dran und so entsteht Schritt für Schritt ein Lernprozess - bei gleichzeitig weniger Aufwand als wenn man versucht, dem Schüler 723 Lernangebote gleichzeitig zu machen.

    Warum nicht die Realschule abschaffen und alle ins gym stecken?

    50-55% eines Jahrganges schließen aktuell ihre schulische Karriere mit der allgemeinen Hochschulreife ab. Von einer reinen Begabtenförderung kann da nicht mehr die Rede sein. Bei einer Zusammenführung Realschule und Gymnasium würde der Anteil vermutlich noch ein gutes Stück steigen - alleine dadurch, dass der Abstand zur Mittelschule jetzt sehr groß wäre.

    Der Schulabschluss Abitur würde an Bedeutsamkeit verlieren, es würden mehr Leute studieren und gleichzeitig noch mehr Ausbildungsplätze, insbesondere in wichtigen gesellschaftsrelevanten Bereichen, unbesetzt bleiben.

    Der Schlüssel, um das allgemeine Bildungsniveau zu erhöhen, sind daher nicht mehr, sondern eher weniger Schüler am Gymnasium.

    Mit all diesen Möglichkeiten, die Förderschulen wirklich bieten, frage ich mich, warum wir überhaupt über Alternativen diskutieren. Ich glaube ja, dass andere Länder neidisch wären, wenn sie wüssten, wie viel Mühe wir betreiben, um den Schwächsten unserer Gesellschaft zu ermöglichen, auf ein Leben mit gesellschaftlicher Teilhabe vorbereitet zu werden. Gerade in den Bereichen "Lernen" und "emotional-soziale Entwicklung" hast du natürlich viele Hardcore-Fälle, die aus völlig zerrütteten Elternhäusern mit problematischem Freundeskreis und wenig Bildungsnähe kommen. Da kann auch eine Förderschule keine Wunder vollbringen - sagt auch keiner! Da es aber von Anfang an klar ist, dass diese Schüler besondere Bedürfnisse haben, kann die Förderschule von Anfang an bewusst Akzente setzen, um den Schülern Alternativen aufzuzeigen, z.B. wie man mit Konflikten umgeht, wie man seinen Tag strukturiert, was es heißt, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Im Gymnasium, aber auch in anderen Formen der Sek I, ist nicht das Hauptziel, Menschen gesellschaftsfähig zu bekommen, sondern die inhaltliche und methodische Vorbereitung zum Erwerb eines Schulabschlusses. Das gerät jedoch in Gefahr, wenn die vorhandene Zeit nicht zur Vermittlung von Unterrichtsinhalten genutzt werden kann.

    China schließt doch auch immer sehr erfolgreich in Bildungsstudien ab und da kann mir keiner weismachen, dass die Chinesen besonders inklusiv sind. Da müssen andere Faktoren eine Rolle spielen, z.B. sowas wie Leistungsdruck/Erwartungshaltung der Elternhäuser.

    Davon mal abgesehen, heißt es nicht, dass andere Länder etwas zwangsläufig besser machen, nur weil sie es anders machen. Man könnte das Ganze mal positiv formulieren: Während andere Länder behinderte Kinder einfach "nur" mitlaufen lassen, gibt (gab?) sich Deutschland extra die Mühe, sich zwecks individueller Förderung eigene Schulen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf gezielt in Bezug auf ihre kognitiven, körperlichen und/oder psychischen Bedürfnisse beschult werden, mit eigens hierfür ausgebildeten Lehrern, niedrigerem Klassenteiler, zusätzlichem Personal (~ geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung) und finanziellen Ressourcen, zu leisten.

    Analog das Ausbildungssystem, das es in dem Ausmaß in anderen Ländern so auch nicht gibt. Nur weil in anderen Ländern mehr Leute studieren, spricht das ja nicht gegen unser Bildungssystem, in dem anteilig mehr Leute sich für eine (qualitativ hochwertige) Ausbildung entscheiden.

    Streng genommen müssten solche Schulen auch Schülern ohne Förderbedarf aber mit (leichter unter-)durchschnittlichem IQ aufnehmen, die realistische Chancen auf einen Haupt- oder Realschulabschluss haben, da nicht vermittelbar ist, warum Schüler mit Förderbedarf "Lernen" beschult werden dürfen, Schüler mit höherem kognitiven Potential jedoch nicht. Gleichermaßen dürfte auch keiner sitzen bleiben, da Schüler mit Förderbedarf "Lernen" das Klassenziel mit größter Wahrscheinlichkeit ebenso wenig erreichen konnten. Wir wären hier bei einer Gesamtschule ohne Selektionsmöglichkeit (also auch ohne das Selektionsinstrument "Noten").

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