Zu meiner Schulzeit waren wir froh, wenn Unterricht ausfiel und wir früher nach Hause konnten. Dann hatten wir mehr Freizeit und konnten uns früher mit Freunden (m/w/d) treffen. Aktuell (Bildungspolitik ist bekanntlich dynamisch.) geht der politische Trend eher Richtung Ausweitung des Ganztagsangebots, da nicht alle Kinder in Wohnortnähe Großeltern wohnhaft haben, die sie mittags betreuen könnten, und in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind.
Auch aufgrund des gesunkenen Bildungsniveaus ist die gesamtgesellschaftliche Erwartung, dass in Vertretungssituationen nicht nur Zeit totgeschlagen, sondern Unterricht gemacht wird. Wenn Stunden nur zur Hälfte gezählt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Vertretungsstunden nur halbherzig umgesetzt werden, ein Film gezeigt oder Freiarbeit gemacht wird.
Ordentliche Vertretungsstunden sind auch voll anzurechnen. Ein gehaltvolles Konzept konnte in der Konferenz erarbeitet werden. Wenn in der nächsten Unterrichtsstunde eine Klassenarbeit geschrieben wird und die Vertretungslehrkraft fachfremd ist, kann man die Schüler (m/w/d) auch mal sich im Rahmen von Freiarbeit für die Klassenarbeit vorbereiten lassen. Ansonsten sollte für isolierte Vertretungsstunden "sinnvoller" Unterricht gemacht werden und für längerfristige Vertretungssituationen sollte eh Unterricht entsprechend der curricularen Vorgaben stattfinden. In isolierten Stunden kann eine Lehrkraft, die die Klasse sonst in einem anderen Fach unterrichtet, hier thematisch fortfahren, bei anderen Konstellationen bietet sich eine allgemeine fachbezogene Wiederholung/Auffrischung (siehe die zuvor genannten Beispiele zu Bruchrechnen oder Lesetechniken) oder Themen, die pädagogisch wichtig sind, aber sonst im Schulalltag zu kurz kommen (Finanzbildung, Medienbildung, Berufsinformation).
Es gibt viele Möglichkeiten, aber dazu muss die Schulleitung bereit sein, ein etwaiges Konzept mitzutragen.