Beiträge von Gymshark

    Statt Brennpunktschulen besser auszustatten, sollte eher geschaut werden, wie ein Wohngebiet infrastrukturell verändert werden kann, dass es langfristig gar nicht mehr in die "Brennpunktkategorie" fällt. Alles Andere lindert vielleicht Symptome, aber nicht die Ursache. Und ja, auch dafür müsste dann Geld ausgegeben werden, aber bekannterweise gibt es Rekordsteuereinnahmen. In Deutschland besteht derzeit ein Ausgabe-, kein Einnahmeproblem.

    ... und das Schlimme: das denken auch zum Teil Beamte bzw. verbeamtete Lehrkräfte.
    Eine ehemalige Kollegin ist im vorzeitigen Ruhestand, wohnt am Schulort und noch in der Stadt hier und da aktiv (also war mal in der Zeitung, aus politischen Gründen)... was da über sie gelästert wurde, dass sie sich nur ein schönes Leben macht, ist nicht lustig :(

    Ich vermute, wir müssen gesellschaftlich herausfinden, was wir eigentlich wollen. Seit der Nachkriegszeit haben wir diverse Wellen und "Trends" durch: Das Phänomen der "arbeitenden Frau" zeigt dies besonders gut. Mal wird sie bemitleidet, mal als "empowering" (was jedoch oft damit einhergeht, dass das jeweilige Gegenmodell sozial geächtet wird, selbst wenn sich Menschen bewusst hierfür entscheiden) oder sogar als Soll-Zustand empfunden.

    Auch die Age-Perspektive ist interessant. Ich erinnere mich an die Zeit, in der die ältere, arbeitende Person als das Beispiel für das Versagen des Sozialstaats betrachtet wurde. Wenn jemand ein paar Jahre vor dem Regelrenteneintrittsalter ausstieg, war das "normal" oder wurde zumindest nicht sonderlich kritisch beäugt. Deutlich früher "aus dem System ausbrechen", mit deutlich negativer Konnotation des Begriffs "Arbeit", wurde dann so ab Mitte der 00er-Jahre zum gesellschaftlichen Phänomen, gepusht durch diverse Auswandererformate und Social Media-Kanäle rund um Work-Life-Balance und Frugalismus.

    Neuerdings tendieren wir dahin, die ältere, arbeitende Person als "empowering" zu betrachten, wobei es zu einem Clash zwischen Theorie und Praxis kommt. Die Politik wünscht zwar, dass Personen länger arbeiten, aber gleichzeitig berichten viele ältere Personen, dass sie es schwer haben, eine neue Stelle zu finden, da der Arbeitsmarkt Vorbehalte gegenüber ihnen hegt und sie nicht als "bereichernd", sondern "belastend" wahrnimmt.

    Um auf deinen Kommentar oben zurückzukommen: Zu meiner Überraschung gehen mehr als 80% (!) aller Lehrkräfte vorzeitig in den Ruhestand (Quelle). Ich selbst tue mir schwer, mir dazu eine eigene Meinung zu bilden, weil ich die öffentliche Berichterstattung zum Thema "Arbeitszeit und Rente" in letzter Zeit als sehr emotional aufgeladen empfinde. Ich schätze, ich bin da nicht der Einzige und Leidtragende sind dann Menschen wie die von dir angesprochene ehemalige Kollegin, die sich dann durch die Blume gesagt als "Sozialschmarotzerin" verunglimpfen lassen darf.

    Ich kenne nur den Fall, dass Kollegen, die langzeitausfallend sind, in den offiziellen Listen weiterhin geführt werden und dann in Klammern Elternzeit / Abordnung / beurlaubt o.ä. steht. Aber klar, wenn, wie durch Chilipaprika beschrieben, Namen irgendwann von Listen verschwinden, gerade in großen Systemen, und es dann noch zu Wechseln im Führungsbereich kommt, kann das im Einzelfall erhebliche Folgen haben.

    Der Fall kommt ja jetzt absolut zur Unzeit raus, wenn einzelne Politiker das Beamtentum für Lehrkräfte anzweifeln.

    Es ist ein seltener Ausnahmefall, aber gleichzeitig wundere ich mich, dass es keinen Kollegen (m/w/d) oder Abteilungsleitung/Schulleitung aufgefallen ist, dass da einfach eine Kollegin seit mehr als 10 Jahren offiziell als Lehrkraft auf allen offiziellen Personallisten steht, aber de facto gar nicht da ist. Ja, die Kollegin war an einem Berufskolleg, was zumeist große Systeme sind, aber das Spiel geht doch nur solange auf, wenn da sehr viele Leute bewusst weggeschaut haben, wenn ihr mich fragt.

    Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit und da ging es im Deutschunterricht auch eine Zeit lang um Antike, von daher sehe ich das nicht so problematisch. Auch die Nibelungen (bzw. andere mittelalterliche Werke) sehe ich zumindest im gymnasialen Bereich nicht komplett deplatziert.

    Ich unterrichte zwar nicht Deutsch, aber eine andere Sprache, würde aber aus persönlicher Perspektive heraussagen, dass aus den von Chilipaprika genannten Gründen der Fokus möglichst auf originär deutschsprachiger Literatur liegen sollte, gerne aus unterschiedlichen Epochen und Genres. Viele der zuvor genannten Werke sind toll und sollten auch heute noch unbedingt von Kindern und Jugendlichen gelesen werden. Wir müssen aber leider am Ende eine Auswahl treffen und da wäre ich persönlich eher dafür, ein originär fremdsprachliches Werk zu einem späteren Zeitpunkt im Fremdsprachenunterricht zu behandeln als zu einem früheren Zeitpunkt als Übersetzung im Deutschunterricht.

    Ich sehe es nicht ganz so dramatisch. Ich habe schon Vokabeltests unangekündigt und angekündigt durchgeführt, aktuell kündige ich sie an. Ich habe nicht den Eindruck, dass das automatisch zu einer Katastrophe führt, würde aber vermuten, dass das von der Schülerschaft (und der Schulform) abhängt.

    Meine Schüler (m/w/d) lernen in der Mehrheit schon die Vokabeln kontinuierlich - um im Unterricht mitmachen zu können und weil sie wissen, dass am Ende der Einheit (spätestens nach 2 Einheiten) eh ein (angekündigter) Vokabeltest ansteht.

    Es sollte aber zumindest die pädagogische Freiheit seitens der Lehrkräfte erhalten bleiben, wählen zu dürfen, weil es in einigen Szenarien durchaus Sinn macht, unangekündigte Tests durchzuführen.

    Bei facebook wettern ganz viele Menschen, dass sie die Abschaffung schlecht finden und dass die Schüler sowieso immer blöder würden, dass man ihnen alles hinterherwürfe und dass es zu ihrer Zeit als Schüler noch ganz anders gewesen wäre. Es wird auch gesagt, dass man den Azubis nichts mehr abverlangen könne/dürfe und dass sowieso alles den Bach runterginge....

    In weniger populistischer Formulierung kommt ähnliche Kritik auch vom Lehrer- und Philologenverband sowie Teilen der Union und (vermutlich wenig überraschend) der AfD.

    Man muss Herrn Teuber zugute halten, dass er wenigstens als Studienrat mit mehreren Jahren Lehrerfahrung "vom Fach" ist, was nicht auf jeden Kultusminister in Deutschland zutrifft.

    Es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack in dem Umstand, in einer Zeit, in der medial und seitens von Verbänden verstärkt vor einem nationalen Leistungsabfall gewarnt wird, eine weitere Form der Leistungsmessung zu streichen.

    Das Problem gibt es doch auch in anderem Bereichen. Wer z.B. in einem Unternehmen in der Kundenbetreuung arbeitet und mit seinen Mails und Telefonaten regelmäßig deutlich vor Ende des Arbeitstages durch ist, bekommt entweder mehr/arbeitsintensivere Kunden oder verlangsamt sein Arbeitstempo, um nach außen hin den Schein zu wahren.

    Also ja, wenn du regelmäßig Minusstunden machen würdest, wäre es wahrscheinlicher, dass du mit zusätzlichen Aufgaben versorgt werden dürfest, statt dass du du die Zeit für bezahlte Me-Time nutzen könntest.

    Streng genommen wird in den wenigsten Jobs Schnelligkeit mit Me-Time belohnt und wir bringen es den Schülern (m/w/d) am Ende auch nicht anders bei. Wer als Erstes mit einer Aufgabe fertig ist, bekommt eine andere Aufgabe und darf nicht einfach am Handy daddeln oder ein bisschen auf dem Pausenhof kicken.


    Die größte Bremse für das Wachstum in Deutschland ist schon jetzt die Demografie und das geht erst jetzt los. Und ohne Wachstum keine Rendite und ohne Rendite keine Kapitaldeckung.

    Die Ideallösung gibt es vermutlich nicht, aber eine Mischung aller zuvor genannten Vorschläge käme dem zumindest nahe.

    Um den Vorwurf des gesellschaftsvertraglischen Schneeballsystems zu entkräftigen, könnte der Ansatz von Dr. Rakete Anwendung finden, dass Kinder die Versorgung der Eltern (unter staatlicher Aufsicht) zu finanzieren haben. (Bewusst) Kinderlose haben privat vorzusorgen und nur im Fall von Bedürftigkeit würde der Staat auf Basis von Steuereinnahmen unterstützend eingreifen.

    Ich habe mal gelesen, dass zwischen der Wunschkinderanzahl und der tatsächlichen Kinderanzahl in Deutschland pro Paar circa ein halbes Kind liegt, sprich, Deutsche bekommen aufgrund äußerer Umstände im Schnitt ein halbes Kind weniger als sie eigentlich wünschten. Zudem ist im Schnitt jede zehnte Frau ungewollt kinderlos. Würde für beide Konstellationen die empirische Forschung intensiviert werden, könnten die Hauptgründe ermittelt und im nächsten Schritt zielgerichtete politische Maßnahmen ermittelt werden. Insbesondere, wenn die demographische Entwicklung der größte Hemmungsfaktor in Sachen Wirtschaftswachstum darstelle, sollte die Ermittlung und Bekämpfung bestehender Negativfaktoren im gesteigerten Interesse des Staates liegen.

    Bei der Diskussion "Arbeitsplatz in der Schule" ging es in der Vergangenheit schon oft um den Gedanken, ich mache da einen 8-17 Uhr Job und habe dann zuhause nichts mehr zu tun.

    Dies als Möglichkeit zu haben, heißt aber nicht, dass es jeder auch so tun muss. Der Eine kann doch die teilweise Home Office-Option nutzen, die Andere komplett von der Schule aus arbeiten. Es wäre eher eine Flexibilität der Arbeitsweise, statt eine Einschränkung.

    Von mir aus kann man diese Arbeitsplätze ruhig einrichten, so lange ich sie nicht nutzen muss.
    In einem Beruf wie Lehrkraft heute Bedingen zu schaffen, die auf 0% Homeoffice-Möglichkeit hinauslaufen, kann wohl niemand ernstlich in Betracht ziehen.

    Arbeitsplatzeinrichtung und Zeiterfassung laufen doch nicht zwingend auf 0% Homeoffice-Möglichkeit hinaus. Was lässt dich darauf schließen, dass es einen dahingehenden Zusammenhang gäbe?

    Es gibt zweifelsfrei Schulformen, in denen viel Material für Haptik, Differenzierung und Visualisierung benötigt wird. Nehmen wir einfach mal ein Beispiel an: Man benötigt Material im Wert von X €. Fachschaft sagt "möchten wir nicht investieren, es gibt bereits das-und-das", Schulleitung sieht das auch so. Dann kann man doch auf die aufgezeigten Alternativen zurückgreifen und nach außen hin (z.B. bei Beschwerden von Eltern) kommunizieren, dass dies auf schulinternen Absprachen basiert und dass bei Fragen zu Details die Schulleitung über diesen und jenen Weg zu kontaktieren sei.

    Ich finde den individuellen Aspekt an Handschrift sehr schön, während Getipptes zumindest vom Schriftbild her oft gleich aussieht und man eher noch am Schreibstil den Autor vermuten kann. Schnelle Notizen "mal eben" mache ich fast immer handschriftlich, wobei das leichter zuhause geht. Unterwegs habe ich selten Papier und Stift dabei - da nutze ich doch eher das Handy. Lange Texte tatsächlich fast ausschließlich am PC, wobei ich zumindest bemüht bin, zu besonderen Anlässen Grußkarten zu schreiben und diese dann handschriftlich, sodass es persönlicher wirkt.

    Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Es ist interessant, dass insbesondere die sogenannten "Tech Bros" häufig zu analogen Mitteln greifen - man erinnere sich daran, dass viele nach Ende der Pandemie dem Home Office eher skeptisch gegenüberstanden und die Rückkehr ins Büro forderten.

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