Dass du noch in der Ausbildung und direkt konfrontiert mit einer herausfordenden Lerngruppe konfrontiert bist und nicht auf Anhieb die Klasse die ganze Zeit über unter Kontrolle hast, spricht erst einmal nicht gegen dich. Du schreibst ja selbst, dass Kollegen (m/w/d) ähnliche Probleme haben und warum soll es bei dir als Anfänger/in besser klappen?
Ich verstehe vollkommen, dass ein konstanter Lärmpegel und Schüler (m/w/d), die sich nicht an die vereinbarten Regeln halten, auf Dauer sehr anstrengend sind. Du hast ein Recht auf angemessene Arbeitsbedingungen nicht nur für lernwillige Schüler (m/w/d), sondern auch für dich und du wirst da auch langfristig hinkommen, auch wenn dieser Zustand jetzt noch nicht erreicht ist.
Es ist gut, dass scheinbar die Klassenleitung hinter dir steht und du diverse Maßnahmen durchsetzen kannst, denn nichts ist schlimmer als wenn du als Lehrkraft im Vorbereitung Methoden des Classroom Managements umsetzen möchtest, hierbei aber von Mentoren oder Schulleitungen (m/w/d) konstant behindert wirst. Gerade in herausfordernden Lerngruppen kann Classroom Management nur funktionieren, wenn die Schüler (m/w/d) den Eindruck bekommen, dass du Regeln nicht nur ankündigst, sondern auch umsetzt.
Keine Lehrkraft ergreift den Job, weil sie Spaß daran hat, den ganzen Tag nur abweichendes Verhalten zu rügen, aber die Etablierung von Regeln und ihre Durchsetzung ist wiederum die Voraussetzung, um überhaupt erst gehaltvollen Unterricht, der die Schüler (m/w/d) auch zum Lernen anregt, durchführen zu können.
Jede Klasse ist anders und gerade in schwierigen Lerngruppen wird es Schüler (m/w/d) geben, bei denen du das ganze Maßnahmenrepertoire durchspielen musst, eben auch bis zum Verweis. Immer daran denken: Die Schüler (m/w/d) sind dem Ganzen nicht hilflos ausgeliefert. Im Gegenteil - sie entscheiden aktiv jedes Mal auf's Neue, ob sie sich an die Regeln halten wollen oder nicht. Das würde ich auch so im Einzelgespräch kommunizieren: "Du entscheidest. Du kannst dich entweder an die Regeln halten und mit uns gemeinsam lernen. Oder du möchtest lieber stören und bekommst dafür von mir eine Konsequenz. Wie entscheidest du dich?". Vielleicht hast du die Möglichkeit, Konsequenzen zu visualisieren, sodass die Schüler (m/w/d) wissen, was passiert, wenn sie gegen eine Klassenregel verstoßen und was passiert, wenn sie sich weigern, die Konsequenz anzunehmen. Das musst du natürlich im Vorfeld überlegen und auch sichergehen, dass du diese Konsequenzen durchsetzen darfst und sie nicht im Nachhinein von Mentor/in oder Schulleitung kassiert werden.
Du machst ihnen ein attraktives Unterrichtsangebot und wenn sie lieber die Konsequenz wollen, dann ist das so. Dann hast du nichts falsch gemacht, es war ihre bewusste Entscheidung. Und auch dabei gilt, dass die Konsequenz zwar durchgesetzt werden muss, dass die Schüler (m/w/d) aber nicht auf alle Zeit gebrandmarkt sind, sondern du ihnen jede Stunde auf's Neue die Chance gibst, sich an die Regeln zu halten und mit den Mitschülern (m/w/d) gemeinsam zu lernen - wenn sie wollen. Und wenn sie sich dafür entscheiden, lobst du sie natürlich. Wenn sie sich hingegen dagegen entscheiden und wieder stören (und dabei die nächste Konsequenz in Kauf nehmen) wollen, dann musst du auch diese Entscheidung respektieren und dann wird das Maßnahmenrepertoire durchgearbeitet.