Beiträge von Gymshark

    Wenn ich am Sonntag am Frühstückstisch die Zeitung lese und mir zufällig ein Artikel auffällt, der sich als Aufhänger für die nächste Unterrichtseinheit eignet, ist das noch keine Arbeitszeit. Ich markiere ihn mir entsprechend und mache mit der privaten Lektüre weiter.

    Die Ausarbeitung in Form einer Unterrichtsphase oder einer Klausuraufgabe ist dann tatsächlich Arbeitszeit.

    Ich glaube, zu viele User hier sehen das Messen der Arbeitszeit als Gängelung. Dabei soll das doch gerade helfen, die Arbeitszeit bewusst zu machen, da ganz oft der Vorwurf kommt, dass in unserem Beruf die Arbeitszeit zu hoch sei - und daran wollen wir doch arbeiten, oder etwa nicht?

    Ich weiß nicht, welche Unterrichtsmethoden du so abwendest, aber da es bei euch sicher euch Curricula gibst, musst ja sicher auch du die Vorgaben in Unterrichsinhalte verwandeln und diese wiederum den Schülern in irgendeiner Form präsentieren und das Ganze anleiten, oder?

    Richtig so, Sitzenbleiben hat laut diverser Studien auch keinen großen Effekt auf den Lernerfolg.

    Es macht dann Sinn, wenn ein Schüler (m/w/d) ein Jahr einen Hänger (z.B. private Probleme, Krankheit, Entwicklungskrise) hatte und davon auszugehen ist, dass die Gründe für diesen Hänger insoweit behoben sind, dass im folgenden Jahr der Schulbesuch (wieder) regulär bestritten werden kann.

    Für den Fall, dass jemand ungeachtet eines konkreten Auslösers leistungsschwach ist, erscheint eher ein Wechsel auf eine andere Schulform bzw. die Durchführung einer sonderpädagogischen Diagnostik sinnvoll.

    Eine der anstrengendsten Sachen beim Lehrerberuf würde ich sagen ist, dass du in der Unterrichtssituation selbst quasi immer der Aktive bist. Du kannst dich nie "fallen lassen" und "abarbeiten" oder schauen, was kommt und dann darauf entsprechend reagieren wie es in anderen Jobs möglich ist. Du kannst es dir so vorstellen, dass du eine Art Entertainer bist, der kurz vorher seine Choreographie einstudiert, dann vor sein Publikum tritt und die Choreographie spontan auf die Bedürfnisse des Publikums anpasst. Und das entsprechend mehrfach am Tag und 5x die Woche. Ein Gegenstück im Bürojob hast du da kaum (wenn, dann noch am ehesten als selbstständiger Außendienstler o.ä.).

    Mittel- und Realschüler haben in der Regel nur 9 oder 10 Schuljahre, von daher reicht natürlich der Fremdsprachunterricht bis dahin aus, um in der globalisierten Welt klarzukommen. In der gymnasialen Oberstufe geht es in allen Fächern neben der Wissenschaftspropädeutik noch einmal darum, vorhandenes Wissen auf einem höheren Niveau zu erweitern bzw. zu vertiefen.

    Und was schätzt du, wie viele in Latein "richtig fit" sind und gleichzeitig nicht in der Lage, einen Englisch-Grundkurs zu meistern?

    Eine kleine Minderheit. Ich unterrichte nicht Latein, kriege das entsprechend nur über die Kollegen mit. Pro Lateinkurs sind es zwischen 1 und 3, die Englisch zugunsten von Latein abwählen. Bei Französisch ist es ähnlich, wobei ich auch hier seltenst in den letzten 2 Kursjahren eingesetzt bin. Wie gesagt, es kommt vor, ist aber natürlich kein Massenphänomen.

    Ich bin für Deutsch, Mathematik und Englisch als Prüfungsfächer. Gerne noch zwei weitere.

    Allgemeine Hochschulreife, Studierfähigkeit darf erwarten, dass man diese drei Fächer im entsprechenden Umfang beherrscht.

    Es gibt bei uns im Schnitt 5-10% der Schüler (m/w/d), die Englisch abwählen. Manche sind in dem Fach einfach schwach, Andere sind einfach in der 2. Fremdsprache stärker und erhoffen sich dadurch eine bessere Abinote am Ende. Ich sehe jetzt nicht, warum jemand, der z.B. in Latein richtig fit ist, später keine allgemeine Hochschulreife machen sollte.

    Ich würde spontan behaupten, dass es einfacher ist, mit Mathematik einen Studienplatz mit NC zu bekommen als mit Kunst und Deutsch. Die Leistungsmitte in Kunst und Deutsch ist vergleichsweise breiter als in Mathematik, wo die Leistungsextreme stärker ausgeprägt sind. Bedeutet auf gut Deutsch: Es ist leichter, in Kunst oder Deutsch zu bestehen und im mittleren Punktebereich zu landen. Dafür ist es vergleichsweise schwer, wirklich in den Einserbereich zu kommen. In Mathematik fallen im Schnitt mehr Schüler durch, aber es gibt vergleichsweise mehr Schüler, die die 14 oder die 15 absahnen. Das ist aber nur meine Erfahrung, die eventuell auch an anderen Schulen anders ausfallen kann.

    dabei soll doch gerade die Präsentationsprüfung dieses Problem lösen..

    Eine Präsentation konnte auch schon früher von Dritten erstellt werden. Beim Vortrag merkt man in der Regel, ob der Präsentant sich mit den Inhalten beschäftigt hat oder über jedes dritte Wort stolpert, insbesondere wenn bei Rückfragen nach der Präsentation erst einmal unsicheres Gestammel kommt.

    CDL: Bei uns findet auch berufliche Orientierung statt, wobei meine Fächer hiervon weniger betroffen sind. Wenn ich mal Mathematik in Klasse 7/8 habe (aktuell nicht der Fall), kommen auch Praxisbeispiele zur Prozent- und Zinsrechnung dran.

    Ich bin leider der Meinung, dass die berufliche Orientierung weiterhin viel zu kurz kommt, wodurch ich immer mal wieder Abiturienten habe, die völlig planlos sind, was sie nach der Schule beruflich machen wollen.

    Ich habe mir beide Links angeschaut und inhaltlich überflogen. Ich verstehe es so, dass allgemeinbildende Schulen in Niedersachsen verstärkt die Schüler (m/w/d) darin unterstützen sollen, einen für sie passenden Job zu finden. Das unterstütze ich, da dies heutzutage für junge Menschen äußerst schwierig geworden ist. Vielen Eltern fehlt hier der Weitblick, um ihre Kinder angemessen und realistisch zu beraten; junge Menschen stehen vor einer schier unendlichen Masse an Möglichkeiten und es gibt zudem viele Falschinformationen und Fehlvorstellungen.

    Berufliche Orientierung (= Welche Berufe gibt es? Was ist momentan und in Zukunft gefragt? Wie sind die Arbeitsbedingungen und Voraussetzungen?) ist aber noch einmal etwas Anderes als spezifisch berufliche Bildung (= Welche Kompetenzen brauche ich im Beruf?).

    Volker_D : Anknüpfend an meinen vorangegangenen Beitrag: Die Aufgabe der Berufsbildung ist, die jungen Menschen auf die Anforderungen im Beruf vorzubereiten. Die Aufgabe der Eltern ist, die jungen Menschen auf die Anforderungen in Alltagssituationen vorzubereiten. Die Aufgabe von Schule ist, die jungen Menschen mit Kulturtechniken und Allgemeinwissen auszustatten.

    Mal an einem konkreten Beispiel:

    Der Ticketautomat wäre die Aufgabe der Eltern.

    Die unternehmensinterne App wäre in allgemeiner Form die Aufgabe der Berufsbildung bzw. am konkreten Beispiel die Aufgabe des Betriebs.

    Den Satz des Pythagoras übernehmen dann wir.

    Schule hat generell nicht das Ziel der Berufsvorbereitung - kann allgemeinbildende Schule auch gar nicht leisten. Die Berufsvorbereitung passiert in den beruflichen Schulen bzw. Hochschulen *; die Weiterbildung "on the job" oder in Form von Fortbildungen. Allgemeinbildende Schulen haben, ergänzend zu der Sozialisierung durch das Elternhaus und das erweiterte soziale Umfeld, die primäre Aufgabe der Vermittlung von Kulturtechniken und Allgemeinwissen.

    * und selbst da kann man gar nicht wissen, was die beruflichen Anforderungen in 40 Jahren sein werden, sondern man geht vom aktuellen Zeitpunkt aus, basierend auf den Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Dieses Wissen wird dann die Grundlage für die gesamte berufliche Laufbahn bilden.

    Deutsch, Philosophie und Geschichte für das Gymnasium ist die Kombi, die am wenigsten gesucht wird. Wenn generell, fächerunabhängig, so großer Lehrermangel herrscht, dass einfach alles, was der Markt nur irgendwie hergibt, angestellt wird, nimmt man natürlich auch einen Lehrer (m/w/d) mit diesen Fächern. Du musst dir dann nur klar machen, dass du trotz und nicht wegen deiner Fächer eingestellt werden würdest. Im Sek I-Bereich geht das dann viel mit fachfremdem Unterricht einher, aber hier kann ggf. CDL mehr dazu sagen.

    Das kann durchaus der Fall sein ja.

    Auch Hitler agierte ja bis zum Ermächtigungsgesetz im Grundsystem der Weimarer Verfassung.

    Es käme auf den Inhalt des Referendums an. Im Gegensatz zur Weimarer Republik haben wir unveräußerliche Grundgesetzbestandteile wie die Menschenwürde. Und doch würde ich jemanden, der den Spielraum, den Judikative und Exekutive bieten, durch weiträumige legale Änderungen zu erweitern sucht, als rechtsextrem bezeichnen, wenn besagter Spielraum etwa die Unterwanderung der Menschenwürde erleichtern würde.

    Demokratische Regelungen können sich auch selber abschaffen.

    Die Menschenwürde ist Teil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, von daher wäre jemand, der diese zu unterwandern gedenkt, definitorisch vollkommen korrekt als "rechtsextrem" zu bezeichnen. Eventuell gibt es auch "linksextreme" Anwendungsfälle, bei denen mir jetzt spontan keine Beispiele einfallen.

    Das Entscheidende ist jedoch, dass wir spätestens hier definitiv nicht mehr im Rahmen des demokratischen Spektrums wären.

    Wenn jetzt noch irgendwelche Fäkalausdrücke kommen, sind wir endgültig auf Kindergartenniveau angekommen. Du darfst von mir aus Herrn Höcke bezeichnen wie du möchtest, aber wenn der einfache Hinweis, zuerst einmal eine begriffliche Grundlage zu schaffen, bereits ins Lächerliche gezogen wird, wird klar, dass es nicht darum geht, eine ernsthafte Unterhaltung zu führen, sondern lediglich, Parolen auf Stammtischniveau auszutauschen - und ja, diese Stammtische gibt es in allen politischen Farben.

    Der Versuch, per Definition Trennschärfe zu schaffen, als Relativierung darzustellen, bewerte ich als kindisch und unwissenschaftlich.

    Vor allem braucht es doch überhaupt erst einmal eindeutig definierte Fachtermini, um eine gemeinsame Grundlage für Diskussionen, egal zu welchem Thema, zu haben. Das ist wie mit Vokabeln in einer Fremdsprachen, mathematischen Symbole in den MINT-Fächern. Alles Andere führt schlichtweg zu Beliebigkeit und dann kann man es auch gleich lassen. Diese Trennschärfe braucht es natürlich auch in den Gesellschaftswissenschaften, weil kleine Details entscheiden können, ob eine Handlung einer natürlichen oder juristischen Person noch durch die geltende Gesetzeslage legitimiert ist oder eben schon nicht mehr.

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