Beiträge von Antimon

    Ich würde es positiv formulieren.

    Was denn? Ich hatte schon promovierte Chemiker als Schülereltern die gefunden haben, wenn Prinzesschen den Popo nicht hoch bekommt, wird sie den 2er wohl verdient haben. Guess what, sie hat die Matura dann bestanden. Nicht schön, aber bestanden. Dein Kind könnte den Luxus haben, mit Rückendeckung auf die Fresse zu fliegen. Andere fliegen einfach, die haben gar keine Wahl. Überleg dir einfach, wie unser System funktioniert, du kennst es selber gut genug.

    ch verstehe den Einwand irgendwie nicht

    Du verstehst ihn nicht, weil du deine Aufgabe als Lehrperson ziemlich sicher vorbildlich erledigst. Was du offenbar nicht siehst, ist, dass du da bei diesem Aspekt ebenso sicher eine Ausnahme bist. Ich kenne die Klagen der Eltern im Lehrerzimmer, was die Kinder nicht an völlig unmöglichen Aufgaben für die Schule erledigen sollen. Und wer erledigt sie wohl? Natürlich bekommt die Lehrperson an der Primarschule so kein ehrliches Feedback, dass die Anforderungen an die Kinder offensichtlich zu hoch sind. Es ist eine messbare Tatsache, dass der Bildungserfolg der Kinder nirgendwo in Europa so sehr vom sozialen Status der Eltern abhängt wie in Deutschland. In der Schweiz stehen wir auch nicht viel besser da. Warum wohl? Wenn's nur überall Lehrpersonen gäbe, die das so sehen wie du und ich, mit den Aufgaben z. B., dann wär das nicht so. Ich *weiss* dass auch bei mir an der Schule genügend Lehrpersonen völlig neben der Spur sind, was das betrifft.

    aja klar unterstütze ich mein Kind bestmöglich. Nur weil Cerens Eltern nicht richtig Deutsch können und ihnen die HA unwichtig sind, lasse ich noch mein Kind nicht ohne Unterstützung

    Genau. Jetzt offenbarst du also, wie du tatsächlich drauf bist, wenn's um die Kinder von Ayshe geht, die kein Deutsch kann und die Kiddies nicht adäquat pudern kann. Genau das habe ich meinem Kollegen mit seinem bornierten Geschwätz auch gesagt: Wir müssen nicht weiter über Chancengerechtigkeit diskutieren, solange es Eltern wie dich gibt. :tot:

    laleona Du kontrollierst nicht nur *ob* dein Kind Hausaufgaben machst, du verbesserst mit ihm zusammen die Aufgaben. Natürlich führt das zu einer entsprechenden Erwartungshaltung bei den Lehrpersonen. Wenn Kind A das kann, muss Kind B das auch können. Du machst die Preise für andere Kinder kaputt.

    Und bevor jetzt wieder kommt: "Du hast von Primarschule keine Ahnung!" Wir haben exakt das gleiche Problem mit den Maturarbeiten. Natürlich bilden sich KuK wunder was ein, nur weil Mutti A und Papi B studierte Irgendwas sind und die Arbeiten der Kinder pushen.

    Ich sag dir als Mama, was das nutzt:

    Ich sehe zuhause, was mein Kind falsch hatte und kann es nachbessern mit ihm gemeinsam.

    Ich kommentiere das mal hier, hier passt es nämlich hin. Zum Kontext: Es geht um Hausaufgaben. Da mehrere Primarlehrpersonen dem zustimmen, gehe ich davon aus, dass das Usus ist bzw. die Erwartungshaltung an den Primarschulen. Ihr erwartet also, dass die Eltern mit ihren Kindern zusammen Hausaufgaben machen. Ist euch schon mal in den Sinn gekommen, dass eine ganze Menge Eltern das aus verschiedensten Gründen gar nicht können? Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit mit einem direkten Kollegen Streit darüber, als er mit geheucheltem Mitleid für irgendein "armes" Migrantenkind in seiner Klasse anfing, dem die Eltern zu Hause ja nicht helfen können. Um mir im gleichen Moment zu erzählen, dass er als Herr Dr. Chemie seinem Kind die Referate schreibt uns sich noch ärgert, wenn es keine 6 dafür gibt. Ja, dann brauchst auch die armen Migrantenkindern nicht bedauern, genau solche Eltern verderben denen ja alles. Ich erwarte in der gymnasialen Oberstufe in den Fächern Chemie und Physik selbstverständlich *nicht*, dass die Eltern ihren Kindern zu Hause bei den Aufgaben helfen. Mein Auftrag ist es, die Aufgaben so zu gestalten, dass die Jugendlichen diese mit den vorhandenen Informationen selbständig lösen können. Das meiste an Übungsaufgaben lösen die an der Schule und nicht zu Hause. Ich gebe mal von einer zur nächsten Woche eine Aufgabe auf, da können sie dann nach dem Lösungsweg fragen, wenn sie gar nicht drauf kommen. Das meiste passiert aber an der Schule. Meine Zweitklässler haben gerade 35 Wochenlektionen Unterricht. Wann sollen die denn noch Hausaufgaben machen, wenn sie ihr Sozialleben nicht vollständig einstellen wollen? Das ist doch Irrsinn. Bei solchen Erwartungshaltungen braucht man sich nicht zu wundern, wenn dann sowas wie an dieser Grundschule in Ludwigshafen passiert.

    aber da Bayern immer die besten Schulleistungsergebnisse hat und immer gefragt wird, wie das denn sein kann: vielleicht liegt es ja daran, dass ihr solche Sachen Ernst nehmt.

    Ich glaube, da könnte was dran sein. Wenn Hausaufgaben gegeben werden, würde ich als Eltern aber sowas von erwarten, dass die von der Lehrperson auch kontrolliert werden. Wenn die meint, mein Kind soll das machen, ist es auch ihr Job, dann Feedback zu geben.

    So ist es. Statistiche Erhebungen können da sehr erhellend sein. Zwischen gefühlter und tatsächlicher Realität liegen da doch ganz schön viele Arbeitsstunden. Wenn ich Studierende betreue, ist die Verwunderung auch immer gross, was nicht alles zu tun ist. Was ich durchaus glaube ist, dass man an einer Primar- oder Förderschule eine deutlich höhere psychische Belastung hat als in der gymnasialen Oberstufe. So viel Reflexionsvermögen erwarte ich aber schon von Erwachsenen, dass man anerkennt, dass dafür die reale Arbeitszeit der Sek-II-er einfach mehr ist. Für den Sachkundeunterricht an der Primar das Material bereit legen ist nicht der gleiche Aufwand wie ein Schülerpraktikum vorbereiten, bei dem ich am Ende brauchbare Messergebnisse erwarte. Das mache ich auch nicht "mal", das nimmt einen grossen Teil meiner Arbeitszeit in Anspruch. Zudem ärgere ich mich wirklich über die Vorstellung, man würde in der Oberstufe keine Beratungsgespräche führen. Natürlich habe ich die, halt direkt mit den Jugendlichen. Sicher in geringerer Zahl als an einer Primarschule, aber es ist Teil meiner Arbeit. Wir haben auch in der Oberstufe noch einen Erziehungsauftrag.

    Caro07 Nicht falsch verstehen, ich klage überhaupt nicht. Es ist völlig in Ordnung, dass ich so lange an der Schule bin, ich werde eben für 41.5 h die Woche bezahlt. Wie weiter oben jemand schrieb, muss es dann so sein, dass ich real etwa 48 h pro Woche arbeite, 14 Wochen pro Schuljahr sind ja unterrichtsfrei. Ich hatte im letzten Semester einzelne Donnerstage, die ich von 7:55 Uhr bis 18 Uhr lediglich mit 45 min Mittagspause im Einsatz war. Auch das ist kein Grund für angeblich "komatöse" Zustände. Wenn man so wenig Resilienz mitbringt, ist es vielleicht der falsche Beruf.

    Die Vorviertelstunde ist keine Vorbereitungszeit.

    Ja, die 2 h, die ich mir letztens am Freitagnachmittag nach Unterrichtssschluss noch familiäre Probleme einer Schülerin angehört habe, sind auch keine Vorbereitungszeit. Deine Vorviertelstunde ist finanziell genauso abgegolten wie die Zeit, die ich ins Aufbauen von Experimenten investiere, was du natürlich nicht machen musst.

    Ich bin mir absolut sicher, es käme in Deutschland ganz genauso heraus mit der Verteilung der realen Arbeitszeit. An den Berufsschulen sitzt alles vom kleinkriminellen Sozialschmarotzer bis zum verhinderten Abiturenten. Dazu kommen Integrationsklassen und eine Korrekturbelastung gegen die deine Vorviertelstunde einfach lächerlich ist. Nur sind die KuK an den Berufsschulen diejenigen, die am wenigsten klagen.

    "Gratis" ist die natürlich genauso wenig wie meine Vorbereitungszeit. Das Geld bekommst du für 41 h die Woche und nicht für 28 Unterrichtslektionen. Ich bin an 3 von 5 Arbeitstagen ganz regulär 9.5 h im Schulhaus. Der Punkt, auf den ich rauswill: Ich glaube, ihr wollt die Ergebnisse einer Arbeitszeiterhebung selber nicht sehen. Wir hatten eine solche vor ein paar Jahren mal landesweit und bei weitem am meisten arbeiten die Lehrpersonen der berufsbildenden Schulen. Die geringste Belastung zeigt sich an den Primarschulen.

    Mich würde mal interessieren, wie die Stundenpläne derjenigen aussehen, die jeden Tag um 13:45 Uhr nach Hause gehen. Wie geht das mit 28 Wochenlektionen? Ich springe zwischen zwei experimentellen Naturwissenschaften und zwei Gebäuden, wenn ich da nicht zwischendurch eine Freistunde habe, ist es mir unmöglich meinen Kram überhaupt noch hin und her zu räumen. Ich habe dieses Semester an einem Tag einen kurzen Wechsel zwischen den Fächern, ich schaffe es *nie* die Folgestunde pünktlich zu beginnen. Ich bin an 4 von 5 Tagen bis um 16:40 Uhr an der Schule und fange davon an 3 Tagen um 7:55 Uhr an.

    es reiche aus, wenn man derlei Grundlagen auswendig lernt

    Das habe ich noch nie geschrieben, auch wenn du es noch 5 x behauptest.

    Was es mit den Kompetenzbereichen auf sich hat, hast du dir offenbar nie in Ruhe angesehen

    Ich kann dir gerne mal Lernziellisten von mir schicken, dann wird vielleicht klar, dass ich erheblich mehr von "Kompetenzen" verstehe als das was du dafür hältst. Das Geschwafel vom "sinnentnehmenden Lesen" ohne konkreten Bezug darauf, was da eigentlich sinnentnommen werden soll, kann ich wirklich nicht gebrauchen.

    Dazu äußerte sich eigentlich niemand

    Es schreibt nur keiner das, was du lesen willst. Das ist die Sache mit den hunderten von Geisterfahrern.

    Ach... Wir waren heute an der Uni zum Austausch bezüglich der erwarteten "Kompetenzen" im Fach Mathematik. Die sind da sehr bescheiden. Sie hätten gerne, dass Studenten Bruchrechnen und Gleichungen umstellen können. Sagen 3 (!!!) Dozent*innen der Mathematik an der Uni Basel. Ehrlich Leute, den ganzen Kompetenzen-Kram können wir uns einfach mal in den Arsch schieben. Das einzige Lernziel der gymnasialen Oberstufe ist die Studierfähigkeit und die Uni hätte gerne, dass unsere Maturanden Bruchrechnen können. Wir sollten das ernst nehmen, dafür werden wir bezahlt.

    Morgen rupfe ich ein Huhn. Habe grade vom Mathelehrer einer meiner Physik-Klassen die Unterlagen zur linearen Regression bekommen. Wir denken dann mal drüber nach, ob man das wohl auch in der Physik gebrauchen könnte. Und wie sie überhaupt nur drauf kommen, dass nicht. Mehr als Schimpfen und hoffen, dass es hilft kann ich nicht.

    Ich nehme mich selbst nicht so ernst wie du meinen Beitrag ;)


    die Schüler lernen nur mit den Arbeiten der letzen Jahre

    Das tun sie leider nicht. Das wäre ja schlau, aber die wenigsten kommen auf die Idee das zu tun. Ich unterrichte nicht selten Geschwisterkinder und selbst in der Konstellation klappt das nicht wirklich.


    Vielleicht stellt du immer leichtere Arbeiten.

    In der Tat sind die Aufgaben leichter geworden, zugleich korrigiere ich aber strenger.


    Vielleicht werden die Schüler immer besser.

    Ich bin mir sicher, dass nicht. Tatsächlich war nur mein allererster Jahrgang formal deutlich schlechter als alle folgenden Jahrgängen. Plausibel ist daher vermutlich das hier:


    Vielleicht bist du in den letzten Jahren einfach besser geworden im Unterrichten und kannst es den Leuten besser beibringen.

    Ich habe jetzt eigentlich noch mehr schreiben wollen, aber ich glaube, das bringt hier nichts mehr. Mathe scheint aus irgendwelchen Gründen ein Problem zu sein, das ich aber nur für ein Symptom halte. Vermutungen für die Ursachen hätte ich. Man könnte auch drüber philosophieren, aber das ist nicht wirklich lustig hier. Vor allem nicht konstruktiv. Vom weiter rumnölen hab ich ja nichts, das ist doof.

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