Jupp, das sind eben alles interessantere und relevantere Diskussionspunkte als Ziffernnoten vs Text. Der Druck ist bei uns nicht so hoch, weil es eben die 4er Matura für alle Studienfächer tut. Ich habe schon viele intrinsisch motivierte SuS. Sogar solche, die bei der Projektarbeit bewusst die schwierigsten Themen auswählen, weil sie was lernen wollen. In Physik erzähle ich gerade einer Klasse über Wellenoptik und Quantenmechanik ohne dass es eine Prüfung zu diesen Themen geben wird. Sie sind alle da und hören zu.
Beiträge von Antimon
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Meine Schöfli haben ihre Pflicht nach dem 1. Jahr bei uns abgesessen. Und wenn's nur ums Absitzen geht, kommen sie nicht zu uns.
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Die Erfahrung zeigt meistens, dass auch das Sitzenbleiben keine besseren Leistungen bringt, leider
So ist es leider oft, ja. Die meisten sind aber zu träge sich was anderes zu überlegen. Ich hatte schon wirklich tragische Fälle. 2 x wiederholt, die Matura knapp bestanden und dann nach 2 Semestern auch am Studium gescheitert. So ganz daneben sind wir mit unseren bösen Ziffernnoten halt meistens schon nicht.
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Mich regt es übrigens 100 x mehr auf wenn ich ungenügende Prüfungen zurückgebe als meine SuS. Mein Ziel ist grundsätzlich schon, dass die das verstehen, was ich ihnen erzähle. So Jugendliche haben aber gerne mal andere Prioritäten im Leben, die lachen mich hin und wieder sogar aus, wenn ich mich theatralisch auf den Boden schmeisse weil wieder irgendwas nicht so gegangen ist, wie ich mir das gedacht hatte.
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Unser System ist halt so, dass es letztlich auf Noten, Abschlüsse und Zertifikate ankommt
So ist es, ja. Wenn ich mir jetzt aber überlege, was mich im Berufsalltag motiviert, ist es sicher nicht die Aussicht auf den ausserordentlichen Stufenanstieg, kodiert als A+ Bewertung. Tatsächlich haben wir im Baselland ein solches System seit 2 Jahren. Auch bei meinen Jugendlichen geht es nicht nur um Noten. Zum Glück. Aber wir sind ein Gymnasium und die Maturnote zählt nicht in der Schweiz, Hauptsache bestanden. Das macht schon was aus.
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Wir haben's überlebt...
Das ist kein Kriterium für guten Unterricht. Wir haben in der Grundschule noch in der Ecke gestanden und sind am Gymnasium an den Haaren gezogen worden, wenn wir beim Maschinenschreiben nen Fehler gemacht haben. "Überlebt" habe ich das alles. Und zum Glück sind solche Zeiten unwiederbringlich vorbei.
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Der Bachelor ist übrigens mehr als ein Grundstudium
Daran muss ich mich auch hin und wieder erinnern. Bis zum Vordiplom hatte ich 4 Semester, das Bachelorstudium umfasst in Heidelberg heute 6 Semester. Ein Bachelor ist 180 CP wert, im Masterstudium kommen nur noch 90 CP dazu. Das war zu meiner Zeit gerade anders rum.
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Ui, das finde ich latent schockierend aber auch irgendwie erhellend. Also nein, ich hatte definitiv im Grundstudium auch im Fach noch längstens nicht alles gelernt. Insbesondere in der Physikalischen Chemie ist das meiste eigentlich erst im Hauptstudium passiert. Zudem ist der Praxisanteil in der Chemie natürlich enorm hoch und man lernt im Hauptstudium noch mal ganz andere Techniken. Das ganze Inertgaszeug kam z. B. erst in den Forschungspraktika nach dem Vordiplom. Ich unterrichte heute Physik und habe eigentlich immer das Gefühl, unsere "richtigen" Physiker wissen alle 100 x mehr als ich. Erstaunlicherweise reicht mein solides Laienwissen eben wirklich zum Unterrichten

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Wenn ich (mache ich hin und wieder) meinen Jugendlichen was von Ausfragen und Exen erzähle, gucken die mich an als ob ich sie verarschen wollte. Insbesondere Ausfragen geht hier absolut gar nicht, das wird als Psychoterror gewertet. Unangekündigte Voki-Tests in den Fremdsprachen werden gemacht, in allen anderen Fächern ist das hochgradig empörend.
(Ich habe zu Beginn meiner Karriere mal eine Klasse mit Unangekündigten geplagt. Ich bin knapp mit dem Leben davongekommen und gebracht hat es nichts.)
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Ach so meinst du das. Ja, die Prinzipien sind wohl immer die gleichen, aber das Mass an Selbständigkeit nimmt schon sehr deutlich zu. Ich glaube Chemie ist insofern speziell als dass die vollständig selbständige Projektplanung wirklich erst während der Promotion erlernt wird. Weshalb die Promotionsrate unter Chemikern entsprechend hoch ist. Die Struktur einer guten, experimentellen Maturarbeit ist im Übrigen auch keine andere als die meiner Doktorarbeit. Etwas überspitzt könnte man jetzt fragen, wozu überhaupt studieren

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Zum Ende des Bachelor ist das wissenschaftliche Niveau nicht höher oder niedriger, als im Master
Das würde ich jetzt nicht unterschrieben. Ich musste zum Vordiplom noch gar keine Arbeit schreiben und die Bachelor-Arbeiten, die ich als Doktorandin noch gesehen habe, sind schon von deutlich geringerem Umfang als eine Masterarbeit. Es wäre doch tragisch, wenn da im Master nichts mehr dazukommt.
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Auch im (Nicht-Lehramts-)Bachelor studiert man zumindest bei geisteswissenschaftlichen Studiengängen in der Regel mehrere Fächer, hat Bezugswissenschaften, übergreifende Studienanteile sowie Praktika. Insofern kann man nicht davon ausgehen, dass ein (geisteswissenschaftlicher) "Fach"-Bachelor 180 CP in seinem Fach im engeren Sinne erworben hat.
Selbst die Hälfte eines reinen Fach-Bachelors ist noch deutlich mehr als die erwähnten 68 CP.
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Ach Gottchen, da muss ich jetzt aber schon lachen. Ich muss selbst im 3. Fach noch mal 90 CP nur in den Fachwissenschaften holen und das ist deutlich entfernt von "kann wissenschaftlich arbeiten" im Sinne von "kann selbständig ein wissenschaftliches Projekt aufgleisen und durchführen".
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...Okay, das leuchtet ein. Aber dann sind wir wieder an dem Punkt, wenn man regelmäßig kriteriengeleitete Noten erteilt, muss man doch auch stattdessen ein Kreuz setzen können.
Warum auch immer ich in diesem Thread Beiträge von blockierten Personen sehen kann..
1. Ist mir das jetzt zu albern und ich schmeisse dich wieder von der Liste, das Forum will es offenbar so.
2. Das meine ich doch: Es ist am Ende des Tages völlig wurscht ob man eine Ziffernnote oder ein Kreuzchen setzt, es zählt allein der Weg dahin. Das relevante Wort ist "kriteriengeleitet".
Ich mag meine Schule dafür, dass sich die Mehrheit meiner KuK sehr viel Mühe mit konstruktiver Rückmeldung und Beratung gibt. Ein paar Tröten gibt's halt immer aber an anderen Schulen läuft es diesbezüglich definitiv schlechter. Wahrscheinlich kann man über die Lancierung von Pilotprojekten Denkprozesse anstossen, ja, das ist immer gut. Aber für mich bleibt der formale Teil der Leistungsbewertung einfach irrelevant. Ich bekomme hier schon wieder die Flöhe wenn ich lese, dass mancherorts die Zeugnisnote aus nur zwei Teilleistungen gebildet wird. Ich muss halt auch im zweistündigen Grundlagenfach 5 Einzelnoten pro Schuljahr setzen. Ich bin unterdessen dazu übergegangen, auch regelmässig mündlich zu prüfen, was den Jugendlichen eindeutig zum Vorteil gereicht aber in den grossen Klassen mit so wenigen Wochenlektionen echt verdammt mühsam ist. Wir haben an Ostern eine schulinterne Weiterbildung zum Thema Prüfungskultur. Als Mitorganisatöse bin ich schwer gespannt, was da rauskommt.
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Ich habe mal einen mittelschweren Eklat an der Schule ausgelöst als ich ins Konventsprotokoll das Wort "Bierbänke" schrieb... Das sei jetzt aber sehr bayrisch. Nein, nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, das steht so im Duden!

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Das Wort "anstreichen" kenne ich nicht, was genau soll das bedeuten? Markieren?
Benutze ich SEHR häufig. Heisst markieren aber auch Fehler anstreichen (wie sagt man
dasdem* sonst?!) beim Korrigieren.*um an der Stelle noch mal einen Helvetismus zu streuen...
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Was schätzt ihr, welche Noten habe ich hier kompetenzorientiert umschreiben lassen
Wahnsinnig aussagekräftig ist das nicht. In Physik klingt mir das nach einer 3.0 oder 3.5 auf der Schweizer Notenskala. "Versteht keine Konzepte" ist sicher ungenügend. In der Sek I könnte es noch eine 3.5 sein, Sek II eher eine 3.0. "Gibt sich Mühe" heisst Schüler lernt immerhin. Mit entsprechendem Fleiss kommt selten weniger als eine 3.0 raus. Tiefer spricht entweder für Verweigerung, ausgeprägte Lernschwierigkeiten oder ein grösseres gesundheitliches Problem.
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Entspricht das den Noten 4 und 6 in Deutschland oder ist die Bewertungsskala da eine andere?
Ungenügend ist alles unter 4. Im Zeugnis stehen halbe Noten.
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Ach ja, das war doch klar...
https://www.spiegel.de/politik/ukrain…91-d0ffb708f33e
Die Forderung nach atomaren Waffen wird kommen.
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Ich erzählte erst letztens davon (Kontext spielt keine Rolle), dass in Mannheim nen Haufen Häuser stehen, die nach dem Krieg aus Schutt gebaut wurden. Fragt eine Schweizerin am Tisch "Welcher Krieg?" Das ist hier nichts Ungewöhnliches. Für die meisten Schweizer existiert der 2. WK nur in Geschichtsbüchern. Was hingegen deutlich präsenter ist als in Deutschland, sind die Balkankriege. Praktisch jeder kennt irgendeinen Bosnier oder Kosovaren, der selbst geflohen ist oder dessen Eltern geflohen sind. Die unterschiedlichen Perspektiven sind schon interessant.
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