Beiträge von Quittengelee

    Es ist echt traurig, aber du scheinst durch deine Vertretungstätigkeit schon desillusioniert worden zu sein, bevor du überhaupt anfangen konntest, richtig zu arbeiten. Das ist aber leider erwartbar, wie meine Vorredner schon schrieben.

    Ich würde die jetzigen Tätigkeiten an der Schule sobald als möglich beenden und wieder im Einzelhandel jobben, um das Studium zu beenden. Dann würde ich richtig ins Ref starten und zwar mit dem Gefühl, mit dem du vor ein paar Jahren das Studium begonnen hast!

    Die Suche nach Alternativen würde ich an dieser Stelle beenden. Wenn du irgendwann irgendwas anderes machen willst, dann wirst du einen anderen Weg finden. Da jetzt schon nervös rumzusuchen, irgendwas offen halten aber nichts Genaues wissen, obwohl du noch roundabout 2 Jahre für deinen Berufsabaschluss brauchst, bringt m.E. überhaupt keine Punkte.

    Es sei denn, dein Gefühl sagt: Ausbildung zur Glasaugenbläserin, DAS ist es! Dann könntest du genau so gut auch gleich neu anfangen. Aber wenn dein Gefühl sagt: irgendwie hab ich mir den Beruf anders vorgestellt, dann mach weiter, weil dieses Gefühl ist definitiv richtig. Du wirst gerade vom systematischen Lehrkräftemangel maßlos ausgenutzt. Normal wäre in deiner Situation "zwei Wochen Praktikum mit Mentorin, wo ich lediglich hinten drin sitze und mal eine Station für eine Stationenarbeit vorbereite, die hinterher bei nem Kaffee ausgewertet wird."

    Ich unterrichte mehrere Fächer und bei einem Teil dieser Fächer lehne ich mich mal gaaanz weit aus dem Fenster und sage: brauch man nicht nacharbeiten!

    Gesundete Kinder mögen sich lieber auf das Nacharbeiten in Hauptfächern konzentrieren...

    Am Gym fällt mir da wenig ein, ehrlich gesagt. Musiktheorie? Kann man den Test gut verkacken, wenn man 45 oder gar 90 min verpasst hat.

    Abgesehen von Deutsch und Englisch, wo man keine Sprünge in einer Woche macht und Leichtathletik vielleicht, weil dort eh nie was vernünftig trainiert werden kann.

    Wobei die Regelung immer schon so war, Schulen sind da nur immer sehr kreativ bzw. rechtsbeugend unterwegs gewesen.

    Eine Attestpflicht ist ein Verwaltungsakt, der kann nicht mal eben so auf Zuruf oder rückwirkend erlassen werden. In Prüfungen (ZP10, Abitur) ist das abweichend geregelt, aber über die jeweilige APO

    Ui, sicher? Unsere Schulbesuchsordnung sieht die vor und ich habe mich nämlich schon gefragt, was eigentlich passieren soll, wenn der nicht nachgegangen wird. Ich kann das Attest ja am Ende nicht einklagen.

    Und wie ist das mit dem Amtsarzt-Besuch, den die Schulleitung einfordern kann, weiß das jemand?

    Ja, die Gefahr besteht natürlich, also die des Perfektionismus.

    Aber auch wer Teilzeit arbeitet, hat Berufserfahrung und muss nicht jede Stunde neu planen. In der Grundschule hat man halt tendenziell mehr Materialschlacht, aber das Material für Erwachsene muss auch sinnvoll aufbereitet sein. Wenn ich bei einer Fortbildung einen Matrizendruck von 1983 vorgelegt bekäme, weil der Dozent keine Lust hatte, ein aktuelles Buch zu lesen und sich passende berufsbezogene Beispiele dazu zu überlegen, würde ich mich auch bedanken. Ist also immer eine Frage der Realität und nicht der Fiktion, was Grundschulkolleg*innen so machen könnten den lieben langen Tag.

    Edit: Als ich gerade nachlesen wollte, was der Brötchengeber eigentlich so an Vorbereitungszeit vorsieht, bin ich auf diesen Thread von vor 5 Jahren gestoßen...

    Lucy01
    20. Januar 2020 12:42

    Und trotzdem hättest du doch mehr freie Zeit, wenn du daran sparen würdest.

    Ja, du hättest auch mehr freie Zeit, wenn du Teilzeit arbeiten und weniger Stunden unterrichten würdest. Wie gesagt, die Belastung in meiner Schulart und auch für mich persönlich liegt woanders.

    Ich arbeite sowieso Vollzeit, es kann aber eine Zeit kommen, wo ich das nicht möchte und ich kenne auch Gründe von Kolleg*innen die das tun. Meist ist es Pflegen, eigene chronische Krankheit oder Kinderbetreuung.

    PS: Nur zur Verdeutlichung kurz ein Beispiel aus einer anderen Branche: Ein Architekt entwirft während seiner Arbeitszeit im Auftrag seines Chefs ein Haus, verkauft anschließend die Pläne aber auf eigene Faust weiter. Dass das nicht rechtens sein kann, ist wohl offensichtlich.

    Das ist aber auch was völlig anderes. Wenn jemand die Pläne kauft und damit ein Haus bauen lässt, dann entgehen dem Architekturbüro Aufträge. Wenn ich bei eduki ein Arbeitsblatt einer Kollegin aus Düsseldorf kaufe, entsteht dem Land Nordrhein-Westfalen kein Schaden.

    Allenfalls ist es ein anzuzeigender Nenenverdienst, würde ich wie Matthias G. vermuten.

    Mach dir nicht zu viele Vorwürfe. Natürlich mögen dich die Kinder und selbstverständlich hören sie viel besser auf die Klassenleitung, das ist ganz normal!

    Ich denke, dass du dir zu viele Gedanken machst. Lass die Kinder nach dem Unterricht da zum Nacharbeiten. Wenn einer mehr Probleme mit dem Schreiben hat, tut ihm die Extraübung gut und falls er nicht alles schafft, ist es auch kein Drama.

    Du stellst dich meines Erachtens zu viel in Frage. Reflexion ist gut, etwas dann durchzuziehen besser. Wenn du bei einer Maßnahme schon vorher überlegst, ob das Kind sie umsetzt, kannst du es auch gleich lassen, es wird zum unerquicklichen Machtkampf.

    Musste einer in der 5. Stunde dableiben (dann kannst du auch in Ruhe besprechen, welche Probleme es gibt und gab), wird es das nächste Mal besser laufen, weil derjenige weiß, dass du umsetzt, was du ankündigst.

    Am besten machst du diese Stunde schon vorher mit den Eltern aus, dann fühlst du dich sicher und das spürt das Kind. Den Eltern würde ich ganz freundlich begegnen und um Mitwirkung bitten, dass du die und die Stärken bei ihrem Kind siehst, aber es aktuell sehr schwierig ist, es zum Lernen zu bewegen oder sowas und dass du am Donnerstag eine Stunde zum Nacharbeiten vorgesehen hast, ob das Kind da später geholt werden könnte. Oder dass es da später in den Hort gehen wird, dann reicht die Ansage.

    Für Kinder, die alles ungerecht finden: vielleicht hilft es dir, einen Satz zurecht zu legen, etwa "Ich höre, dass du das ungerecht findest und ich entscheide trotzdem so." oder "Ich diskutiere das jetzt nicht, die Regeln sind klar."

    Es kommt doch total darauf an, was einen im Beruf belastet und gleichzeitig, in welcher Verfassung man sich sonst im Leben befindet. Wenn ich jung, energetisch und ohne Probleme bin, kann ich auch im Job mehr leisten. Gibt es verschiedene Belastungen in meinem Leben außerhalb der Arbeit, reicht die Energie im Beruf nicht so weit.

    Unterrichtsvorbereitung macht mir mit am meisten Spaß, die ist sicher nicht das Problem.

    Okay, dann ist "Drohung" vielleicht der passendere Begriff, mit dem wir zumindest dasselbe meinen.

    Nehmen wir mal das Beispiel aus dem Ausgangsthread. Du bist als Fachlehrerin in einer Klasse und ein Schüler zeigt herausforderndes Verhalten. Was das sein könnte, kann man sich vorstellen, etwas, das absichtlich getan wird, um den Ablauf zu stören. Das geht los mit "oaaah nein, voll langweilig! Egal was man mitgebracht hat, reinrufen, nicht mitarbeiten, andere ansprechen, "frechen Ton" anschlagen (chill mal!), bei jeder Ermahnung rufen, wie ungerecht das ist, weil Franz auch reingequatscht hat und er ja gar nichts gemacht habe etc.pp.

    Was könnte die/der TE an Maßnahmen ergreifen, die souverän und klar, gerecht und konsequent in genau diesem Moment umgesetzt werden können?

    ... habe aber auch direkt dazu gesagt, dass ich selbst derzeit stark auf mich und meine Ressourcen achten muss, um gesundheitlich nicht in Probleme zu geraten.

    ... Ich antworte, dass ich gerade froh bin, meine eigenen Aufgaben einigermaßen zu schaffen, worauf von ihr nur wieder die nächste Bitte kommt, ob ich nicht mal eben Dies und Das an Input für sie geben könnte.

    ...

    Ich weiß zwar nicht, warum sie nicht versteht, dass es dir nicht gut geht, davon unabhängig ist es aber sowieso nicht deine Aufgabe, jemanden (von einer anderen Schule zudem) mit durchzufüttern.

    Ich finde, man kann direkt sagen: "Nein, wie bereits geschrieben, werde ich deine Arbeit nicht erledigen. Die Arbeitsgruppe ist zudem abgeschlossen, daher wünsche ich dir alles Gute, ich melde mich nun nicht mehr."

    Blockieren kann man natürlich auch immer noch, würde man bei stalkenden Personen auch tun und ähnlich toxisch verhält sich die Person ja auch.

    Oder: "Mein Stundenlohn liegt bei 80€, bei der nächsten Anfrage deinerseits stelle ich eine Rechnung." Allerdings könnte sie das für einen Witz halten und wieder etwas erwidern, aber du willst ja in Ruhe gelassen werden. Denn offenbar fühlst du dich bereits durch die Anfragen und das Ignoriertwerden deiner deutlichen Signale bedrängt, zumindest hört es sich für mich so an.

    Ich habe auch nicht geschrieben, dass es wirklich Erpressung ist, sondern dass ich verstehen kann, wenn sich das für die Kleinen so anfühlt. "Wenn du jetzt nicht, dann rufe ich deine Klassenlehrerin an und dann...." Das ist so wie "dann hole ich meinen großen Bruder/meine große Schwester!" statt es persönlich mit den Kindern zu klären.

    Es ist schon etwas anderes als eine vorher geklärte Sanktion, die automatisch kommt, wenn ein bestimmtes Benimmlevel überschritten ist, so mein Eindruck. Aber natürlich können wir das anders sehen, ich wollte nur nochmals auf die Erpressung Bezug nehmen, wie ich das wahrnehme.

    Wenn du dich nicht freiwillig leise verhältst, bekommst du eine Sanktion xy. Wenn du nicht brav in den Sitzkreis kommst, gibt's einen Strich, 3 Striche sind Maßnahme xy. Wenn die Klasse leise war und ein Spiel einfordert, bekommt sie das Spiel nicht.

    Was daran ist nach deiner Definition keine Erpressung?

    Die TE sagt: wenn du nicht aufhörst zu stören, rufe ich Frau X an. Kind will nicht, dass Frau X Bescheid weiß und hört auf zu stören. Deine SuS wollen das Spiel spielen (oder dass nicht die ganze Klasse eine Stufe runterrutscht) und ändern ihr Verhalten deswegen.

    Irgendwie muss man halt als Lehrkraft erziehen und Gruppen im Griff haben und das setzt häufig irgend eine Form von Belohnung und Bestrafung voraus. Und manche Kinder brauchen auch nie eine Sanktion, weil sie sich ordentlich verhalten können, andere stören unabsichtlich, andere sind verhaltensgestört (oder irgendein politisch korrektes Synonym) und stören absichtlich, wenn auch nicht immer bewusst manipulativ, sondern weil sie zu Hause nur Mist erleben. Da ist dann ein "oh entschuldige, wenn du meine Sanktion als Erpressung erlebst, höre ich sofort auf damit" möglicherweise kontraproduktiv.

    Ich stimme dir bei Konsequenz und allem zu. Aber grundsätzlich kann man Dinge verschieden machen und sich zu reflektieren schadet niemandem.

    ...

    ich denke oft, dass sich vollzeitkräfte ausbeuten lassen, weil sie meinen, so viel geld zu brauchen...

    Ehrlich gesagt beklagen sich Vollzeitlehrkräfte viel häufiger über ihre Überlastung. Manche machen dann halt weniger, also Schmalspurarbeit bei voller Bezahlung oder sind permanent k.o. Und leben von Ferien zu Ferien.

    Hier im Forum wird ja extrem gegen Teilzeit gewettert aber ich sehe es wie du, ein freier Tag oder weniger Unterrichtsstunden SIND eine Entlastung. Natürlich muss man schauen, ob man sich das leisten will, es geht ja auch was von der Rente ab. Aber Vollzeit bezahlt werden wollen und trotzdem 14 Uhr Schluss haben wollen geht eigentlich nicht. Da sind nicht die Teilzeitkolleg*innen die Arschlöcher.

    Ja, wenn ich da nicht wohnen muss? Im Ernst, es gibt auch okaye Viertel mit z.B. aktiver Senioren- und Jugendarbeit. Aber die Armutsdichte ist halt tendenziell höher, richtig romantisch ist das nicht.


    Was fehlt in deinem Wohnviertel?

    ... und mit der Drohung "Ich rufe die Klassenlehrerin an!" entautorisierst du dich selbst. Das zeigt den Kindern nämlich, dass du selbst keine Idee hast, wie du mit ihnen umgehst und dir dann Verstärkung holst. Dass die Kinder das als Erpressung verstehen, verstehe ich sogar - und dass ein Kind das ausspricht, bedeutet, dass es sein Gefühl dazu zum Ausdruck bringt. Nimm das als eine Kritik, auf die du hören solltest....

    Sehe ich etwas anders. Die Lehrerin im Unterricht anzurufen halte ich auch nicht für ideal, aber ganz grundsätzlich hat das nichts mit Erpressung zu tun und ist genauso sinnvoll oder sinnlos wie jedes andere Belohnungsystem mit angeblich freiwilligen Stufen, Sanktionen oder Belohnungen jeder Art, die du ja auch hast. Das sage ich deswegen, weil die TE sowieso schon unsicher ist und das nicht gerade dabei hilft, sich durchzusetzen.

    Ich rufe übrigens manchmal Eltern an, wenn mir das Verhalten zu bunt wird und das wirkt super. Ich kündige das oft nicht mal an vorher, weil die Droherei sinnlos ist.

    Aber bei den Kleinen aus allem ein Spiel zu machen und Kindersprache zu entwickeln halte ich auch für eine gute Idee. Wenn die TE 3 Kinder hat, weiß sie theoretisch auch, wie das gehen kann. Sowas vergisst man im gestressten Alltag und als Berufsanfänger halt leichter.

    Edit: ...und es liegt auch nicht jedem. Ich hab neulich die Museumspädagogin wirklich bewundert für ihre Art, wie mit Kindergartenkindern zu sprechen. Das war authentisch und hat total gut gepasst. Ich versuche mir durchaus auch nach gefühlt 100 Berufsjahren bei anderen Verhaltensweisen abzugucken.

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