Es gibt doch diesen Kalenderspruch, dass man sich am besten auf die Zukunft vorbereitet, indem man sich sorgsam der Gegenwart zuwendet. Son bisschen was ist da schon dran. Wenn du zum Beispiel jetzt gerade den Eindruck hast, dass ihre Zeichenfähigkeiten nicht ihren eigenen Ansprüchen ans Ergebnis genügen, dann frage ich mich als Außenstehende nicht, ob sie keine Lust hat zu zeichnen und das mehr üben sollte, sondern woher der Perfektionismus kommt und ob mehr machen lassen und weniger bewerten gerade angesagt sein könnten. (Knete und Fingerfarben statt Lineal und Schablone...)
Die Interpretation von Ursachen des Verhaltens des eigenen Kindes und Erlebnisse aus der eigenen Kindheit tragen maßgeblich dazu bei, wie man auf das Verhalten wiederum reagiert (unsicher, stolz, verärgert, entspannt, besorgt...). Das wiederum bestimmt, wie das Kind eine Situation und sich selbst wahrnimmt, interpretiert und sich seinerseits verhält.
Wenn man sich Sorgen um die Entwicklung seines Kindes macht, kann es daher auch hilfreich sein, sich selbst beraten zu lassen und weniger die äußeren Umstände zu kontrollieren versuchen. Letzteres geht nämlich sowieso nur bedingt...
Springen oder nicht, mit 5 einschulen oder mit 6, alles hat Vor- und Nachteile. So gigantisch ist die Bedeutung aber nicht, wie es dir jetzt gerade erscheinen mag, denn am Ende muss das Kind mit der Lehrkraft klarkommen, die es vor sich hat und mit seinen Stärken und Schwächen leben wie jeder andere Mensch auch. Das Rüstzeug dazu zu liefern, Selbstbewusstsein zu fördern ist, denke ich, die schwierigste und zugleich wichtigste Aufgabe, die Kindergarten und natürlich Eltern leisten können.
Also fühl dich bitte nicht angegriffen, ich habe keine Ahnung, wie ihr erzieht. Nur aus eigener Erfahrung empfehlen, viel Zeit und ein offenes Ohr für seine Kinder zu haben und nicht so viel vorab besorgt drumrum planen zu wollen.