Beiträge von Quittengelee

    Nö, der hinkt nicht wirklich, denn ich habe denke ich deutlich gemacht, dass es nicht darum geht, dass mir Menschen Hilfe angeboten hätten als ich diese wirklich benötigt hätte (in solchen Momenten fragt einen eigenartigerweise nämlich niemand, ob man Hilfe bräuchte), sondern diese einfach in völlig normalen Situationen mir qua Behinderung übergestülpt wurde oder mir von wildfremden Menschen zudringliche Fragen zu meiner Gesundheit gestellt werden, weil sich viel zu viele Menschen einbilden, dass das Menschen mit Behinderung per se total freuen würde und sie wirklich unglaublich gerne ihre intimsten Krankengeschichten als „Smalltalk“ in Bus und Bahn auspacken. ...

    Und wo ist nun der Vergleich zur Frage, wo jemand herkomme? Genau das meine ich doch. Aus einer einfachen Frage wird gerade durch die Vergleiche ein riesen Drama mit Beleidigungen und intimem Ausfragen gemacht, das sind aber zwei paar Schuhe.

    Ich hab ja bereits geschrieben, dass es inzwischen bekannt sein sollte, dass viele Menschen nicht gefragt werden wollen, wo sie herkommen. Das hängt aber in erster Linie damit zusammen, dass sie in vielen Kontexten unfreundliche Fragen gestellt kriegen und diverse negative Erfahrungen gemacht haben und nicht, dass jemand ernsthaft an ihnen interessiert ist. Und die wirfst du für mein Empfinden in einen Topf.

    Ich weiß nicht, wie das besser werden kann, ich vermute aber nur, indem man miteinander redet. Zum Beispiel Leuten erklärt, was man empfindet. Und nicht, indem man sie ankackt.

    @Quittengelee: Es gibt eine Frage (oder sagen wir mal zwei, da auf die eine Frage in ganz vielen Fällen eine Folgefrage kommt) in Bezug auf meine Identität, die vermutlich auch sehr harmlos gemeint ist, die ich aber schon so oft hören durfte, dass ich inzwischen sicherlich leicht genervt reagiere, sobald ich auch nur die Vermutung habe, dass die Folgefrage kommen könnte, von daher kann ich die Reaktion deines ehemaligen Partykontaktes schon verstehen. In meinem Fall ist dann weniger die Erfragung einer Information das Problem, sondern dass diese Information nicht einfach als Antwort vom Gegenüber akzeptiert wird, ohne dass eine Grundsatzdebatte hieraus entsteht.

    Mir ist das schon klar, aber Leute fragen doch meist aus Unwissenheit oder ich nenne es mal einer gewissen Beschränktheit heraus. Und je mehr Leuten du deine Situation erklärst, desto mehr wissen Bescheid.

    ... regelmäßig gefolgt sind von der Frage, wo diese denn WIRKLICH herkommen würden,

    Das ist aber etwas anderes, als zu fragen, wo jemand herkommt. Und auch hier ist vielleicht die Wortwahl hohler als das Gemeinte.

    Der Vergleich zur Behinderung hinkt dann auch etwas (sorry fürs Wortspiel), weil die Frage, ob jemand Unterstützung brauche, von den meisten Menschen mit Behinderungen lieber gehört wird als bei Hilfebedarf ignoriert oder einfach über die Straße gezerrt zu werden. Und sowas passiert doch auch in erster Linie, weil Menschen unsicher sind und eine komische Erziehung genossen haben.

    Und bevor du fragst, ja, das Gefühl, das du beschreibst, kenne ich. Aber Fragen zu vermeiden, macht ein Gespräch nicht unbedingt lockerer, ehrlicher wohl kaum und höflicher nur vielleicht.

    Ist schon eine sehr diskriminierende Frage - kann ich es nicht, bin ich doof, will ich es nicht, bin ich ignorant.
    Ich bin in einer Siedlung aufgewachsen in der die Hälfte türkischstämmigen Kinder waren, wir waren mal bei der einen Familie mal bei der anderen. Auch da wurde gefragt, wo kommst du her und mal hieß es Essen, mal war es Izmir. ...

    Ich muss in dem Kontext immer an eine Situation denken, als ich neu in einer Stadt war als Studentin und in einem Partykeller Smalltalk mit jemandem betrieben habe und eine Frage von mir lautete: "Wo kommst du her?" Und ohne Flachs, ich wollte einfach wissen, wo er herkommt, weil ich halt selbst gerade zugezogen war. Ich weiß nicht mal mehr, ob wir uns auf Deutsch oder Englisch unterhalten haben. Für mich war das genau dasselbe wie "was machst n du so?" Wenn man Beruf oder Studienrichtung erfahren wollte. Und wenn er Frankfurt oder Frankreich gesagt hätte, hätte ich genickt und nach dem Anlass gefragt, der ihn in diese Stadt gezogen habe oder was immer sich angeschlossen hätte. Daraufhin schnauzte mich der Typ aber an, dass jeder Deutsche diese Frage stellen würde und er es satt habe etc. Ich bin wirklich und ernsthaft überrascht gewesen. Wobei ich nicht behaupte, dass ich niemals Vorurteile habe oder dumme Fragen stelle oder sowas, aber diese Frage war schlicht unverfänglich.

    Es ist allerdings über 20 Jahre her. Inzwischen weiß ich um diese Empfindlichkeit und frage nicht mehr.

    ISD , dieser Satz:

    Finde ich sehr mutig, dass ihr es zugebt. Wenn das andere Menschen behaupten, dann wird man in der Luft zerrissen.

    mit dem "ihr" und "man" macht die Verallgemeinerung. Nur weil X sagt, er arbeite Y Stunden, sagt das nichts über die Arbeitszeiten und schon gar nichts über die Arbeitsbelastung der Mehrheit der Lehrkräfte aus.

    Und dieser:

    ...Wenn dann die Terminvorschläge (aufgrund von diversen Unständen) Nachmittags um 15 (!!!)Uhr oder Freitag nach 13 (!!!)Uhr waren, war das Gespräch gar nicht mehr so wichtig. "Nee, also um die Uhrzeit arbeite ich ganz sicher nicht." Da kannst du als Teilzeitkraft echt überlegen, ob du lachen oder weinen sollst, oder greifst dir einfach nur an den Kopf.

    Und nochmal: Nein, nicht alle Lehrkräfte haben so gehandelt. Aber es waren schon Einige.

    ...

    ...steckt so voller Ärger und Ressentiments, dass ein "nicht alle" nichts revidiert, zumal im Nachgang "aber es waren schon einige" für dich nicht fehlen durfte. Ich habe keine Ahnung, warum die benannte Lehrkraft das Elterngespräch vermieden hat, oder vormittags führen wollte. Das hat aber nichts mit der Durchschnittsarbeitszeit von Lehrkräften zu tun. Es gibt dazu durchaus Studien.

    Ich lese nicht selektiv, sondern betone das, was dich offenbar besonders um- und antreibt.

    Wenn meine bessere Hälfte zur jährlichen einwöchigen Teambuilding-Veranstaltung auf die Alm fährt, gibt's auch keine Fluchtmöglichkeit zur normalen Feierabendzeit, und erst recht nicht um 16:00 Uhr. Wer nicht bis 22:00 oder 23:00 Uhr dabeibleibt, wird mindestens schief angesehen. Und meistens macht es sogar Spaß.

    ja und? deine bessere Hälfte darf sich aber ins Bett legen, wenn schief angesehen zu werden sie auszuhalten in der Lage ist. Ich kann mich nicht ins Bett legen, wenn ein Kind kotzt, eines seine Sachen packt und heimlaufen will und ein drittes ankündigt, wegen des Liebeskummers nun aus dem Leben scheiden zu wollen.

    Aber vielleicht machte die BK-Kollegin ja Klassenfahrten, wenn man sie überzeugte, dass der Nutzen den Aufwand rechtfertigt. Und der Aufwand entsprechend von der Dienstherrin getragen würde.

    Kommt ja auch auf deine Fächer an. Die älteren SuS machen ja durchaus auch Bildungsrelevantes auf Klassenfahrten, besichtigen Bundestag oder Teilchenbeschleuniger oder radeln durch die Berge. Ich bin kein Klassenfahrtenfan, sehe aber auch keinen Grund denen, die drauf stehen, selbige madig zu machen.

    Nur als Dienstreise würde ich es nicht bezeichnen.

    Was den Personalmangel betrifft stimme ich dir voll und ganz zu, Palim!

    Siehst du also Inklusion unter den heutigen Umständen als gescheitert? Wäre es besser die Kinder in Förderschulen zu lassen?

    Wer sind denn "diese Kinder" das ist doch alles total verkürzt. Lies doch bitte hier und/oder woanders erst mal etwas zum Thema.

    Eine Klassenreise entspricht bei üblichen Bürojobs einer Dienstreise.

    ...und deswegen hast du auf Klassenfahrten ab 16 Uhr frei und übernachtest im Hotel, wo du mit interessanten internationalen Gästen zu Abend speist? Meine Klassenfahrten sehen definitiv anders aus.

    Nee nee, ich vermute, die Arbeitszeiterfassung wird bei Lehrkräften wahrscheinlich nie kommen, weil niemand eine Idee hat, wie die halbwegs vergleichbar aussehen soll.

    Richtig, eine Sozialpädagogin die 15 Jahre lang ihre komplette Arbeitszeit am Ort Schule verbracht hat.

    Und wenn du dein erstes Schuljahr Vollzeit unterrichtet hast, würde ich gerne mit dir noch mal über das Thema reden.

    Edit: das Problem sind mal wieder die Verallgemeinerungen. Ich kenne Schulsozialarbeiterinnen, die meinen, es würde wem helfen, sich in den Unterricht hinten rein zu setzen und die Augen zu verdrehen. Von den Pappnasen beim Jugendamt mal ganz abgesehen, die gezielt unsere Arbeit torpedieren, die wir in jahrelangem, intensiven Einsatz vorbereitet haben. Ich musste mit einigen sehr schlecht arbeitenden Sozialpädagog*innen zusammen arbeiten und reagiere deswegen allergisch auf das allgemeine Lehrerbashing. Insofern mach, wenn du denkst, du kannst es besser, aber urteile dann, wenn du den Unterrichtsalltag PLUS Elternarbeit aus eigener Erfahrung kennst.

    Und um das Allgemeine gleich wieder zu revidieren: wir haben eine fantastische Sozialarbeiterin, die seit Jahren wertvolle Arbeit leistet und auch im Jugendamt habe ich eine solche kennengelernt. Und selbstredend gibt es alle möglichen Abstufungen dazwischen von Leuten, die ihre Arbeit ganz normal machen.

    Für wen ist was ein Vorteil, ich verstehe dich gerade nicht. Ob du mehr arbeitest, kann ich nicht beurteilen, du kannst während einer Anwesenheitspflicht auch Moorhuhnjagd spielen. Der Punkt ist, dass jüngere Leute tendenziell von Home-Office oder wenigstens Fitnessstudio im Betriebskeller träumen. Wenn die Länder jetzt noch Anwesenheitspflicht verlangen würden, wäre das nichts als Gängelung.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich auch der staatliche Schulbetrieb sich nach und nach noch mehr in diese Richtung bewegen wird. Für beidseits berufstätige Eltern ist eine qualifizierte Ferienbetreuung der Kinder zwingend.

    Was lässt dich das vorstellen? Da der Staat massiven Lehrkräftemangel zu beklagen hat, kann ich mir nicht vorstellen, das sich irgendwer was überlegen wird, das diesen Beruf noch unattraktiver machen könnte.

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