Beiträge von Quittengelee

    Ich denke, daß sich an der Stelle schon die Einstellungen von Förder- und Regelschulkollegen unterscheiden. Nicht Jeremy-Joel und Lydia leiden. Sie haben nur den Förderbedarf.

    Die Leidenden sind alle anderen „normalen“ Schüler in der Klasse. Diese leiden unter der Tyrannei der „Verhaltensoriginellen“.

    Also wenn, dann nicht die Einstellung, sondern das Wissen darum, auf welche Weise die Kinder zu Hause psychisch und physisch misshandelt werden. Außerdem habe ich bewusst von Leiden und Tyrannisieren anderer gesprochen, das hast du möglicherweise überlesen. Und ob die beiden Genannten nicht auch unter den Verhalten des anderen leiden, wenn man sie in eine Klasse setzt, müsstest du mal noch erklären, aber das ist wieder der Aspekt, was bringt die Förderschule den Kindern mit Förderbedarf.

    Mir ging es aber um theoretische Überlegungen zu den Konstrukten 'Behinderung' und 'Förderschule' und 'Schulart'. Förderbedarf ist nicht dasselbe wie Behinderung. Manche SuS haben ganz offiziell keine Behinderung mehr, sobald sie die Förderschule verlassen und mancher mit Behinderung benötigt keine besonderen Lernbedingungen.

    Und manche Lehrkraft denkt, dass eigenbrödlerisches Verhalten Autismus sein muss. Das nur zur Diagnostik und Definition von Störungen im Allgemeinen.

    Ich überlege gerade so vor mich hin. Vielleicht liegt ein Grundproblem schon darin, dass Förderschulen begrifflich eine eigene Schulart bilden? Wenn überhaupt sollten eigentlich doch nur Schulen mit eigenem Lehrplan als eigene Schulart zählen. Dass es in Deutschland für jede "Behinderungsart" einen Förderschultyp gibt, ist ja nicht gottgegeben, sondern ein Konstrukt, an das man sich so gewöhnt hat, dass man meint, es ginge nicht anders.

    Dabei ist die Zuordnung überhaupt nicht einfach, wer schonmal diagnostiziert hat, weiß das. Wir diskutieren bei vielen Kindern lange, welche Empfehlung wir aussprechen bzgl. des Förderortes (auf welche Schule es gehen sollte). Es gibt immer Grenzfälle in alle Richtungen und auch Kinder, die nirgends hinzupassen scheinen. Ob jemand auf eine Förderschule geht und auf welche, ist also zunächst mal nicht sonnenklar und auf den ersten Blick erkennbar. Erst ab der Sekunde, wo es das Schulhaus betritt, wird es zum Sonderschüler.

    Nehmen wir die Schule für Erziehungshilfe. Dort gibt es beispielsweise 10 oder 12 Plätze pro Klasse und dann ist Schicht im Schacht, es ist also nicht die Frage, wie viele emotional gestörte Hardcorefälle an völlig überlasteten Regelschulen einer Stadt sitzen, sondern wie viele in der entsprechenden Förderschule unterkommen können. Das sieht dann so aus: eine Lehrkraft sieht alle zu begutachtenden Fälle vor sich mit dem Wissen, dass in Klasse 3 nur einer aufgenommen werden kann. Dann sagt sie der Kollegin, die die entsprechenden Gutachten schreibt, dass es nach Aktenlage den Anschein habe, dass Max von der 79. Grundschule derjenige sein wird, der diesen Platz gewinnt, weil er direkt aus der Psychiatrie dorthinkommen muss. An die alte Schule soll er nicht zurück, weil er dort regelmäßig alles kurz und klein geschlagen hat und beinahe täglich Tierlaute ausstoßend unterm Tisch lag. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Jeremy-Joel von der 23. Grundschule und Lydia aus der Astrid-Lindgren-Schule, die auch im 3. Schuljahr sind und leiden und ihre Umwelt tyrannisieren nicht diesen Platz haben können. Sie kriegen trotzdem Förderbedarf, sind aber weiterhin Grundschulkinder. Das Förderschülersein bekommt man nicht in die Wiege gelegt oder auf die Stirn tätowiert. Menschen sind einfach verschieden und jede andere Kategorisierung würde sich absolut verbieten.

    Und von der Ausbildungsseite: wenn man Förderschullehrkraft werden will, studiert man ein Schulfach und zwei sonderpädagogische Fachrichtungen statt eines zweiten Schulfachs. Also kann einer, der Mathe, Sprachbehindertenpädagogik und Lernbehindertenpädagogik studiert hat, an einer Realschule Mathe unterrichten, ohne dass es irgendwie fachfremd wäre. Er hat Mathe zusammen mit den Realschulkollegen (mwd) studiert.

    Ist der Umkehrschluss, dass ein Realschullehrer, der Mathe und Sport studiert hat, nicht an einer Lernbehindertenschule arbeiten könnte? Wäre das fachfremd? Und würde er an einer Sprachheilschule fachfremd Mathe unterrichten? (-> derselbe Lehrplan). Und unterrichtet er fachfremd, wenn er in der Realschule Mathe unterrichtet und ein Kind mit Förderbedarf Sprache oder Lernen ist mit in seinem Unterricht?

    Ich verstehe nicht, warum es immer wieder darum geht, wer am besten für welche Schulart ausgebildet ist und wo am liebsten unterrichtet. Natürlich sind alle für ihre Schulart am besten ausgebildet und arbeiten auch dort am liebsten. Das stellt niemand infrage. Selbst Quereinsteigerinnen ohne Lehramtsstudium sind in der Lage, sich didaktisch nachzuqualifizieren, daran zweifelt offenbar niemand.

    Ich für meinen Teil halte mich nicht für die beste Lehrerin der Welt, ich weiß aber nach soundsoviel Jahren ziemlich realistisch, was ich kann und was ich mir noch aneignen könnte, wenn ich müsste. Ich würde zum Beispiel am wenigsten gern in einer Grundschule arbeiten, weil ich inzwischen lieber mit Jugendlichen zu tun habe und keine Lust auf Eltern hätte, die alles besser wissen. Lieber habe ich mit Eltern zu tun, die vorm Schulhaus rumschreien oder selbstgebastelte Ungetüme mit einem Schokoriegel darin verschenken.

    Können könnte ich es natürlich, hab ja Grundschulfächer studiert und ich würde bei einer erfahrenen Grundschulkollegin hospitieren und mir Tips geben lassen, was im Alltag der Grundschule hilfreich ist. Trotzdem fasse ich Kinder unter 10 nicht als Zumutung an mich auf, das wäre eben, ich sagte es bereits, gruppenbezogen menschenfeindlich.

    Langer Rede kurzer Sinn, ich finde es nicht verkehrt, sein Bild von Behinderung ab und an zu hinterfragen und das, obwohl ich in Förderschulen ein- und ausgehe und persönlich Kinder und Erwachsene mit geistiger Behinderung kenne und als Menschen prima finde, genau so, wie sie sind. Ich nehme nicht ihre Einschränkungen gesondert wahr, es sind die Personen Fritz und Frida und nicht Fritz und Frida ja aber die können ja nicht lesen.

    Trotzdem habe ich natürlich auch Vorurteile und sehe bestimmte Dinge aufgrund meiner Erfahrungen auf eine bestimmte Weise und nicht, weil das objektiv so stimmen muss. Nennt sich Subjektive Theorien. Mein Weltbild bricht aber nicht zusammen, mir nur mal 5 min vorzustellen, welche Vor- und Nachteile ein Schulartwechsel hätte und was passieren würde, wenn wir keine Förderschulen als eigene Schulart mehr hätten. Selbst wenn ich zum Schluss käme, dass das nicht für alle gut wäre, ich kann den Gedanken tatsächlich zulassen, ohne mich deswegen in Luft oder Daseinsberechtigungslosigkeit aufzulösen.

    Ne, das ist "okay". Aber wenn ich die Zumutung benenne, die das spontane Unterrichten an der Förderschule GE nunmal ist, bin ich menschenfeindlich und werde zensiert. Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit in diesem Forum.

    Wenn es so einfach wäre, würde sich der Thread ja nicht im Kreise drehen. Das Problem war die von dir gewählte Formulierung, ist das echt immer noch nicht klar geworden?

    Wieso schreibst du nicht einfach "Ich möchte an keiner Förderschule für Geistigbehinderte arbeiten", ggf. um die Ergänzung, warum du meinst, es nicht mal ein Schuljahr dort auszuhalten oder von mir aus auch, warum die Abordnung eine Zumutung wäre. Das hast du nämlich nicht getan.

    Du hast Menschen mit einem Merkmal, hier 'Behinderung', zu etwas degradiert, das man dir nicht zumuten könne.

    Jeden Menschen mit einem anderen angeborenen Merkmal dürfte hier auch niemand als Zumutung für andere bezeichnen und ich unterlasse es, Analogien zu konstruieren, die zurecht gelöscht würden.

    Wobei Quittengelee bei der Addition schon nicht mehr von Prozent gesprochen hat, sondern nur noch von Punkten.

    20 Punkte + 30 Punkte = 50 Punkte.

    Ich gehe davon aus, dass sie (bzw. Die Schule) dabei dann auch (ohne es erwähnt zu haben) im Hinterkopf hatte:

    20 von 100 Punkte und 30 von 100 Punkten sind 50 von 200 Punkten.

    Ja, das war missverständlich, genau so. Die Kinder sehen unter einer Arbeit ihre Verrechnungspunkte und die Prozentangabe aber keine Note.

    Am Ende eines Schuljahres werden Klassenarbeiten zusammengefasst und die Verrechnungspunkte miteinander addiert, zur Gesamtpunktzahl die Prozent ermittelt und entsprechend in eine Ziffernnote 'umgewandelt'. Kleinere Kurzkontrollen gehen irgendwie extra, das müsste ich noch mal nachschauen.

    Danke Seph für deine Antwort, das ist gut zu wissen. Die Schule, um die es geht, ist riesig und bislang hat sich noch niemand der Elternschaft über die Notenfindung gewundert, deswegen interessierte mich das.

    Ich fürchte aber, im Zweifelsfalle ist immer die pädagogische Erläuterung ausschlaggebend, das heißt, auf welchem Wege auch immer eine Note ermittelt wird, die SuS müssen mit der Rückmeldung leben, die sie erhalten. Ob die 3 ausgerechnet wurde wie in Bayern oder Verrechnungspunkte zusammengefasst werden wie an besagter Schule in Sachsen oder ob die Lehrkraft sagt, die Leistung ist insgesamt als befriedigende einzuschätzen wie im Saarland oder wo auch immer.

    Weil du es weiter oben erwähntest, "Stundennoten" habe ich in Sachsen-Anhalt kennengelernt, da gab es auch 6en für unentschuldigtes Fehlen in einzelnen Stunden.

    Interessante Frage, soll es als bewertetes Fach zählen? Vom Gefühl her würde ich sagen, dass das das Ministerium entscheiden muss. Da müssten Stundenpläne, Stundentafeln, Lehraufträge, Zeugnisformulare und ich weiß nicht was noch geändert werden. Die Meinung der Schulkonferenz interessiert da wohl eher nicht:weissnicht:

    Quittengelee:

    Nee, drum schrieb ich ja „OT“. Gibt ja leider keinen „Mathesyntax-Rechtschreibthread“.

    Und: Was das nun mit Karopapier zu tun hat erschließt sich mir nicht. Tut mir leid, wenn’s dich beleidigt hat.

    Nein, das hat mich nicht beleidigt, wie kommst du denn darauf? :S

    Ich dachte, du meinst es als Witz, weil ich nicht ordentlich neben- und untereinander geschrieben habe, so dass da nun zwei Rechnungen in einer stehen. Ich hab auch nicht das Ergebnis doppelt mit Lineal unterstrichen, so wie es korrekt gewesen wäre und das Datum oben rechts vergessen, es sollte eine Replik auf einen Lehrerwitz sein... Oh man, ohne Smileys klingt inzwischen alles irgendwie hart und trocken, was man formuliert;)

    Mich interessiert von den mathematisch Versierten, ob das beschriebene Vorgehen der Schule irgendwie zu gerechterer Bewertung führt am Ende. Ich habe es noch nirgends anders gesehen und finde es nicht uninteressant.

    Das war mir durchaus nicht ersichtlich. Ich halte aber auch grundsätzlich eine arithmetische Verrechnung von ordinalskalierten Daten (denn Noten sind NICHT nominalskaliert) für bedenklich, denn das ist mathematisch eigentlich nicht zulässig. Aber ich mag ja auch den Notenschnitt nicht. :D

    Ich behaupte mal, dass das jedem hier nach spätestens einem Forenjahr bewusst ist. Aber ganz ehrlich, ob man (3+4)=7/2=3,5 rechnet und sich dann für 3 oder 4 entscheidet oder sich gleich die Noten 3 und 4 anschaut und dann überlegt, ob der Schüler auf 3 oder 4 steht, dürfte relativ egal sein?

    Mal eine Frage an der Stelle: An einer mir bekannten Schule machen sie es so: alle Noten werden nur in Prozent angegeben (die SuS wissen, ab 80% eine 2, ab 95% eine 1 etc.). Am Ende des Jahres werden alle Punkte der einzelnen Leistungskontrollen miteinander verrechnet. Also einmal 30, einmal 20 erreichbare Punkte sind zusammen 50 erreichbare.

    Ist das gerechter?

    ...

    3.3

    Die Bewertungen in den Fächern werden von der Fachlehrerin oder dem Fachlehrer festgesetzt. Kommt die Schulleiterin oder der Schulleiter oder die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder der Klassenkonferenz zu der Auffassung, dass eine Lehrkraft bei der Erteilung einer Zeugnisnote einen Konferenzbeschluss über Grundsätze für die Leistungsbewertung verletzt oder gegen Rechts- oder Verwaltungsvorschriften, allgemein anerkannte pädagogische Grundsätze oder Bewertungsmaßstäbe verstoßen hat oder von unrichtigen Voraussetzungen oder sachfremden Erwägungen ausgegangen ist, so ist der Lehrkraft Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Kann kein Einvernehmen erzielt werden, so berichtet die Schulleiterin oder der Schulleiter der zuständigen Schulbehörde und bittet um Überprüfung der Bewertung.

    ...

    Wow, hier passt mal der Verwirrendsmiley. Das Hintertürchen zur Kontrolle des Kollegen, den man nicht für zurechnungsfähig hält? Dabei würde es wahrlich reichen, wenn die Schulleitung kontrolliert, falls es Beschwerden geben sollte.

    Danke, aber leider kam ich mit deinen Schlagworten nicht so weiter...

    Okay, Quintessenz ist, dass man Termine außerhalb der Arbeitszeit anstreben muss, wenn aber ein Facharzttermin ansteht, der eben nur dann geht, dann darf man ihn wahrnehmen. Möglichst vom Arzt bescheinigen lassen, dass es nur dann geht und wie viel Zeit du in der Praxis warst.

    Für eine planbare OP natürlich krankschreiben lassen, kann man ja trotzdem vorher ankündigen.

    Du könntest zum Beispiel ankündigen, dass du aus medizinischen Gründen öfter fehlen wirst, du selbstverständlich immer versuchen wirst, die Termine außerhalb der Unterrichtszeit zu legen und wenn das nicht geht, dich rechtzeitig für die entsprechenden Stunden freistellen lassen musst.

    Falls es wider Erwarten Probleme geben sollte, kannst du dich immer noch an die Gewerkschaft wenden.

    Edit: in der Broschüre war noch ein Fall erwähnt, in dem der AG versucht hatte, den AN zu verpflichten, eine andere Praxis aufzusuchen, die tollere Termine anbietet. Wurde abgewiesen, da freie Arztwahl. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dein Bundesland auf einen Rechtsstreit einlässt, wie oft ein Arzttermin vormittags nötig gewesen wäre, halte ich für gegen 0 tendierend. Dass du theoretisch jedes Mal morgens anrufen und von deiner Unpässlichkeit reden könntest, um an diesem Tag gar nicht zu erscheinen, wissen die natürlich selbst.

    Wir haben ständig mit dem Thema Inklusion zu tun.

    Ich schrieb "fachliches Interesse". Und das besteht offenbar flächendeckend nicht, zumindest habe ich dich und die meisten anderen noch keinen Kommentar zum Thema schreiben lesen (sagt man so, statt sagen hören?). Es geht seitenweise darum, was Leute so finden und meinen. Ich habe mich selbst nicht ausgenommen, Empörung also unnötig.

    Wobei, die Grundschulkolleginnen sind da ausgenommen, die äußern sich inzwischen selten zum Thema, die machen einfach. Sie werden nämlich nicht gefragt, was sie gerne hätten.

    Wenn die Erfüllungsskala zwischen Klasse 10 (langweilig) und Klasse 12 (ich blühe auf) liegt, dann kann es mit dem fachlichen Anspruch doch nicht so weit her sein. Oooder du erkennst einfach an, dass es in keiner Schulform um fachliche Höchstleistungen geht, sondern darum, Grundlagen zu vermitteln? Das hat auch nichts mit Pädagogik und Psychologie zu tun, sondern mit Didaktik. Und die hast du hoffentlich im Studium oder spätestens Ref gelernt, sonst würden die SuS in deinem Unterricht ja trotz und nicht wegen deiner Vermittlungsbemühungen lernen.

    Keine Ahnung, was die PH in Baden-Württemberg vor 30 Jahren gelehrt hat. Es ist aber auch egal, weil du eben nicht ganz wertneutral einen Einzelfall beschreibst, sondern immer wieder betonst, dass du Realschulkolleg*innen generell für bessere Erzieher*innen hältst. Das fand ich ärgerlich.

    Mich hat mal eine Förderschülerin gefragt, warum ich nicht Realschullehrerin geworden bin, ob es nur für Lernförderschule gereicht hätte. Fand ich damals und aus ihrem Munde noch niedlich, aber ich beginne zu vermuten, sie ist nicht die einzige, die sich fragt. :P Aber ehrlicherweise muss ich zugeben, für Sonderschule reicht das Hiphopabitur. Und ich bin tatsächlich zufrieden mit meinen Hanseln und meinen Kollegen, wollte nicht unbedingt tauschen. Aber ich würde jede Abordnung annehmen und mich über eine Herausforderung freuen, auch an jeder erdenklichen Schulart. Aber das muss natürlich niemand teilen.

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