Beiträge von Ragnar Danneskjoeld

    Na ja, hier in BW wurden gerade erst wieder fast 1000 Gymnasiallehrkräfte nach dem Ref nicht übernommen, weil man sie an den Gymnasien nicht zu brauchen meint. Es wäre ein Leichtes, das Einstellungsverfahren anzupassen, so dass wer sich für eine Gymnasialplanstelle bewirbt sich auch automatisch mit für Sek.1 - Stellen bewirbt oder auch an den Gymnasien die Vertretungsreserve anzuheben / Differenzierungsstunden zu erhöhen / … Stattdessen werden gut ausgebildete Lehrkräfte nicht übernommen in den Schuldienst, die dringend gebraucht werden würden.

    Ich stimme dir in allem zu, aber das Problem ist, dass in weiteren Schularten weiterhin dringender Lehrerbedarf besteht. Politisch ist es ein halbes Jahr vor der Landtagswahl schwer zu vertreten, wenn an einem Ort wegen Lehrermangel einerseits das SBBZ oder die Grundschulen Unterricht quasi reduzieren müssen und anderseits am Gymnasium Klassen geteilt werden müssen.

    Zudem: es gibt die Stellen. Auch an Gymnasien. Nur nicht in Baden-Württemberg. Ein Referendar von uns zieht jetzt mit Lehrergattin nach Brandenburg. Dort konnten die beiden sich aussuchen, an welcher Schulart und an welchem Schulort sie eingesetzt werden.

    Du solltest dir vor dem BEM-Gespräch klarmachen, was du eigentlich möchtest, denn das Gespräch dient nur insofern der Aufarbeitung vergangener Ereignisse als dass sie für die zukünftige Gesundheit relevant ist. Ich musste schon BEM-Gespräche betreuen, die völlig ergebnislos verliefen, weil der kranke Kollege sich einfach nur - pardon - auskotzen wollte.

    Zudem muss dir Folgendes klar sein: wenn du nicht auf einer Versetzung bestehst, untergräbst du möglicherweise die Schwere deiner Vorwürfe gegenüber der Schulleitung. Sinngemäß: "Wenn sie sich nicht versetzen lassen will, dann kann es so schlimm ja auch nicht gewesen sein." Nicht, dass das fair wäre, aber so kann es kommen.

    Ich wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Gute!

    Krass, über was sich manche Menschen so alles aufregen können.

    Ich rege mich über so was nicht auf und verstehe die künstliche Erregung beim besten Willen nicht. Aber seufzen tue ich schon. Ich bin sicher, die Beteiligten agieren mit den besten Absichten, aber ich fühle mich da nicht für richtig vollgenommen. Analog dazu meine Beobachtung neulich (Pride-Monat) am Kiosk, dass auf der Packung der Zigarettenblättchen ein Regenbogen abgebildet war. Schön und gut, aber müssen Käse und Kehlkopfkrebs wirklich die Mittel zur Sichtbarkeit gesellschaftlicher Minderheiten sein? Wie viele Vorstandsmitglieder bei Milram haben eigentlich Migrationsgeschichte oder sind Teil der Regenbogenfamilie? Werden die Produkte eigentlich in gleicher Verpackung auch in Staaten verkauft, in denen Homophobie Staatsräson ist? Denn das wäre mal ein Statement. Ansonsten ist es irgendwas zwischen virtue signaling und woke capitalism.

    Ich sehe das ganz entspannt. Dann trage ich halt ein, dass ich so "intensiv" Unterricht vorbereite wie meine ineffizienten Kolleg*innen.

    Sehe ich ähnlich. Wenn ich genau so lahmarschig meine Abiturkorrekturen anfertigen würde wie viele meiner Kolleg*innen, dann müsste ich jedes Jahr die anderthalbfache bis doppelte Menge bearbeiten. Ne, danke.

    Wer eher CDU-affin ist, wird sich vermutlich beim VBE oder Philologenverband heimisch fühlen, die dem Status Quo des Vierklassen-Bildungssystems huldigen.

    Ich höre das immer wieder, aber kann das basierend auf meiner Verbandsarbeit nicht bestätigen, beim Vorstand ist das etwas anders. Auch bei mir an der Schule gibt es alles - von linksökologischer Birkenstockträgerin bis hin zum Unteroffizier der Reserve.

    Ich spreche Berufsanfänger an meiner Schule regelmäßig in meiner Funktion als Schulvertreter vom Philologenverband an. Gerade in rechtlichen Fragen, aber eben auch versicherungstechnisch ist die Mitgliedschaft durchaus sinnvoll, zumal die Beiträge ja bei der Steuer verrechnet werden. Ich bekomme dann gelegentlich zu hören, dass sie das nicht brauchen. Dann sage ich ihnen, dass ich ohne Rechtsbeistand mein Referendariat hätte verlängern müssen, was für mich mehrere tausend Euro Einkommensverlust bedeutet hätte. Und wenn sie dann sagen, dass sie den Philologenverband nicht mögen, entgegne ich: Dann geh eben zur GEW. Es ist nie verkehrt, sich zu organisieren, um gemeinsame Interessen durchzusetzen. Können die Verbände hexen, was Versetzungen oder Lohnerhöhungen betrifft? Nein. Aber wenn sie das könnten, müsste man definitiv mehr bezahlen.

    Das wirkt nur so. Dass junge Erwachsene wenige Jahre nach Berufsstart Eltern werden können, ist genauso wenig überraschend wie der Umstand, dass sie dann näher bei ihrer Familie sein möchten. Dass aber jemand Kinder nur deswegen bekommt, um versetzt zu werden, halte ich für einen Mythos.

    Das habe ich auch nicht behauptet. Bei einigen hat es aber die Motivation zur Familiengründung beschleunigt. Meine erste Schule war relativ weitab vom Schuss und schlecht geführt. Die Liste der Versetzungsanträge war lang, die Schulleitung hat mehreren Kollegen die Freigabe verweigert. Einige haben der Schulleitung auf den Kopf zugesagt: wenn sie keine Freigabe erhalten, werden sie die Elternzeit zum für die Schule ungünstigsten Zeitpunkt antreten. Die Schulleitung hatte dann nachgegeben.

    Die nächsten 6 Jahre wird es zumindest in BW am Gymnasium sicher keinen Lehrermangel geben.

    ---und in sechs Jahren wird dann jeder genommen, der eine Kreide halten kann.

    Das ist aber seit langem bekannt, mindestens seit der Zeit meines Studiums (eher länger), dass Gymnasiallehramt - mit Ausnahme einzelner Fächer - deutlich überbelegt ist. Das ist nicht nur die Rückkehr zu G9. Wer es in den letzten 20 Jahren studiert hat, hat das in diesem Wissen getan.

    Das entspricht nicht ganz meiner Wahrnehmung (Erstes Examen 2005). Damals und in den Folgejahren konnten wir uns - auch jenseits der Mangelfächer - unsere Stellen quasi aussuchen: eine Kollegin wollte nach Heidelberg und konnte ein Angebot aus Mannheim bedenkenlos ausschlagen, andere hatten bereits vor der ersten Lehrprobe eine Stellenzusage. Das hat dann erst ab 2010/12 nachgelassen, mit einigen kuriosen Ausschlägen bei der Nachfrage.

    Abgesehen davon, dass die Anpassungsstörung nur 6 Monate diagnostiziert werden kann und du damit wieder mal bewiesen hast, dass andere keine Ahnung haben, wer warum wie lange fehlt: dass der Beamte im Vergleich zum Hairstylisten ein privilegiertes Beschäftigungsverhältnis hat, sollte klar sein. Der Hairstylist würde nach 6 Wochen Krankengeld bekommen und irgendwann seinen Job verlieren.

    Ruhig, Braune*r.

    Ansonsten verweise ich auf Beitrag 137, in dem ich - denke ich - ziemlich deutlich mache, dass ich um die Besonderheiten in unserem Arbeitsverhältnis verdammt genau weiß. Trotzdem haben wir einen "normalen" Beruf hinsichtlich der Tätigkeit. So war mein Hinweis zu verstehen gewesen.

    Und was die Anpassungsstörungen betrifft: die können per Attest verlängert werden. Geht problemlos. Warum ich das weiß? Weil ich mit den Fällen als Personalrat vertraut war.

    Und jetzt darfst du gerne wieder über andere Stöckchen springen, ja?

    Ich habe es oben schon geschrieben: In dieser Hinsicht haben wir keinen normalen Beruf. Wir sind in einem Dienstverhältnis, bei dem Loyalität gegenüber dem Dienstherr, aber eben auch die Fürsorgepflicht des Dienstherrn nochmal deutlich höher gehängt sind als in einem normalen Beschäftigungsverhältnis. Beide Seiten, sowohl der Dienstherr als auch die Beamten, erkaufen sich die Privilegien, die damit einher gehen, teuer.

    Genau das hatte ich ja im Beitrag 137 geschrieben. Daher volle Zustimmung.

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